Neuland
Am 6. August 1991, also vor rund 22 Jahren, veröffentlichte Tim Berners-Lee seinen Entwurf des World Wide Web im Usenet (Focus Online berichtete) und hat auf diese Weise einen weiteren, heute sehr populären Dienst im Internet begründet. Die Internet-Dienste Usenet, E-Mail, Telnet, Gopher, FTP und diverse andere existerten damals bereits seit Jahren. Das World Wide Web wurde für viele Menschen nach der Veröffentlichung des Webbrowsers Mosaic Netscape 0.95 beta im Oktober des Jahres 1994 immer mehr zum “eigentlichen Internet” und ist heute für die Mehrzahl der Menschen ein ganz gewöhnlicher Bestandteil ihres Alltags.
Am 19. Juni 2013, also gut sieben komplette Erdzeitalter der Computertechnik später, gab Angela Merkel, CDU, Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, anlässlich des Besuchs des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama, auf dem Hintergrund einer von den USA betriebenen, nahezu allumfassenden Überwachung der weltweiten Internetnutzung und Telekommunikation den folgenden Witz zum Besten:

Was haben wir alle gelacht! Fast so, wie bei diesem “Ich liebe doch alle“, das ebenfalls von einem Menschen mit deutlichen Realitätsverlusten ausgesprochen wurde…
Quelle des Screenshots: Internet
Helfer, die von der Adresszeile in den Twitterclient kopieren…
Ich mach das ja selber… ich mach das bis heute selber und es gibt niemanden, der für mich twittert, ich hab lediglich hier einige Kollegen im Haus, die mich ab und zu auf ein Thema hinweisen, mir einen Link machen… das kann ich bis heute noch nicht, aber alles andere mache ich…
Steffen Andreas Seibert, Regierungssprecher und früherer Journalist beim ZDF, im Interview
Oh, was platscht denn da ins Aquarium? Wie hübsch, ein frischer Blindfisch.
Revolution abgeschlossen, Schule wird rebootet
Die gute Nachricht des Tages: Die digitale Revolution ist weitgehend abgeschlossen, meint Herr Dr. Walter Scheuerl, parteiloses, zur CDU-Fraktion gehöriges Mitglied der Hamburger Bürgerschaft und Sprecher der Hamburger Volksinitiative “Wir wollen lernen”. Seine Einlassungen in Form von Kürzsttexten seien hier zur allgemeinen Erbauung wiedergegeben:
Bei solch progressiven Vordenkern der Kultuspolitik brauchen wir uns um die Zukunft der BRD wahrlich keine Sorgen mehr zu machen — das ist nämlich auch bereits abgeschlossen. Möge die Schule auch weiterhin ein Ort bleiben, an dem die Erwachsenen von morgen auf die Herausforderungen von gestern vorbereitet werden!
Deutsches Twitter
Peter Altmaier, CDU, amtierender Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und lt. der Hofberichterstatter vom Handelsblatt der “Twitter-König” der CDU, äußert sich beim bekannten nationalen deutschen Webdienst Twitter über den bekannten nationalen deutschen Webdienst Twitter. Das platschende Geräusch war ein Blindfisch, der ins Aquarium gefallen ist.
Kindklick
Es kann nicht sein, dass Erwachsene mit ein paar Klicks zu Kindern werden
Boris Rhein, CDU, Hessischer Staatsminister für Inneres und Sport
Zitiert nach Heise Online
Kein Kommentar
Tatmittel Internet
Strafverfolger registrierten demnach 229.408 Fälle von Kriminalität “unter Nutzung des Tatmittels Internet”, wozu vor allem Betrugsdelikte zählen. 2011 waren es noch 222.267
Heise Online — Polizeiliche Kriminalstatistik: Internetstraftaten und Computerkriminalität nehmen zu
Kommentar
Es gibt schon seit Jahren in der polizeilichen Kriminalstatistik eine Zusammenfassung und Zusammenbetrachtung verschiedener Delikte, bei denen das “Tatmittel Internet” irgendwie genutzt wird; und die so erzeugte Kategorie wird jedes Jahr hochoffiziell polizeilich und in die gebieterische Autorität peniblen Zählens eingekleidet als Zahl genannt; diese Zahl wird über die Jahre verfolgt und bei sich bietender Gelegenheit zur “sachlichen” Grundlage von politischen Forderungen gemacht, die sich dann selbstverständlich gegen das Internet richten, gegen dieses “Tatmittel”, das man gar nicht genug kriminalisieren, überwachen, begrenzen und bekämpfen kann, wenn man nur diese Zahlen sieht.
Zumindest mich würden an dieser Stelle einmal die Zahlen für das “Tatmittel Telefon”, das “Tatmittel Postwurfsendung” oder das “Tatmittel Auto” interessieren, bitte genau so bunt und damit nichtssagend zusammengefasst, wie dies jedes Jahr von der Polizei im Auftrage des Bundesinnenminsteriums fürs Internet praktiziert wird, und bitte auch als Grundlage für spätere politische Forderungen. Ach, gibt es nicht? Das wird von niemanden so erfasst? Daran hat niemand Interesse? Warum wohl nicht…
Trau keiner Statistik, die du nicht selbst… ach, ihr wisst schon.
Der CDU-Internet-Wahlkampf ist eröffnet
Zitat Heise Online: CDU setzt im Online-Wahlkampf auf Bilder, Videos und Netzwerke:
[...] Das Internet habe verglichen mit vergangenen Bundestagswahlen an Bedeutung gewonnen, sagte CDU-Bundesgeschäftsführer Klaus Schüler am Donnerstagabend zur Vorstellung der überarbeiteten Website. “Da hat sich eben was verändert, das ist ganz klar. Das Thema Online hat eine größere Bedeutung gewonnen.” Auf der Seite finden sich prominent Multimedia-Inhalte wie Videos. Nutzer können Verbindungen zu Sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook aktivieren und Inhalte dort selbst weiterverbreiten.
Kommentar
Ah ja, kurz nach der Erdrosselung des von jeden Menschen mitgestaltbaren Raumes des Internet setzt die CDU für ihren Webwahlkampf auf das “Thema Online” und hat dafür eigens eine neue Website gestalten lassen. Eine mit ganz viel Video.
Das ist doch eine gute Gelegenheit, mal die Kompetenz dieser Kompetenz-Simulatoren abzuklopfen und das HTML dieser neuen Website vom W3C-Validator auf Fehler überprüfen zu lassen.
Oh, was ist denn das:

Na, sowas aber auch! Mit einem Browser kann man die Site aufrufen, aber wenn der W3C über seinen Validator die gleichen Inhalte anfordert, wird die Verbindung durch Webserver getrennt. Da versteht aber jemand, wie man die Direktive Deny from richtig einsetzt!
Fragt sich nur, warum das jemand tun sollte?
Ich habe mir den HTML-Quelltext mal mit Strg+U direkt angeschaut und direkt über die Zwischenablage in das Eingabefeld unter Validate by Direct Input eingetragen.
Und das Ergebnis dieses Minimalhacks auf dem Niveau eines siebenjährigen Netzkindes zeigt mir, warum das Ergebnis einer Überprüfung wohl von den Spezialexperten bei der CDU als nicht so werbewirksam empfunden wird:

Oops!
Damit ist wohl klar geworden, warum der Webserver so konfiguriert ist, dass er den wichtigsten Validierungsdienst des Web nicht durchlässt. Die syntaktischen Fehler gehen bis hin zu LINK-Elementen im BODY des Dokumentes (für Laien: das ist so, als ob man in einem geschriebenen Satz die Wörter durchmischte und den Leser vor die Aufgabe der Interpretation stellt) und der Verwendung nicht spezifizierter Elemente (für Laien: Das ist so, als ob man sich Wörter in einem geschriebenen Satz einfach selbst ausdächte). Als ob solche syntaktischen Fehler nicht schlimm genug wären, wurden IDs von Elementen mehrfach vergeben (für Laien: Das ist so, als ob man mehreren Leuten die gleiche Nummer in den Personalausweis schriebe oder das gleiche Kfz-Kennzeichen mehrfach vergäbe, so dass eine eindeutige Identifikation anhand des Merkmals nicht mehr möglich ist). Da Ansprechen solcher Elemente mit JavaScript getElementById() oder das Formatieren solcher Elemente mit CSS ist eine Art Glücksspiel, dessen Ergebnis davon abhängt, wie die Browser mit dem Fehler umgehen.
Alles in allem erweckt die Lügensite der CDU zum Wahlkampf den Eindruck, von einem Menschen ohne technische Fachkenntnisse zusammengestrokelt worden zu sein, hauptsache, das Ergebnis sieht irgendwie ansprechend aus. Und hauptsache natürlich, es gibt viel Video…
Ja, CDU, jetzt verstehe ich, wie das bei euch ankommt, wenn das Thema Online eine größere Bedeutung gewonnen hat.
CDU/CSU argumentieren für De-Mail
Die CDU/CSU-Fraktion argumentiert, dass [sic!] De-Mail-Verfahren habe “ein deutlich höheres Sicherheitsniveau als Kommunikationsformen wie herkömmliche E-Mail und Telefax”.
Spiegel Online — Trotz Experten-Kritik: Bundestag erklärt De-Mail per Gesetz für sicher
Immerhin haben die extrakompetenten Sonderspezialisten in Sachen Sicherheit aus den Unionsfraktionen, deren Namen der Spiegel trotz gekennzeichneten Zitates unter dem Schleier des peinlich berührten Schweigens hält, De-Mail nicht mit Rauchzeichen, sondern “nur” mit Telefax verglichen.
Der pawlowsche Hund hat den Knall gehört…
…und reagiert darauf mit dem erwartungsgemäßen Speichelfluss:
Explosionen in Boston: CSU ruft erneut nach Vorratsdatenspeicherung
Nach den mutmaßlichen Terroranschlägen in Boston dringt die CSU erneut auf die Einführung der Vorratsdatenspeicherung. Der Innenexperte der Partei, Uhl, sagte im Deutschlandfunk, die Speicherung von Kommunikationsdaten sei ein wichtiger Baustein, um Anschläge zu verhindern. Anders könne der Staat seine Bürger nicht schützen
Hans-Peter Uhl (CSU), indirekt zitiert nach dradio.de
Anstelle eines Kommentares gibt es einen Link auf Fefes Blog, der vom Alarmknopf wärmstens empfohlen wird.
Nachtrag
Wenn es um Angriffe auf den Datenschutz geht, trampeln Deutschlands Volksvertreter notfalls über Leichen
Indiskretion Ehrensache — Die Widerwärtigkeit des Hans-Peter Uhl
Bundestag will Nutzung datenschutztechnisch solider Standardsoftware im Internet unmöglich machen
Nur ein Kommentar, kein Zitat, weil das Zitat zu lang würde
Wie Heise Online berichtet (bitte dort weiterlesen), hat sich die Regierungskoalition aus CDU, CSU und FDP auf eine “Neuregelung der Bestandsdatenauskunft” geeinigt, und diese Einigung findet die Unterstützung der SPD, damit auch niemand glaube, es gäbe in Sachen vollständige Bürgerentrechtung und Kriminalisierung des gesamten Internet eine Opposition in der BRD.
Zweck dieser Gesetzgebung ist ein Regelung der Auskunftspflicht von Internet- und Telefoniedienstleistern über die Nutzung ihrer Dienste durch registrierte Anwender gegenüber den Strafverfolgern, also den Staatsanwaltschaften und den Gehilfen der Staatsanwaltschaften, den Polizeien.
Diese Auskunftspflicht gilt nicht nur für Registrierungs- und Nutzungsdaten, sondern auf richterlichen Beschluss auch für Passwörter. Immerhin soll dabei nach Auffassung von CDU, CSU, FDP und SPD keine Willkür möglich sein, da es für eine Auskunft doch mindestens zu einer Ordnungswidrigkeit gekommen sein muss, also zu so etwas wie Falschparken oder Radfahren auf einem Fußweg. Mit diesem Rechtsrahmen würden bewährte, verantwortungsvolle und allgemein übliche Methoden des Datenschutzes bei der Speicherung von Passwörtern in der Bundesrepublik Deutschland praktisch illegal, da sie die vom Gesetzgeber geforderte Auskunftspflicht unterliefen.
Was heißt das?
Es heißt zum Beispiel, dass für ein Webangebot in der Bundesrepublik Deutschland keine Standardsoftware mehr verwendet werden kann. Wer ein Webforum aufmachen möchte (und damit Dienstleister wird), wer ein Blog betreiben möchte (und damit Dienstleister wird) oder wer einen einfachen kleinen Webshop betreiben möchte (und damit Dienstleister wird), kann bewährte Software zu diesem Zweck nicht verwenden, weil ihre Programmierer selbstverständlich so viel Verantwortungsgefühl für den Datenschutz hatten, dass die Software keine Passwörter im Klartext speichert.
Diese Regelung ist also ein weiterer Hebel, um den Betrieb von privaten und kleingewerblichen Websites in der Bundesrepublik Deutschland zu erschweren oder gar mit beliebigen Sanktionen belegbar und damit praktisch unmöglich zu machen, wenn der gerade zum Gesetz werdenden Auskunftspflicht nicht Genüge getan werden kann, weil die verwendete Software guten, bewährten Grundsätzen des Datenschutzes folgt.
Es ist nicht absehbar, welche Folgen die Kriminalisierung des Datenschutzes durch den Deutschen Bundestag haben wird. Obwohl das allein schlimm genug wäre, handelt es sich nicht nur um einen Verlust von Datensicherheit für jeden Menschen, der in der Bundesrepublik Deutschland Internetdienste nutzt, denen gegenüber er sich durch ein Passwort authentifziert. Es handelt sich auch um den Verlust der Möglichkeit, einfach eine Website mit dafür geeigneter, bewährter und in jedem anderen Staat der Welt (einschließlich der VR China) problemlos verwendbarer Standardsoftware aufzusetzen und zu betreiben. Tatsächlich ist diese Gesetzgebung ein verstecker und — wenn dies vorstätzlich geschieht — ausgesprochen kryptischer und hinterhältiger Angriff auf das “Amateur-Web”, in dem sich die bunte Vielfalt des Lebens einfacher Menschen nichtkommerziellen Ausdruck verschaffen kann UND auf die kleingewerblichen Nutzungs- und Geschäftsmöglichkeiten des Internet. Die ganz besondere Hinterhältigkeit dieses Angriffs auf das Internet liegt darin, dass die meisten Menschen kein technisches Wissen darüber haben, mit welchen kryptografischen Methoden Passwörter so gespeichert werden, dass diese auch bei einem erfolgreichen Angriff nicht gegenüber dem Angreifer offengelegt werden, so dass während des Gesetzgebungsverfahrens kein breiterer Widerstand gegen diese Entrechtung zu erwarten ist. Wenn der entrechtende Unsinn dann erst einmal zu Rechtskraft gelangt ist, ist es zu spät und man kann nur noch auf eine schnelle Beendigung des Spuks durch das Bundesverfassungsgericht hoffen.
Dieser Angriff steht in einer gesetzgeberischen Kontinuität in der Bundesrepublik Deutschland, die eine Absicht und einen Vorsatz wahrscheinlich erscheinen lassen. Dem bestehenden Minenfeld juristischer Unwägbarkeiten, auf das sich Bewohner der Bundesrepublik Deutschland noch mit dem Betrieb der harmlosesten Website begeben — Unwägbarkeiten, die bis zur Gefährdung der eigenen wirtschaftlichen Existenz gehen — soll neben dem so genannten “Leistungsschutzrecht für Presseverleger”, dem bestehenden Wahnsinn des Abmahnunwesens und dem unüberschaubaren Schutz diverser Immaterialgüterrechte ein weiterer versteckter Sprengsatz hinzugefügt werden. Dass dies auf Kosten des Datenschutzes geht, wird dabei billigend in Kauf genommen.
Selten nur passt das Logo des Alarmknopfes, ein “Internet-Ausschalter”, so gut zu einer gesetzgeberischen Absicht wie in diesem Fall. Hier geht es um einen Versuch, Websites über einen bequemen Hebel ausschalten zu können — und die angeblich wachsenden polizeilichen Möglichkeiten durch eine Passwortauskunft sind nur ein billiger, fadenscheiniger Vorwand, um dieses klandestine Ziel zu erreichen. Schon jetzt können ganzen Datenbestände von Websites auf richterliche Anordnung beschlagnahmt werden, um für forensische Zwecke an Kommunikationsdaten einer kriminellen Nutzung von Internetdiensten zu gelangen, und dies geschieht in der Praxis auch. Welchen Vorzug für die Ermittlungen soll dabei eine Pflicht zur Offenlegung eines Passwortes haben? Es gibt keinen mir unmittelbar einleuchtenden Anwendungsfall, außer es geht um die Fälschung von Beweismaterial durch übereifrige Polizeibeamte.
Innenpolitiker neigen ja dazu, ihre Beglückungsideen mit den Worten “Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein” zu begleiten. Was sie allerdings zu meinen scheinen, ist etwas völlig anderes: “Die Bundesrepublik Deutschland muss ein internetfreier Raum werden”.
Grüße vom Alarmknopf auch an die SPD, die so etwas im Vorfeld einer Wahl mitträgt. Dies ist ein wirksames Mittel gegen die Illusion, dass ein Austausch der Regierungspartei zu einer anderen Politik führen würde. In diesem Sinne: GASMOP! PLONK
Proxyserver? Verbieten!
Strafverfolgung müsse im Falle kriminellen Handelns möglich sein. “Wir fordern daher die Untersagung einer vollständigen Verschleierung der eigenen Identität mit Hilfe von technischen Manipulationen”, erklärte Hauk. Einen Klarnamenzwang im Internet lehne die Partei jedoch ab.
Peter Hauk, CDU Baden-Württemberg, Vorsitzender der Landtagsfraktion und netzpolitischer Sprecher [!] der Fraktion, indirekt zitiert über Golem
Genervter Kurzkommentar
Gratuliere, Herr Hauk! Sie haben mal eben die Idee, die Verwendung von Proxyservern zu kriminalisieren. Es geht ihnen ja um IP-Adressen, wenns ihnen nicht um Klarnamen geht. Dass die Datenpakete keinen elektronischen Personalausweis tragen, ist also in ihr “netzpolitisches” Bewusstsein getröpfelt. Und warum wollen sie das? Ach ja, weil sie in ihren polizeistaatlichen Beglückungsideen keinen Platz mehr für das “gefühlte Menschenrecht” auf anonyme Nutzung des Internet lassen möchten. Und nein, es geht ihnen nicht nur um Tor und eher klassische Proxies (und natürlich um VPNs), sondern um jedes Hilfsmittel zur “Verschleierung” (warum nicht gleich “Internet-Burkas”) der eigenen Identität. Ein Link auf eine Liste von Glype-Proxies ist also ein Link zu “Hilfsmitteln”, die ihrer Meinung nach kriminalisiert werden solen. Am besten gleich den Link mitkriminalisieren!
Ganz großes Kino. Während ein gewöhnlicher Internetnutzer ohne illegale Absichten keine legale Möglichkeit mehr haben soll, sein bisschen Recht auf Anonymität wahrzunehmen — was ja angesichts der ausgeweiteten wirtschaftlichen und kriminellen Datensammeleien auch eine Maßnahme zum informationellen Selbstschutz ist — werden die richtigen Verbrecher weiterhin ihre Botnetze aus kriminell übernommenen Privatrechnern zur Verfügung haben. Das schafft doch die “klaren Regeln im Netz”, von denen sie ebenfalls faseln: Verbrecherschutz und gleichzeitige juristische Gängelung legitimer Netznutzung. Nehmen sie ihren Platz im Aquarium der Blindfische ein und machen sie dort ihre fröhlichen Blubberbläschen! Platsch!
Siehe auch Fefes Blog…
Mailadresse? 40 Euro monatlich!
Auf der einen Seite hat der Verbraucher den Wunsch nach kostenlosen Diensten, zugeschnittenem Service und innovativem Internet und auf der anderen Seite auch den Wunsch nach einem hohen Datenschutz. Sie schreiben mir Ihre Email wahrscheinlich auch von einem Emaildienst, der Ihnen kostenlos zur Verfügung steht?
Sehr strenge Regelungen für die Werbewirtschaft, die die Einwilligung des Verbrauchers benötigen, können z.B. zu kostenpflichtigen Emailkonten führen. Denn auch wenn es bisher nicht so wahrgenommen wird: Der Verbraucher “zahlt” kostenfreie Dienste mit der Möglichkeit der Anbieter zur Nutzung seiner Daten. Der Mehrwert werbefinanzierter Dienste wird auf ca. 40,- EUR pro Nutzer und Monat geschätzt. Ob im Gegenzug Nutzer bereit wären, 40,- EUR pro Monat für Online-Dienste zu bezahlen, erscheint mir sehr fraglich. Deshalb sollte man im Interesse des Nutzers einen noch ausgewogeneren Ansatz finden.
Kommentar
Woher der Herr Axel Voss seine absonderlichen Preisvorstellungen für eine nicht werbefinanzierte Mailadresse hat, die ihren Nutzer jeden Monat vierzig Euro kosten soll, ist etwas rätselhaft. Es ist durchaus möglich, einen leistungsfähigen virtuellen Server für einen geringeren monatlichen Preis zu mieten. Wenn es aber einfach nur um eine Mailadresse geht, ist man etwa bei HostEurope [von mir willkürlich ausgewählt] mit einer einmaligen Einrichtungsgebühr von rund 10 Euro und monatlichen Kosten für die verwendete Domain unter einem Euro dabei und hat eine vollwertige, eigene Mailadresse, die nicht den unbegrenzten Datensammelbegehrlichkeiten der Reklameindustrie dient und die selbstverständlich über IMAP, POP3 und SMTP verwendet werden kann, so dass sie mit jedem E-Mail-Programm nutzbar ist. Vermutlich gibt es bei anderen Hosting-Anbietern noch preiswertere Angebote.
Der erschröckliche Betrag, den der Herr Voss da nennt, soll — wenn es sich nicht um blanke Unkenntnis und Inkompetenz handelt, sondern “nur” um die gewöhnliche politische Lüge — erschrecken und verängstigen, auf dass niemand mehr allzu große Bedenken hat, dass die Reklameindustrie riesige Datensammlungen aus der persönlichen Kommunikation von Menschen anlegt. Wie sehr jemand, der entweder vollkommen unwissend ist oder derart offen lobbygesteuert seine Wähler anlügt, dafür geeignet ist, den gesetzlichen Rahmen des Datenschutzes festzulegen, möge bitte jeder selbst entscheiden.
Nur neun Megabyte? — Spendet Festplatten für das BMI!
Im Pressereferat des BMI stand den Referenten bis Dezember 2012 ein nur auf 9 MB beschränktes Postfach zur Verfügung. Dadurch bedingt musste immer wieder das Postfach leer ‘geräumt’ werden, d.h. Mails gelöscht werden. Insofern ist es in der Pressestelle ‘üblich’ die Postfächer regelmäßig zu leeren. Die Mails werden individuell je nach Arbeitsplatzkapazität des jeweiligen Computerarbeitsplatzes gelöscht.
Dr. Hans-Peter Friedrich, Innenminister der Bundesrepublik Deutschland, zitiert nach Heise Online
Satirischer Kommentar und Spendenaufruf
Liebe Bundesbürger, liebe Bundesbürgerinnen,
wenn wir dem Herrn Innenminister glauben dürfen, gibt es ein erhebliches Problem im Bundesinnenministerium. Und wer würde einem ehrenwerten Mann, der nicht nur Innenminister, sondern sogar Doktor ist, nicht seinen uneingeschränkten Glauben schenken?!
Offenbar sind angesichts der laufenden Sparmaßnahmen zur Konsolidisierung des Bundeshaushaltes die wenigen tausend Euro für einen angemessenen Satz Festplatten zur Archivierung des Mailverkehrs des Ministeriums nicht mehr übrig, und die vorhandenen Festplatten sind dermaßen übervoll von irgendwelchen “Dateien” zur Speicherung von Rechtsextremen, Islamisten und Leuten, die in einer Einbahnstraße Zigaretten anzünden, dass einzelnen Mitarbeitern nur noch neun Megabyte in ihrem Postfach zur Verfügung stehen. E-Mails, die Vorgänge in der Bundesregierung aufschlüsseln und nachvollziehbar machen, müssen wegen dieser drangvollen Enge gelöscht werden.
Dies ist bedauerlich. Gegenwärtige politische Vorgänge im Bundesinnenministerium gehen verloren, der Bundestag verliert seine Kontrollmöglichkeit und späteren Historikern gehen wertvolle Primärquellen zur Beurteilung der heutigen Regierung unwiederbringlich verloren.
Dieser Zustand muss beendet werden! Das ist alternativlos!
Und sie haben es in der Hand, diesen Zustand zu beenden, lieber Bundesbürger und liebe Bundesbürgerin!
Wenn sie noch eine alte, für sie nicht mehr brauchbare, aber dennoch funktionierende Festplatte herumliegen haben, spenden sie diese Festplatte dem Bundesinnenministerium! Es kostet sie nichts weiter als eine Verpackung, in der die Festplatte sicher transportiert werden kann, und natürlich das Porto.
Senden sie diese Festplatte an das
Bundesministerium des Inneren
Alt-Moabit 101D
10559 Berlin
und weisen sie in einem Begleitschreiben darauf hin, warum sie das tun und dass sie eine dauerhafte Archivierung des Schriftverkehrs der Bundesregierung für so wichtig halten, dass sie in diesen schweren Zeiten voller Sparprogramme sogar zu einer Spende, zu einem persönlichen Opfer, bereit sind.
Angesichts der Fülle und Bedeutung des Schriftverkehrs können es gar nicht genug Festplatten werden.
Und angesichts der offensichtlichen finanziellen Enge für IT-Anschaffungen des Bundesministeriums des Innern ist kein Beitrag so klein, dass er unwichtig wäre.
Seien sie ein guter Bürger der BRD und unterstützen sie ihren Bundesinnenminister!
Schauen sie auch im Keller nach, ob sie noch Festplatten finden!
Jedes Byte wird gebraucht! Jedes Byte ist wichtig! Das Bundesinnenministerium darf kein speicherplatzfreier Raum sein!
Wenn wir das alle wollen, schaffen wir das: Zehntausend funktionierende Festplatten für Dr. Hans-Peter Friedrich!
Mit staatsbürgerlichem Gruß
Der Alarmknopf
Nachtrag 21:00 — Ein nur auf dem ersten Blick sehr ähnlicher Aufruf befindet sich im Forum von Heise Online, und in der Tat: Die gesamte CDU/CSU-Fraktion bedarf dringend der Datenspeicher, und zwar jedes einzelnen Bytes.
Nachtrag 20. Februar, 16:20 Uhr — Das war alles nur… ähm… eine Verwechslung technischer Begrifflichkeiten. Und einen objektiven Grund für die Löschung einer Mail mit der Weitergabe interner Informationen an das springersche Blutblatt “Bildzeitung” hat es gar nicht gegeben. Aber das ist nach den Nebelgranaten… sorry… Verwechslungen technischer Begrifflichkeiten durch den Herrn Innenminister Dr. Friedrich fast in Vergessenheit geraten.
SMS und Twitter: Die Sprache stirbt!
Twitter und SMS gefährden nach Meinung des Rechtschreibrats-Vorsitzenden Hans Zehetmair das deutsche Sprachgut. “Die deutsche Sprache wird immer weniger gepflegt”, beklagte Zehetmair in einem dpa-Gespräch. [...]
Der Sprachverfall betreffe vor allem die junge Generation. Das Vokabular der Jugendlichen sei via SMS und Twitter generell sehr simpel, die Rechtschreibung fehlerhaft. “Alles ist super, top, geil, aber nicht mehr authentisch”, kritisierte Zehetmair. “Ich will die moderne Technik nicht verurteilen, aber die Jugend darf sich von der schwindelerregenden Entwicklung nicht vereinnahmen lassen.” [...] sagte der ehemalige bayerische Kultusminister: “Einer SMS mangelt es an Gefühl und Herzlichkeit.” [...]
Tablets, Twitter und WhatsApp sollten Kinder daher erst benutzen, wenn sie schon gefestigte Deutsch-Kenntnisse hätten – unter 14 Jahren sind diese Kommunikationsmittel nach Ansicht Zehetmairs entbehrlich. “Wenn man stundenlang vor dem iPad sitzt, färbt das eben ab.”
Sprache dürfe kein “dürres Gerippe” sein, sondern müsse “als Schmuckstück gebraucht werden, mit Adjektiven verziert” [...]
Kinder sollten wieder mehr Gedichte lernen und Bücher lesen, um die Schönheit der Sprache zu erleben, forderte Zehetmair, der auch Vorsitzender der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung in München ist
Rechtschreibrat-Chef: Twitter und SMS schaden der Sprache
Satirischer Kommentar
Die Gespräche von Kindern auf dem Spielpaltz gefährden nach Meinung des Rechtschreibrats-Hansels-Zettelmeier der deutschen Sprache windungsreichen Formenreichtum in den Anordnungsmöglichkeiten des Wortmateriales zu gestelzten, papierhaften Mittelungen. Die deutsche Sprache, so der mahnende Zettelmeier, erfahre ein bedauernswert geringes Maß an Pflege bei ihrer Verwendung durch sprechende Menschen, insbesondere Kinder.
Der Sprache beklagenswerter Verfall betreffe vor allem den Gebrauch der Sprache durch die heranwachsende Generation. Der Wortschatz der miteinander sprechenden Jugendlichen sei im Allgemeinen sehr vereinfacht und bruchstückhaft, agrammatisch und von falschen Schreibungen geprägt. “Alles ist super, top, geil, aber es ist nicht mehr so authentisch, als spräche einer im bleischweren Essaystile wie auf vierzehn Seiten Papiers über seine Betrachtungen beim Anblick einer fallenden Schneeflocke und breitete diese vor einem geduldigen und selbst schweigenden Zuhörer aus”, kritisierte der Zettelmeier. “Ich will den Sprachgebrauch auf Spielplätzen nicht verurteilen, aber die Jugend darf sich von der schwindelerregenden Entwicklung meiner Buchsprache zu einem Mittel des unumschwiffenen menschlichen Austausches nicht vereinnahmen lassen”. Der ehemalige bayerische Kultusminister sagte ferner: “Der harschen Kindersprache mangelt es an Gefühl und Herzlichkeit”.
Deshalb sollen, so der Zettelmeier, Kinder erst dann miteinander reden, wenn sie schon gefestigte Kenntnisse im gesamten Formenreichtum der schriftdeutschen Sprache hätten — bis zum Alter von 14 Jahren sei es für Kinder vollständig entbehrlich, untereinander zu sprechen. Stattdessen sollten sie in stundenlangen Exerzitien mit Tinte und Feder auf Papier — oder besser noch: zur Erhöhung der Wertschätzung dieses Vorganges auf Pergament — schreiben, während ihnen alle anderen sprachlichen Mittel verboten werden sollten. “Wenn man stundenlang miteinander redet, färbt das eben ab”.
Kinder sollten wieder mehr Kirchenlieder auswendig lernen und Bücher lesen, um die Schönheit der Sprache zu erfahren, forderte der Zettelmeier, der auch Vorsitzender der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung in München ist.
Ach übrigens, Herr Zehetmair: GAFL! Ach, wollen sie nicht, weil sie ihren gut alimentierten Platz im Betrieb der BRD-Lach- und Sachpolitik einem richtigen Leben vorziehen? Na, dann eben ab ins Aquarium!
Nachtrag, 22. Dezember, 14:55 Uhr: Heise online — Sprachforscher rügen Zehetmairs Twitter-Schelte
Nachtrag Zwei, 22. Dezember, 15:55 Uhr: Sprachlog — Sprachbrocken 51/2012, und dort unbedingt den abschließend verlinkten Text lesen, der sich mit dem blinden Geschafel des ehemaligen bayerischen Kultusministers vor einem Jahr inhaltlich auseinandersetzt.
Nur so geht es!
Nur so können sich Internetnutzer mit der Marke Hannover identifizieren
Maximilian Oppelt, stellvertretender Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes der CDU und hannöverscher Ratsherr zur “Begründung”, warum es eine Facebook-Seite für die Stadt Hannover geben soll
Zitiert nach Hannoversche Allgemeine — Stadt soll soziale Netzwerke nutzen: CDU will Hannover bei Facebook sehen
Kürzstkommentar
Na ja, ein stellvertretender Vorsitzender, dessen persönliche Angaben auf der Website des Kreisverbandes so aussehen wie es bei Herrn Oppelt der Fall ist…

…der glaubt vermutlich wirklich, dass irgendwas mit persönlich und identifizieren nur über eine US-amerikanische Werbe- und Datensammelfirma geht. Ein zusätzlicher Kältepunkt dafür, dass Hannover nicht als Heimat der darin lebenden Menschen, sondern als “Marke” betrachet wird, die mit Coca-Cola und Sony zu konkurrieren hat.
Zeitung = Lesen, Internet = Analphabetismus
Ich halte die Printmedien für sehr wichtig. Lesen können ist noch einmal etwas anderes, als im Internet zu sein
Angela Merkel, CDU, Bundeskanzlerin
Kurzkommentar
Ich weiß ja nicht, ob die Parallelgesellschaft der classe politique ein anderes Internet hat, aber das mir jeden Tag vorliegende Internet ist zu gefühlten 95 Prozent ausschließlich Menschen zugänglich, die auch lesen können. Offenbar meint die werte Frau Kanzlerin, dass es sich nur um Lesen handelt, wenn man schwarze Kringel vor sich liegen hat, die industriell auf Cellulose gestempelt wurden — und nicht etwa, dass man dazu imstande ist, den Sinngehalt einer textuellen Mitteilung durch Aufmerksamkeit und geistige Tätigkeit aufzunehmen und sich davon zu Gedanken anregen zu lassen. Letztgenannte Tätigkeit ist übrigens ziemlich unabhängig davon, ob sich kleine Kringel auf Papier oder einen Bildschirm befinden, oder ob gar die Botschaft lediglich hörbar und bildhaft sichtbar ist. Aber nein, darum gehts der Frau Kanzlerin nicht, diese entledigt sich hier nur der Aufgabe, die Presse — eine Kommunikationform, die übrigens wegen ihres hohen Aufwandes nur von etwa zwei Handvoll Milliardären aktiv publizierend betrieben wird und vom Rest der Bevölkerung nur rezipiert werden kann, die also zutiefst antidemokratisch ist und tendenziell den Interessen des größten Teiles der Bevölkerung fern steht — als eine ganz großartige zivilisatorische Errungenschaft hinzustellen, die jedem technischen und gesellschaftlichen Fortschritt vorzuziehen ist. Und das Internet wird im Zuge dieser Absicht kurzerhand beinahe wie das Gegenteil des Lesens hingestellt; der Nutzer und Mitgestalter des deutschsprachigen Internet darin mitschwingend als funktionaler Analphabet und damit als kulturloser Mensch in einer auf Literalität beruhenden Kultur verunglimpft. Von einer Frau, die mit diesen Worten ihren schmerzhaften technischen und sozialen Alphabetismus belegt — dessen erneute Sichtbarkeit allerdings nur einen geringen Neuigkeitswert hat.
Hätte Frau Merkel eine vergleichbare “Argumentation” gewählt, um die Vorzüge der Kutsche gegenüber einem Auto zu benennen, dann hätte sie übrigens gesagt: “In einem Auto zu sitzen, heißt noch lange nicht, dass man sich auch fortbewegen könne. Deshalb sind Pferde wichtig”.
“Preiswerter” Chat mit dem Herrn Ministerpräsidenten
[Der hessische, meine Anmerkung] Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) lässt sich die Nähe zum Volk etwas kosten. Dreimal stellt er sich in “Online-Bürgersprechstunden” den netzaffinen Wählern. Kostenpunkt: fast 21.000 Euro. Das sind knapp 18 Euro pro Besucher. [...] Der erste Chat im April 2011 war rein textbasiert und relativ preisgünstig: Gut 3700 Euro kosteten die 111 Zugriffe
Frankfurter Rundschau — Internet Landesregierung: Teurer Chat mit Volker Bouffier
33 Euro pro Chatteilnehmer?! “Relativ” preisgünstig?! Kein Kommentar.
Gesprächs- und Arbeitskreis Geistiges Eigentum e. V.
Kennt ihr noch Ansgar Heveling? Der sich durch eine bemerkenswert lyrische Beschreibung der natürlichen Nutzung technischer Möglichkeiten hervorgetan hat, um das mal so nett wie nur möglich zu sagen. Der dermaßen wirr redet, dass er hier im Alarmknopf schon ein ganz besonderes “Wahlplakat” für sein Anliegen bekommen hat? Der öffentlich für die Linie der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag eingetreten ist, dass SOPA ein Schritt in die richtige Richtung sei?
Der ist weder ein “Hinterbänkler”, noch ist er irgendwie in irgendeiner Versenkung verschwunden, in der er sich darin übt, sich mal ein bisschen zu schämen. Ganz im Gegenteil, der ist in CDU/CSU-Zusammenhängen ein beliebter Redner, den man gern zu seinem Auftritt vor handverlesenem Publikum verhilft, wie sich heute etwa im Netzpolitik-Blog nachlesen lässt:
Heute präsentieren die Freunde von Warnmodellen einen neuen Verein: enGAGE!. Der “Gesprächs- und Arbeitskreis Geistiges Eigentum e. V.” wurde aus dem Umfeld der Kölner Forschungsstelle für Medienrecht und der Fakultät für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften der Fachhochschule Köln gegründet. Ziel ist eine härtere Durchsetzung von Urheberrechten.
[...] Bei der Auftaktveranstaltung heute in Berlin sollte ursprünglich laut erster Presseaussendung Günter Krings auf dem Podium sitzen. Anscheinend hat man dann herausgefunden, dass die Verknüpfung mit dem Verein doch zu nah ist und nun wurde Krings durch seinen Kollegen Ansgar Heveling ausgewechselt
Ich bin mir völlig sicher, dass Ansgar Heveling dort den gewünschten Ton getroffen hat. Schließlich geht es dort ja um “Unabhängigkeit” und “Wissenschaftlichkeit”. Alles weitere gibts bei netzpolitik.org.
Bundesregierung will sichere Speicherung von Passwörtern kriminalisieren
Zitat Heise Online — Bundesregierung will Auskunft über IP-Adressen neu regeln:
[...] wird betont, dass die Auskunftspflicht auch für Daten wie PIN-Codes und Passwörter gilt, mit denen der Zugriff auf Endgeräte oder damit verknüpfte Speichereinrichtungen geschützt wird. Dies könnte sich etwa auf Mailboxen oder in der Cloud vorgehaltene Informationen beziehen.
Aha, halböffentliche technische Verbindungsdaten wie IP-Adressen kann man also im gleichen Atemzug wie persönliche und für ihre Funktion unbedingt geheim zu haltende Zugangsdaten zu Internetdiensten nennen…
Eine ganz hervorragende Idee von totalen Blindfischen
Die Idee ist so hervorragend, weil sie wie ein Leuchtturm aus dem Ozean der sonstigen intelligenzverachtenden Idiotie und technischen Blindheit herausragt.
Einmal ganz davon abgesehen, dass man mit dem gleichen Geist und der gleichen Vorstellung allmächtiger Staatsapparate auch ein Gesetz machen könnte, das jeden Menschen dazu zwingt, einen Zweitschlüssel für seine Wohnung bei der nächsten Polizeidienststelle abzugeben: Eine Auskunftspflicht für Passwörter beinhaltet, dass jede sichere Speicherung von Passwörtern für illegal erklärt wird.
Passwörter werden — zumindest bei seriösen Anbietern — niemals im Klartext gespeichert, sondern in Form eines Hashes¹, damit einem möglichen Angreifer nach einem erfolgreichen Angriff nicht die Passwörter zur Verfügung stehen. Das angewendete Verfahren ist nicht umkehrbar. Es ist nicht möglich, aus dem gespeicherten Hash das Passwort zu rekonstruieren. Genau das ist auch der Sinn der Sache, denn sonst wäre diese Verschlüsselung als Schutz vor einem Angriff nutzlos.
Wenn eine Auskunftspflicht für gespeicherter Passwörter besteht, wird diese Form der Speicherung, die guten und bewährten Standards des Datenschutzes entspricht, illegal. Das hat unter anderem zur Folge, dass Internetanbieter in der Bundesrepublik Deutschland ihren Datenschutz mutwillig verschlechtern müssten, um einem solchen Nonsens-Gesetz Folge zu leisten und alle ihre Nutzer zum Setzen eines neuen, dann unsicher gespeicherten Passwortes auffordern müssten. Dies gälte auch für große Freemail-Provider wie… sagen wir mal… GMX und Web.de. Und es gälte auch für Versandhäuser und vergleichbare Geschäftsmodelle, wenn diese eine “App” anbieten und damit eben eine “mit einem Endgerät verknüpfte Speichereinrichtung”.
Das Ziel dieser Idee, die Einrichtung einer…
Telecom-Anbieter müssen die erwünschten Daten “unverzüglich und vollständig übermitteln”. Über derlei Maßnahmen haben sie gegenüber ihren Kunden sowie Dritten Stillschweigen zu wahren.
…unkontrollierbaren Überwachungsschnittstelle für eine Vielzahl von Internetaktivitäten aller Menschen in der Bundesrepublik Deutschland, ist ja deutlich genug; und dass in den Innenministerien der BRD viele Menschen sitzen, die 1984 nicht für einen mahnenden dystopischen Roman von George Orwell, sondern für ein Handbuch zur Gesellschaftsgestaltung halten, ist für einen regelmäßigen “Genießer” des politischen Tagesgeschehens auch nichts Neues — aber dass sie dort in diesen ganzen Jahren voller antifreiheitlicher Ideen noch nicht einen Menschen gefunden zu haben scheinen, der auch nur eine Spur technischen Verständnisses hat und solche “Ideen” auf technische Umsetzbarkeit untersucht, ist schon ein wenig dumm.
Ach ja, ins Aquarium der Blindfische ist gerade ein ganz besonders dickes Exemplar gefallen: Eine ganze Bundesregierung.
[via]
¹Natürlich wird nicht einfach nur ein Hash verwendet, sondern es werden zusätzliche Daten in den Hash aufgenommen (ein so genannter Salt) und die Hashfunktion wird in der Regel mehrfach angewendet. Alle Einzelheiten zu diesem gar nicht so einfachen Thema verrät die Websuchmaschine der Wahl. Ein erster, halbwegs allgemeinverständicher Einstieg ist das Lemma “Salt” bei Wikipedia.
Ganz wichtig: @JohannesSingham bei Twitter
Herr Johannes Singhammer CSU, Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag für die Bereiche Gesundheit, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, fand es offenbar nicht so erfreulich, dass sein Auftritt bei Twitter…

…auch nach dem Verfassen des neunten Stummeltextes doch eher ein bisschen… ähm… marginal war und nicht zum vielzitierten Thema in Presse und Internet geworden ist. Um diesen für sein Ego höchst unerfreulichen Zustand zu ändern, hat er sich gleich hingesetzt und auf klassischerem Papier mit allen Insignien eines Bundestagsabgeordneten einen etwas längeren Brief an mutmaßlich verschiedene Multiplikatoren verfasst, dass sie ihm doch bitte auf Twitter folgen und beachten mögen:
Sehr geehrter N.N,
seit kurzem bin auch ich bei Twitter.
Ich möchte Sie einladen, mir zu folgen, wenn Sie immer wieder politische Informationen kurzfristig erfahren wollen.
Sie finden mich bei Twitter unter Johannes Singhammer oder direkt unter JohannesSingham.
Mit freundlichen Grüßen
Johannes Singhammer
Nun, eine gewisse Aufmerksamkeit ist dem werten Herrn Singhammer, nachdem Robert Roßmann das Schreiben an die Süddeutsche Zeitung getwittert hat, wohl sicher. Ungefähr so viel Aufmerksamkeit wie jedem mitreißenden neuen Witz, der solange herumgeht, bis er zum alten Witz geworden ist, der fad geworden ist und nicht mehr zum Lachen reizt.
Ach ja, die Blindfische haben ein neues Exemplar im Aquarium.
Eröffnung der “Rechtsextremismusdatei”
Das ZDF hat in seiner Abschluss-Satire der Frontal-24-Folge vom 25. September 2012 eine angemessen ätzende Zusammenfassung dieses tollen Vorganges gegeben.
Die bösen Cookies
Cookies sammeln, speichern und verknüpfen Daten.
Dr. Beate Merk, CSU, Bayerische Staatsministerin der Justiz
Kommentar
Eine Aussage einer führenden Justizpolitikerin, die etwa so “einsichtsvoll” wie die Aussage “Fingerabdrücke stehlen, rauben und morden” ist. Und auch das triffts kaum, weil es beinahe unmöglich ist, den unfassbaren Blödsinn dieser sechs gnadenlos blinden Worte in einigermaßen verständliche Alltagserscheinungen zu übersetzen.
Cookies tun nämlich gar nichts, sie sind so passiv wie ein Text. Es handelt sich um einen von Netscape erfundenen Workaround um die Beschränkungen des zustandslosen HTT-Protokolls.
Dieses grundlegende Protokoll des World Wide Web ist nämlich relativ einfach gestrickt. Ein Client (heute in der Regel ein Webbrowser) sendet an einen Webserver eine Anfrage nach einer Ressource auf diesem Server und bekommt dafür vom Server eine Antwort zurück, die aus einem Statuscode (war diese Anfrage erfolgreich?) und im Regelfall weiteren Daten besteht, und zwar den Daten, die der Client angefordert hat. Wird vom gleichen Client eine zweite Anfrage gesendet, gibt es ohne Cookies keine Möglichkeit, auf Seiten des Servers festzustellen, ob diese Anfrage vom gleichen Client kommt. Insbesondere sind ohne Cookies solche Dinge wie Websites mit einem Login (sagen wir mal: Facebook, Twitter oder auch das gewöhnliche Webforum von Aquarienfreunden) oder Webshops nicht realisierbar. Um diese recht große Einschränkung des zustandslosen Protokolles zu umgehen, kann eine Anwendung auf einem Webserver dem Client ein Cookie setzen, anhand dessen der Client wiedererkannt werden kann. Auf diese Weise wird das zustandslose Protokoll um das Funktionsmerkmal eines Sitzungsverhaltens erweitert.
Der Inhalt eines Cookies wird ausschließlich an die Site zurückgesandt, die das Cookie gesetzt hat. So weit der unproblematische und nützliche Teil daran.
Es ist allerdings wahr, dass Cookies zum Tracking von Anwendern über die Grenzen einer Site hinweg benutzt werden. Dies geschieht durch Einbettung externer Elemente (Bilder, JavaScript-Quellen, Inhalte in IFRAMES, Medieninhalte, Plugin-Inhalte) und wird insbesondere in der Reklamewirtschaft angewandt (oder genauer gesagt: bewusst und auf widerwärtige Weise missbraucht), um detaillierte Nutzerprofile zu erstellen (und eventuell mit weiteren klandestin gesammelten Daten zusammenzuführen).
Nicht die Cookies sammeln, speichern und verknüpfen Daten, sondern privatwirtschaftliche Unternehmen, die Cookies zu diesem Zweck missbrauchen und Websites, die von ihren Gestaltern (zum Beispiel durch Einblendung von Reklame externer Dienstleister oder durch Einbettung des so genannten “Facebook-Buttons”) für diese Art Tracking aufbereitet werden¹.
Diesen kleine, aber recht wichtige Unterschied scheint der guten Frau Doktor nicht bewusst zu sein. Das ist bei einer Justizministerin besonders tragisch, weil es leicht zu politischen Fehlentscheidungen führen kann, etwa zu Gesetzen gegen das Setzen von Cookies (was einen Großteil des Web außer Funktion setzen würde, und zwar insbesondere jede kommerzielle Nutzung etwa durch mittelständische Webshops) statt zu Gesetzen gegen die alltägliche datenmäßige Durchleuchtung von Webnutzern.
Wie ist die Frau auf das Cookie-Problem gekommen
Nun, diese Frage wird im Artikel der Mittelbayerischen Zeitung beantwortet:
Die Ministerin stellte von Anfang an klar, dass sie das Internet und seine unendlichen Möglichkeiten ebenso unendlich schätze, inklusive der sozialen Netzwerke wie Facebook und Twitter. Doch gelte es, die Schattenseiten und Gefahren nicht zu vergessen: „Man fühlt sich beobachtet“, so Merk und erzählte, wie auf ihrer E-Mail-Seite sofort Werbungen für Wandern und Hundeprodukte angezeigt wurden, nachdem sie einem Freund geschrieben hatte, sie würde hundefreundliche Wanderstrecken bevorzugen.
Verantwortlich dafür seien sogenannte Cookies auf der Seite, erklärte die Verbraucherschutzministerin.
Frau Merk glaubt also ganz offensichtlich, dass Cookies den Text einer in einem Webmailer verfassten Mail auslesen und auf eine von ihr nur geahnte Weise zu Werbern funken können, die dann Ads im Browser schalten. Auf die naheliegende Idee, dass der Freemail-Anbieter (in diesem Beispiel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit GMail) die versendeten und empfangenen Mails nach Schlüsselwörtern durchsucht und Werbung schaltet, ist Frau Merk hingegen nicht gekommen — und genau dieses unverschämte “Recht” nimmt sich Google, der größte Reklamevermarkter im Internet, in den Nutzungsbedingungen für GMail heraus.
Mit Cookies hat das nichts zu tun. Es ist eine ans Widerliche grenzende Unverschämtheit, die sich Google (und vielleicht inzwischen auch der eine oder andere weitere Freemail-Anbieter) herausnimmt. Ein guter Schutz dagegen ist übrigens der Verzicht auf den Webmailer, die Einrichtung eines Mailclients und die ausschließliche Kommunikation über verschlüsselte E-Mail. Allerdings sollte die werte Frau Ministerin durchaus über die finanziellen Möglichkeiten verfügen, einen kleinen Server bei einem Hosting-Provider anzumieten und diesen als Mailserver zu verwenden. Oh, sie hat ja schon eine Website und eine eigene Domain, gehostet bei ScanPlus aus Ulm an der schönen Donau… na, wenn sie dann lieber so kommuniziert, dass die Reklamewirtschaft mitlesen kann, ist es eben ihre eigene schreiende Dummheit.
Und dann ist da noch etwas
Übrigens hat die werte Frau Doktor der Rechtswissenschaften auch in einem weiteren Punkt unrecht:
Ein Abschalten der Cookies habe meist zur Folge, dass die Internetseite nicht mehr funktioniere.
Es ist in vielen gängigen Browsern möglich, das Setzen von Cookies durch und die Übermittlung von Cookies an Sites zu unterdrücken, die nur Inhalte innerhalb der aktuell dargestellten Seite einbetten.
Beim Opera geht dies zum Beispiel unter Einstellungen ▷ Tab "Erweitert" ▷ Punkt "Cookies" ▷ Markierung bei "Nur Cookies von der besuchten Website annehmen". Damit wird diese Art des Trackings unmöglich gemacht, ohne dass die eigentliche und erwünschte Funktion der Website (nicht Internetseite!) beeinträchtigt ist. Warum das nicht die Standardeinstellung ist und ob es nicht eine gute Idee wäre, darauf hinzuwirken, dass die Standardeinstellungen eines Browsers das Eindringen in die Privatsphäre so schwierig wie nur möglich machen, gehört zu den Fragen, die sich die Frau Doktor wegen ihrer blubberbläschenschlagenden technischen Inkompetenz wohl niemals stellen wird, wenn sie mit ihrem nicht vorhandenen Wissen diffuse Ängste vor gewöhnlichen Webtechniken unter den Menschen in Deutschland ausbreitet.
Beim Firefox existiert eine derartige Einstellung nicht mehr (Was hat Datenkrake Google dafür wohl an Geld fließen lassen?)² ist diese Einstellung ein bisschen versteckt. Im Menü Bearbeiten ▷ Einstellungen wählen, und dann in den Einstellungen das Tab Datenschutz anzeigen, unter Chronik den Punkt Firefox wird eine Chronik: nach benutzerdefinierten Einstellungen anlegen wählen, um die Markierung bei Cookies von Drittanbietern akzeptieren zu entfernen. Ferner ist mit dem Firefox möglich, unter Extras ▷ Privaten Modus starten eine Sitzung zu starten, in der keine Cookies dauerhaft gespeichert werden, was die Möglichkeiten zum Benutzertracking sehr einschränkt. Dies hat aus Benutzersicht den Vorteil, dass es nicht nur hinreichend wirksam, sondern auch sehr einfach anzuwenden ist und keine Klickorgien im Einstellungsdialog erfordert — wenn der Benutzer denn davon weiß. Von der Frau Justizministerin, die sich so breit, unwissend und angstvoll in der Mittelbayerischen Zeitung ausgelassen hat, erfährt er es jedenfalls nicht, und ein Journalist hat sich auch nicht getraut, den etwas speichelleckerischen Artikel um eine entsprechende Anmerkung zu ergänzen.
Beim Chromium wurde mit dem Inkognito-Fenster (Menüpunkt Neues Inkognito-Fenster) ein ähnlicher Weg wie beim “Privaten Modus” des Firefox beschritten, hier gibt es allerdings keine Möglichkeit, explizit die Übermittlung von Cookies an Drittseiten zu unterdrücken. Das hätte mich bei einer Software aus dem Hause Google auch sehr gewundert, wenn es dort wirksame Einstellmöglichkeiten gegen Tracking gegeben hätte. Diese hätten nämlich das Potenzial, das Geschäftsmodell von Google zu gefährden.
Wie die Verhältnisse beim Internet-Explorer aussehen, kann ich leider nicht sagen, weil dieser Browser von Microsoft nicht für mein bevorzugtes Betriebssystem zur Verfügung gestellt wird.
Und jetzt der BRÜLLER, das Warten hat sich gelohnt:
Als Ministerin sei ihre Aufgabe, den Bürgern Medienkompetenz zu vermitteln
ROFLCOPTER! *schenkelklopf!*
Nun, Frau Ministerin, an ihrer selbstgesetzten Aufgabe sind sie vollumfänglich gescheitert. Sie haben Falschwissen (das ist schlimmer als Unwissen) und diffuse Angst vor dem Internet verbreitet, statt Wissen und damit die Möglichkeit zum vernünftigen, selbstverantwortlichen Verhalten zu vermitteln. Wie ihre Erfolge bei jenen Aufgaben aussehen mögen, die sie sich nicht selbst setzen, sondern die ihnen in Regierungsverantwortung von laufenden gesellschaftlichen Entwicklungen gestellt werden, mag man sich da gar nicht mehr vorstellen.
¹Zum Beispiel ist die Website der Mittelbayerischen Zeitung eine derartige Site. Sie enthält externe Codeschnippsel von Facebook Connect, Google +1, Google Analytics und AddThis — dies sind die vier Fälle, die mir sofort bei Ansicht des Quelltextes aufgefallen sind. Was das Geschäftsmodell von Google ist, sollte zumindest im Verlagsgewerbe jedem klar sein (die wollen ja sogar ein Leistungsschutzrecht), und Facebook ist als Datensammler zu Recht berüchtigt. Genau die Gefahr, die eine bayerische Staatsministerin zu derartigen Dummsprech hingerissen hat, wird von der Verlagswebsite aktiv und bewusst hergestellt, die diesen Dummsprech unreflektiert und ohne Relativierung zitiert und in einen größeren Leserkreis trägt. Wer sich anschaut, was Verleger treiben, braucht keine Satire mehr.
²Die erste Veröffentlichung dieses Textes enthielt den hier durchgestrichenen Fehler, weil diese Einstellung im Firefox so gut “versteckt” ist, dass ich sie nicht gefunden habe. Danke an Bio, der in den Kommentaren den entscheidenden Hinweis gab.
Hochgradige Verleumdung
Der Innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl, sagte zu den Unterlassungsklagen von Bettina Wulff gegen den Internetkonzern Google und den Fernsehmoderator Günther Jauch “wir stehen vor einem hochbrisanten Musterprozess gegen hochgradige Verleumdung und schwerste verletzung durch das Medium Internet und der Frage, ob das alles ungesühnt hingenommen werden muss”
123recht.de zitiert Hans-Peter Uhl, CSU, die Rechtschreibung des qualitätsjournalistischen Originales ist im Zitat unverändert
Ganz kurz nur, Herr Uhl
Ihnen ist schon klar, dass die “hochgradigen Verleumdungen” durch das “Medium Internet” (vor allem in Blogs rechtspopulistischer Zeitgenossen) sowie durch Herrn Jauch allesamt auf einen qualitätsjournalistischen (und demnächst vielleicht durch ein so genanntes “Leistungsschutzrecht” juristisch sonderbehandelten) Artikel in der Berliner Zeitung zurückgehen?
Nein? Warum machen sie dann ihren Mund auf und verleumden die Gestalter des Internet in ihrer Gesamtheit, wenn ihnen nicht einmal die einfachsten Tatsachen bekannt sind?
Ja? Na, dann ist auch alles klar! So kennen wir sie, Herr Uhl, sie verleumderischer Lügner!
Nachtrag 21:00 Uhr
Seit mehr als zwei Jahren verbreiten Portale im Internet die Verleumdung, die Frau des ehemaligen Bundespräsidenten sei in ihrem früheren Leben Prostituierte gewesen – alles frei erfunden. Die meisten der Lügengeschichten sind dennoch über Google nachzulesen.
Tja, wenn die classe politique sich aus solchen qualitätsjournalistischen Produkten informiert, dann wundert mich gar nichts mehr.
Facebook: Eine Orientierung in schwierigen Zeiten
Die Staatsregierung will wissen, was auf Facebook diskutiert wird, um daran ihre Politik zu orientieren
Markus Ulbig, CDU, Sächsischer Staatsminister des Innern
Gefunden via Fefes Blog
Herr Ulbig, bei den Blindfischen sind sie wenigstens niemals allein…


