Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

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Schnell wie die Sackpost

Jeder, der einen schnellen Internetanschluss beantragt, sollte auch das Recht darauf haben [...] Die Post muss auch die Briefe auf jede Alm liefern. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit. Alle Regionen in Deutschland brauchen ähnliche Entwicklungschancen

Bärbel Höhn, Diplom-Mathematikerin, stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Der Alarmknopf gratuliert Frau Höhn zu ihrer realsatirisch wertvollen Idee, für ein Recht auf einen “schnellen Internetanschluss” zu argumentieren und als rhetorisches Hilfsmittel für dieses lobenswerte Anliegen ausgerechnet die Sackpost einzuspannen, deren hohe Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit wohl jedem Briefkastennutzer ein Begriff ist.

Legitimiert das Internet!

Wir müssen darüber nachdenken, wie wir dieses rasant wachsende Netz demokratisch legitimieren

Frank-Walter Steinmeier, SPD, Außenminister der Bundesrepublik Deutschland

Diese Sprechblase eines BRD-Spitzenpolitikers zur “Begründung” einer weitgehenden Überwachung und Durchregulierung der Nutzungsmöglichkeiten für die Mehrzahl der Menschen sei hier ohne weitere Worte wiedergegeben. Der Herr Steinmeier, der ebenfalls davon spricht, dass im Internet “Spielregeln” gelten sollen und damit klar macht, dass es seiner Meinung nach für die vielen Nutzer keine gesetzlich verbrieften Rechte geben darf, ist übrigens der gleiche werte Herr, der im Jahr 2002 den Vertrag unterschrieben hat, der die Daten aller Menschen in der Bundesrepublik Deutschland vom BND erfassen lässt und an den monströsen Geheimdienstapparat der USA weiterleitet. Wer die unübersehbare Arschlochhaftigkeit diesen Gruß aus Alzheim und die durchgehende Menschen-, Rechts- und Intelligenzverachtung des werten Herrn Frank-Walter Steinmeier für eine Wahlempfehlung hält, der wähle weiterhin eine SPD, in der solche Gestalten zu Macht und Einfluss gelangen!

Alles Google geht vom Verleger aus

Denn die Macht von Google, die keiner mehr bestreiten sollte, ist eine Macht, die von den traditionellen Verlagen ausgeht, auch wenn sie nicht dorthin zurückkehrt. Von den vielen Millionen deutschen Dokumenten, die das Google-Archiv auf seinen Servern bereithält, stammt kein einziger Text von einem Google-Mitarbeiter, sondern alles, was da an Artikeln begeistert, polarisiert, langweilt oder einfach nur informiert, ist von den Autoren deutscher Verlage in deutscher Sprache erstellt worden und – Vorsicht: jetzt kommt die Täterbiographie des späteren Opfers zum Vorschein – den Google-Suchmaschinen freiwillig überreicht worden

FAZ — Google-Debatte: Unsere Waffen im digitalen Freiheitskampf von Gabor Steingart

BULLSHIT -- Unterschätze niemals die von den Medien transportierte Eloquenz und seriöse Mimikry der Gehirnverweigerer!Kurzkommentar

Ob der Herr Steingart wohl weiß, was der Unterschied zwischen einem Telefonbuch und einem Telefongespräch ist? Für jene, die das Wort nicht mehr verstehen: Ein Telefonbuch — Herrn Steingart sicherlich noch ein Begriff, bei jedem zivilisierten Menschen unter 40 Jahren ist es jedoch mittlerweile durch bequemere und technisch bessere Lösungen ersetzt worden — ist eine alphabetische Liste von Namen in einem Ortsnetz, denen Telefonnummern und identifizierende Teile ihrer Anschrift zugeordnet sind. Da wir von den alten Römern ein System von sechsundzwanzig lustigen Kringeln in einer willkürlichen Anordnung übernommen haben, das uns ganz nebenbei einen alltagspraktischen Sortierschlüssel für jedes schreibbare Wort gegeben hat, war so ein Telefonbuch eine sehr praktische Angelegenheit, um die Telefonnummer eines Menschen herauszubekommen. Der Herr Steingart, der sich mit den oben zitierten Worten gegen Google der von seinem Arbeitgeber vorgegebenen Aufgabe entledigt hat, etwas gegen Google zu schreiben (und von eine Google-Debatte zu blahfaseln, die nur unter Qualitätsjournalisten seines nicht besonders großen Kalibers stattfindet), hätte die Technologie “Telefonbuch” vermutlich mit folgenden Worten beschrieben:

Von den vielen Millionen deutscher Telefongespräche, deren Nummern das Archiv des Telefonbuchverlegers bereithält, stammt kein einziges Gespräch von einem Mitarbeiter des Telefonbuchverlages, sondern alles, was an den Gespräche begeistert, polarisiert, langweilt oder einfach nur informiert, ist von Sprechern der deutschen Sprache gesprochen worden.

Diese Einlassung wäre selbstverständlich um eine genaue Beschreibung des Geschäftes eines Telefonbuchverlages ergänzt worden, um aus darin platzierter Reklame, Adresshandel und andere Dinge zu Lasten der vielen Fernsprechteilnehmer — na, Herr Steingart, habe ich mit diesem Wort ihre Sprache und Denke getroffen? — Reibach zu generieren.

Nun gut, die meisten Menschen außerhalb einer BRD-Redaktionsstube freuen sich jedenfalls über gut funktionierende Suchmaschinen, die ihnen mit sehr geringem Aufwand allerlei Großes und Kleines, Schlaues und Dummes, Schönes und Hässliches im Großen und Ganzen so zugänglich machen, dass das Gesuchte gefunden wird. Und die intelligenteren unter diesen Menschen wissen sich auch gegen gewisse Machenschaften zu wehren…

Die datengesteuerte Werbung im Internet erinnert mittlerweile auf fatale Weise an die Drückerkolonnen der frühen Nachkriegsjahre, als man Kosmetika, Plastikschüsseln, Zeitschriften und Lebensversicherungen an der Haustür vertrieb, ach was – verhökerte, verkloppte, aufschwatzte, nur dass die Avatare der damaligen Drücker heute englisch mit uns reden. Ihre Haustür ist unser Computerbildschirm, auf dem die Abgesandten aus der Welt der künstlich erzeugten Bedürfnisse mit Push-Mails, Overlayern und Pop-up-Windows unentwegt auf- und abmarschieren

…und haben erstens einen Adblocker installiert — der auch ganz gut gegen die handvoll externer Tracking-Skripten in diesem einen Artikel auf der Website der Frankfurter Allgemeinen hilft, die übrigens nur dieser an halbkriminelle Drückerkolonnen gemahnenden datengesteuerten Werbung im Internet dienen — sorgen zweitens dafür, dass nicht jede Website Code im Browser ausführen darf und stellen drittens ihren Browser so ein, dass keine Cookies über extern eingebettete Inhalte der dargestellten Seite angenommen werden. Einige versiertere Menschen gehen sogar wesentlich weiter, und nichts von dem, was diese tun, ist hochgeheime Raketenwissenschaft. Vielleicht sollte der Herr Steingart mal einen dahergelaufenen Vierzehnjährigen fragen, wie man sich dieses Web erträglich macht, dann würde er nicht in so realsatirischer Weise über seine eigene Dummheit und sein Unwissen jammern, um dieses hochnotlächerliche Geflenne dann in die scheinbare Seriosität der Presse einzupacken, um es in eine Art FUD-Propaganda gegen Google umzuwandeln. Oder, um Herrn Steingart zum letzten Male zu zitieren:

Wir gaben Google unsere [...] Hirne

Mit Verlaub, Herr Steingart, das merkt man aber auch, wenn man liest, was sie ins Fäuleton der FAZ stempeln lassen! :mrgreen:

Nachtrag, 25. Juni: Mario Sixtus: Das deutsche Internet, erklärt von Gabor Steingart

Massenproduktion von Intelligenz beginnt im Juli

Screenshot von golem.de --  Smartwatch: Apples iWatch für Oktober geplant -- Apples erste Smartwatch kommt im Oktober auf den Markt, wie es in einem aktuellen Bericht heißt. Die Massenproduktion der intelligenten Uhr soll im Juli beginnen. Mit der Apple-Uhr wird ein Schub für den Smartwatch-Markt erwartet.

Quelle des Screenshots: Internet.

Kurzkommentar

Programmierbarkeit und Intelligenz sind zwei sehr verschiedene Eigenschaften — was vermutlich jeder weiß, der schon einmal einen Computer programmiert hat… ;)

Knopf drücken, Einsamkeit beenden!

Ich bin seit 2006 Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern. Seit meinem Amtsantritt predige ich, vorsichtig im Umgang mit der Technik zu sein. Wer seinen Rechner einschaltet, muss sich bewusst sein, dass er von dem Moment an nicht mehr allein ist. Egal, wer sich da gerade reinhackt, ob das die Chinesen oder die Amerikaner oder die Russen sind. Es ist doch nichts Neues, dass all diese Länder Daten einsammeln. Die Geheimdienste aus Frankreich oder England interessieren sich nicht nur für unsere Bummi-Bücher. Ich finde: Man sollte sich im Internet nicht komplett entblößen, dann geht es einem auch besser. Das war aber, wie gesagt, schon vor Snowden klar.

Lorenz Caffier, CDU, Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern

Die Worte dieses bedauerlicherweise mit Macht und politischen Gestaltungsfähigkeiten ausgestatteten Menschen, der übrigens ganz genau weiß, wie man “Zukunft” buchstabiert, mögen von keinerlei Kommentar gebremst für sich alleine wirken…

Für jene Leser, die nicht wissen, was “Bummi-Bücher” sind, hier eine kleine Erläuterung. Das intellektuelle Niveau, das der werte Herr Innenminister bei seinen Zuhörern voraussetzt, ist damit schon einmal abgeklärt.

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