Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

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Google manipuliert die angezeigten Suchergebnisse

Am Donnerstag kündigten die deutschen Verlage Axel Springer, Madsack und Funke, der französische Großverlag Lagardère sowie eine Reihe kleinerer Google-Wettbewerber der Firma von Larry Page eine Wettbewerbsbeschwerde an. Google habe in der Europäischen Union einen Marktanteil von über 90 Prozent und manipuliere seine Suchergebnisse, heißt es in dem “Manifest” des “Open Internet Projects”.

Heise Online — Wirtschaftsminister Gabriel denkt über harte Regulierung gegen Google nach

Nur eine Anmerkung

Google manipuliert bei riesigem Marktanteil seine Suchergebnisse und ist deshalb “böse” und muss zerschlagen werden? Oder, um es mit den früheren Worten einer Publikation des Blutzeitungsherausgebers Axel Springer zu sagen: “Es geht um die informationelle Enteignung des Menschen im Namen einer totalitären Wachstumsstragie” — nein, diese Kampagne von Baumbestemplern, die gerade durch die NITF-Feeds der großen Nachrichtenagenturen gespült wird, als sei sie eine wirkliche Nachricht, ist gar nicht so neu, und solche Kampagnen sind mit ermüdender Regelmäßigkeit voller als “Fakten” verkaufter Lügen und mit absurd-kindischen Schuldzuweisungen an Google zur Verdummung der Menschen angereichert. Und das noch noch in den absurdesten Kontexten.

Nun, ich weiß nicht, ob der unbelegte Vorwurf stimmt, dass Google die angezeigten Suchergebnisse manipuliert. Niemand weiß das, der nicht bei Google einen Überblick über das (sicherlich recht komplexe) Gesamtprojekt Indizierungsalgorithmus hat. Stattdessen habe ich eine sinnvolle, durch Erfahrung belegte Annahme, und die lautet, dass Google sehr stark darum bemüht ist, Suchergebnisse anzuzeigen, die für die Nutzer seiner Suchmaschine nützlich sind. Diesen Eindruck erweckt Google, seitdem ich Google irgendwann zum Ende der Neunziger Jahre zum ersten Mal gesehen und ausprobiert habe. Mit diesem bei der Nutzung aufkommenden Eindruck hat Google als Neuankömmling damals gut eingeführte Suchmaschinen-Anbieter wie Altavista und Yahoo so weitgehend verdrängt, dass sie bis heute beinahe bedeutungslos sind — und dafür war nicht einmal Werbung erforderlich, sondern die überlegene Qualität der Suchmaschine hat sich von ganz allein herumgesprochen, als Google noch in einem frühen Beta-Stadium war. Durch dieses Streben Googles bekam und bekommt die Suchmaschine Google einen Nutzen, der zurzeit durch das Reklamegeschäft monetarisiert wird¹.

Aber ich weiß, wo (unter anderem) mit allen Mitteln und leider immer wieder mit Erfolg versucht wird, die bei Google eingesetzten Algorithmen manipulativ mit künstlichen, eigens dafür hergestellten Daten zu füttern, damit die Menschen nicht mehr das finden, was sie gesucht haben, sondern stattdessen das, was diese professionellen Manipulateure sie finden lassen wollen: Zum Beispiel bei den Internet-Publikationen der Axel Springer AG. (Und bei den meisten anderen “qualitätsjournalistischen” Produkten, die ebenfalls bei jeder sich bietenden Gelegenheit in diesen Jammersang einsteigen. Dass dabei Methoden angewendet werden, die eher an halbseidene bis kriminelle Machenschaften erinnern und die Suchmaschine Google so stark sabotieren, dass sie für bestimmte Anwendungen nahezu unbrauchbar wird, ist den Qualitätsjournalisten und Presseverlegern dabei regelmäßig egal.)

Schon dumm, wenn ein Finger auf Google zeigt, aber drei Finger auf den Zeigenen zurückweisen — da hilft es dann auch nicht, wenn sich ein Sigmar Gabriel danebenstellt und dem Bullshit politisches Gewicht gibt.

Mein kleiner Gruß am Rande geht an eine Sozialdemokratische Partei Deutschlands, deren Frontfresse Sigmar Gabriel zu einem offen auftretenden Anwalt für die Springer-Presse geworden ist — wer hätte das in den Sechziger, Siebziger und Achtziger Jahren für möglich gehalten?! Die politischen Positionen und die Propagandamethoden der Springer-Presse haben sich seitdem übrigens nur wenig verändert und sind nicht einmal subtiler geworden, und sie sind in ihrem Appell an rasende Affekte auch nicht weniger intolerant, faschistoid und mörderisch geworden. Sozialdemokraten, die sich aus unerfindlichen Gründen immer noch in der SPD aufhalten, sei hier als kleine Denksportaufgabe mitgegeben, was sich dann wohl stattdessen verändert haben wird… :mrgreen:

¹Ich weiß auch, dass Google Benutzer trackt und personalisierte Ergebnisse anzeigt, und ich halte das für eine Fehlentwicklung und einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre der Nutzer. Noch mehr missfällt mir die Idee Googles, über seinen Reklame-Dienst und seine Social-Media-Angebote große Teile des Webs in eine Tracking-Engine umzubauen, und viele andere Ideen Googles erscheinen mir noch schlimmer. Ich bin froh, dass es bei Suchmaschinen Alternativen gibt — und ich muss beim Vergleich mit Alternativen leider immer wieder feststellen, dass Google eine wirklich gute Suchmaschine betreibt. Es ist sogar möglich, alternative Suchmaschinen mit Google zu finden…


Können wir nicht verarbeiten

Die Stadtverwaltung setzt bislang noch keine elektronischen Verschlüsselungs- und Signaturverfahren ein. Deshalb können [...] signierte E-Mails von der Stadtverwaltung nicht weiterbearbeitet werden

Website der bayerischen Landeshauptstadt München (unter Punkt 13)

Kurzkommentar

-----BEGIN PGP SIGNED MESSAGE-----
Hash: SHA1

Oh, ein fetter Blindfisch ist im Aquarium angekommen, eine ganze Stadtverwaltung.
-----BEGIN PGP SIGNATURE-----
Version: GnuPG v1.4.11 (GNU/Linux)

iEYEARECAAYFAlL7vbEACgkQKuT/O4qfc5pKZwCfU/egC/nLlpOTmULVFJ4ET5pc
1NwAn0GN/MJNFJKxnZ+lO5YOWvIks/VQ
=o67n
-----END PGP SIGNATURE-----

Ich hoffe mal, die meisten Leser können das — im Gegensatz zur Münchener Stadtverwaltung — problemlos verarbeiten. :D


Das güldene Stoppschild

Das güldene Stoppschild Der Ursula-von-der-Leyen-Gedächtnispreis “Das güldene Stoppschild” geht an Andreas Fischer, Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM), Stellvertretener Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), Mitglied der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) und Mitglied der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) für… ach, lassen wir ihn doch selbst zu Worte kommen:

Die sogenannten Pornofilter sind ein Instrument, um Eltern zu helfen, ihre Kinder vor nicht altersgerechten Inhalten aus dem Netz zu schützen [...] Die großen deutschen Internetprovider sollten den britischen Weg ohne Vorurteile prüfen

Quelle des Zitates: DPA, via Heise Online

Kommentar

Der britische Weg, der “ohne Vorurteile” (früherer politischer Neusprech zur Rechtfertigung von Unmenschlichkeiten und dem Abbau von Freiheitsrechten war “ohne Denkverbote”, aber das ist nach der Übernahme durch Rechtspopulisten nicht mehr brauchbar) “geprüft” (also einfach mal implementiert und zum Schaden der davon betroffenen Menschen für einige Jahre ausprobiert) werden soll, ist eine zentrale, auf Seiten der Provider implementierte Liste von zu sperrenden Websites. Es ist in der Praxis nicht von den Ideen einer Ursula von der Leyen aus dem Jahr 2009 zu unterscheiden. Es ist keine Hilfe “für die Eltern”, sondern ein Ausblenden von Inhalten für alle Menschen, die das Internet nutzen. In Großbritannien müssen sich Anschlussinhaber explizit von dieser Filterung ausschließen lassen, was angesichts des vorgeblichen Zwecks einer “Hardcore-Pornofilterung” auch eine gewisse Freiheit von Schamgefühlen erfordert sowie eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber der Möglichkeit, dass eine zentrale Datei von Pornografiekonsumenten erstellt wird.

Die Filter sind so dumm und willkürlich wie jeder Filter und führten in Großbritannien beispielsweise dazu, dass die Website der Abgeordneten Claire Perry gesperrt wurde, weil sie bei ihrer Agitation zur Durchsetzung einer solchen Sperre auch Wörter wie “sex”, “porn” und “rape” verwendet hat. Was auf die Filterlisten kommt, ist jeder Kontrolle enthoben. Es handelt sich um ein willkürlich benutzbares Zensurinstrument. Dass es dabei keineswegs um Pornografie (und schon gar nicht um “Hardcore”) geht, zeigt die Tatsache, dass dabei auch Sexualaufklärungs-Websites und Anlaufstellen für Opfer sexueller Gewalt blockiert werden.

Ich bin desweiteren müde geworden, jedesmal von neuem darauf hinzuweisen, dass DNS-basierte Filter sinnlos und leicht zu umgehen sind — es reicht, einen anderen DNS-Server in der Konfiguration des Computers oder des Routers einzutragen. Zwei mögliche DNS-Server sind zum Beispiel 212.77.0.2 und 81.169.145.75 — es handelt sich um die DNS-Server des Vatikanstaates, die frei von irgendwelchen Pornofiltern sind und in der BRD sogar den Zugriff auf YouPorn¹ gestatteten, als etliche größere Provider diese Site vorrübergehend gesperrt hatten². Davon abgesehen haben DNS-basierte Filter große Nebenwirkungen, da eine Domain nicht nur für den Webzugriff, sondern zum Beispiel auch für Internet-E-Mail verwendet wird.

Eine weitere Frage habe ich noch an Andreas Fischer und andere derartige “Jugendschützer”:

Woher kommt eigentlich die Idee, dass Kinder in ihrer Entwicklung gefährdet sind, wenn sie sehen, dass Menschen unter großem Vergnügen Sex miteinander haben? Ist diese Idee mit irgendwelchen Untersuchungen und Daten — also mit etwas anderem als Ideologie und einem Spiegelbild eines bürgerlich-verquarzten Kindheitsideals — gestützt? Ich habe nach einer zugegebenerweise kurzen Recherche keine belastbaren Belege für diese zentrale These zur Einrichtung einer Zensurinfrastruktur gefunden, und ich sehe es auch keineswegs als meine Bringschuld an, die Behauptungen eines anderen Menschen, dessen Ideen ich schädlich finde und dessen Auffassungen ich nicht teile, zu belegen. Herr Fischer, tun sie mir und dem Rest der Menschen in der BRD bitte den Gefallen und belegen sie nach Möglichkeit anhand überprüfbarer, nach üblichen Maßstäben ausgearbeiteter wissenschaftlicher Studien, dass das von ihnen postulierte Problem überhaupt besteht! Zeigen sie mir und allen anderen Politikgenießern in der Bundesrepublik, dass es für einen… sagen wir einmal… dreizehnjährigen Jungen (in seiner charakterlich und persönlich noch ungefestigten Persönlichkeit) eine ernsthafte Entwicklungsgefahr ist, wenn er zusammen mit seiner erwachenden Sexualität pornografisches Material sehen kann, und bitte erklären sie gleich hinterher, warum es für den gleichen dreizehnjährigen (und damit charakterlich und persönlich noch ungefestigten) Jungen völlig problemlos sein soll, wenn er an einer staatlichen Schule der Bundesrepublik Deutschland von einem “kindgerecht” sprechenden Bundeswehr-Offizier erklärt bekommt, was für eine großartige Möglichkeit die Ausbildung zum staatlich besoldeten Mörder bei der Bundeswehr für ihn ist! Ich — und mit mir viele andere Menschen — warten voller Spannung auf eine derartige Darlegung.

Wenn sie ersteres — das mit der Bundeswehr war jetzt natürlich nur ein billiger rhetorischer Trick — nicht belegen können, werde ich sie genau so behandeln wie Frau Ursula von der Leyen: Als einen Menschen, der ohne Rücksicht auf Verluste Kinder und den daran hängenden Beschützerinstikt ausgewachsener Menschen instrumentalisiert, um damit eine politische Agenda der Einschränkung von Freiheitsrechten zu verfolgen.

Und das, Herr Fischer, das halte ich (völlig belegfrei) für wirklich jugendgefährdend und im höchsten Maße für widerwärtig — denn die Kinder haben keine Chance, sich gegen eine solche Instrumentalisierung zu verwehren. Sie. Missbrauchen. Gerade. Kinder.

¹Aus Jugendschutzgründen ist YouPorn hier nicht verlinkt. Die Site ist nicht schwierig zu finden. Wirklich nicht. Es reicht, .com an den Namen anzuhängen, zu wissen, wo die Adressleiste im Browser ist, wie man eine Tastatur bedient, und schon kann zu den schlechtesten Filmen der Welt gerubbelt werden, bis die Nille qualmt.

²Wenn mir vor nur fünfzehn Jahren jemand erzählt hätte, dass ich einmal eine Zeit erleben werde, in der der bis ins Mark korrupte Vatikanstaat einmal in vielen Dingen freiheitlicher als viele “moderne” und “aufgeklärte” Staaten sein würde, hätte ich ihm spontan einen Vogel gezeigt.


Fotokopieren der Website erlaubt

Downloads und Fotokopien von Web-Seiten — nur für den persönlichen, privaten, nicht kommerziellen Gebrauch — dürfen grundsätzlich hergestellt werden.

Aus dem Impressum der Website des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnologie

Platsch, da war ein neuer, fetter Blindfisch im Aquarium, eine ganze Bundesbehörde dieses Mal…

Nachtrag, 22. Januar, 20:20 Uhr: Wer richtige Heiterkeit fühlen möchte, sollte mal nach “Downloads und Fotokopien von Web-Seiten” googlen. Aber bitte keine harten Gegenstände in Kopfnähe, wegen der Verletzungsgefahr. :D

Danke für den Hinweis in den Kommentaren an “piy”!


Bullshit statt Sicherheit in der Informationstechnologie

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

Sie haben diese E-Mail erhalten, weil die E-Mail-Adresse forum (strich) xxxx (strich) kontakt (at) txxxxxi (punkt) de auf der Webseite www (punkt) sicherheitstest (punkt) bsi (punkt) de eingegeben und überprüft wurde.

Die von Ihnen angegebene E-Mail-Adresse forum (strich) xxxx (strich) kontakt (at) txxxxxi (punkt) de wurde zusammen mit dem Kennwort eines mit dieser E-Mail-Adresse verknüpften Online-Kontos von kriminellen Botnetzbetreibern gespeichert. Dieses Konto verwenden Sie möglicherweise bei einem Sozialen Netzwerk, einem Online-Shop, einem E-Mail-Dienst, beim Online-Banking oder einem anderen Internet-Dienst.

Um diesen Missbrauch zukünftig zu verhindern, empfiehlt das BSI die folgenden Schritte:

1. Überprüfen Sie Ihren eigenen Rechner sowie weitere Rechner, mit denen Sie ins Internet gehen, mittels eines gängigen Virenschutzprogramms auf Befall mit Schadsoftware.

2. Ändern Sie alle Passwörter, die Sie zur Anmeldung bei Online-Diensten nutzen.

3. Lesen Sie die weiteren Informationen hierzu unter www (punkt) sicherheitstest (punkt) bsi (punkt) de.

Diese E-Mail ist vom BSI signiert. Wie Sie die Signatur überprüfen können erfahren Sie auch unter www (punkt) sicherheitstest (punkt) bsi (punkt) de.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr BSI-Sicherheitstest-Team

Vollzitat der E-Mail des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, wenn man eine E-Mail-Adresse zur Überprüfung eingegeben hat, die kompromittiert ist
Die Mailadresse ist im Zitat unkenntlich gemacht worden

Antwort in Form eines Offenen Briefes

Werte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im BSI-Sicherheitstest-Team,

ich bin einmal mehr in meinem Leben froh, dass ich für jede erforderliche Registrierung bei einer Website eine Wegwerf-Mailadresse benutze — und dass ich mir angewöhnt habe, diese Wegwerfadressen so zu wählen, dass ich nach einem Datenleck auch weiß, von welcher Website oder welchem Anbieter dieses Datenleck ausgeht. Im Falle der E-Mail-Adresse, die ich euch zur Überprüfung gegeben habe, handelt es sich um eine Adresse, die ich nach einem Forenhack schon vor über einem Jahr wegen der darauf eingehenden Spam stillgelegt habe, und die ich kurz noch einmal aktiviert habe, um meinen Verdacht zu überprüfen, dass eure Datenbasis etwas windig sein könnte.

Hätte ich dieses Quäntchen Vorsicht nicht und hätte eine aktive und für mich persönlich wichtige E-Mail-Adresse angegeben, die sich ebenfalls in eurer windigen Datenbank befindet, dann wüsste ich nach eurer Mail und nach eurer schwafelig-nebulösen (und von etlichen Journalisten nochmals irreführend wiedergegebenen) Informationsarbeit in den Medien nichts. Ich wüsste insbesondere nicht, auf welchem Weg die Mailadresse (zusammen mit irgendwelchen Passwörtern, die irgendwie zu dieser Mailadresse gehören, ohne dass irgendetwas klar wäre) in die Hände der Kriminellen gekommen ist.

Ich würde womöglich sogar glauben, dass mein Computer von Schadsoftware befallen ist.

Ich würde dann jetzt damit beginnen, mich nach einem “gängigen Antivirusprogramm” für mein verwendetes Linux umzuschauen, das mir bislang derartiges Schlangenöl erspart hat. BTW: Wie viel hat euch die Antivirus-Schlangenöl-Klitsche “Avira” eigentlich dafür bezahlt, dass ihr Logo in diesem Kontext auf eurer Website aufgenommen wurde? Oder handelt es sich um eine Gefälligkeit auf noch windigerer Grundlage, wie dies in der Bimbesrepublik Deutschland leider auch immer mehr um sich greift?

Wenn ich ganz besonders vorsichtig wäre — das ist bei einem Befall mit Schadsoftware übrigens sehr zu empfehlen — würde ich sogar mein Betriebssystem neu installieren. Bis es wieder so liefe, dass es mir dient, zöge mindestens ein halber Tag ins Land.

Und ich würde damit anfangen, an ungefähr sechzig Stellen im Internet mein jeweils dort verwendetes Passwort zu ändern. Wie mir gesagt wurde, soll dies im Moment teilweise recht schwierig sein, weil populäre Freemail-Anbieter wie GMX unter der plötzlichen Flut derartiger Änderungen überlastet sind. Aber das mit der Überlastung versteht ihr ja selbst, denn eure eigene Website ist ja auch vom Netz gewesen, weil bei euch aus unverständlichen Gründen niemand damit gerechnet hat, dass eine derartige Meldung dazu führt, dass sich ein paar Millionen Menschen innerhalb weniger Stunden näher informieren möchten.

Und diese ganze Mühe käme über mein Leben, weil ich euren Standardtext ernst nähme, während in Wirklichkeit ein Webserver durch einen Crack kompromittiert wurde, auf dem ein Webforum lief, in dem ich mit einer Mailadresse registriert war. Dieser Angriff auf einen Webserver hat mit meinem Computer ungefähr so viel zu tun wie ein Pfund Mondgestein mit der Mandarine, die ich eben gerade gegessen habe. Er lässt sich auch nicht durch Antivirus-Schlangenöl auf meinem Rechner verhindern. Und ihr beim Bundesamt für Unsicherheiten in der Desinformationstechnik befindet es nicht für nötig, deutlich auf die Quelle dieser Daten hinzuweisen, sondern habt stattdessen so richtig laut tatütata auf den Alarmknopf gedrückt.

Könnt ihr euch vorstellen, wie inkompetent eurer Aufreten wirkt?

Könnt ihr euch vorstellen, was für Eindrücke eurer Auftreten bei anderen Menschen hinterlässt, die trotz eures schrillen Alarms noch ihre fünf Sinne beisammen haben und — lobenswerterweise — kurz nachdenken, bevor sie etwas im Internet machen?

Wenn ihr eine Vorstellung davon bekommen wollt, empfehle ich euch sehr, mal den zugehörigen Kommentarthread im Heise-Forum zu überfliegen. Falls ihr dafür keine Zeit habt, habe ich euch mal ein paar Anmerkungen herausgesucht: klick, klick, klick, klick, klick, klick und klick.

Fällt euch etwas auf?

Ja, eure schrille Aktion zusammen mit der Aufforderung, eine E-Mail-Adresse auf einer Webseite einzugeben — die übrigens wegen akutem Hirnrisses zum Absenden der eingegebenen Mailadresse über eine HTML-<form> nicht auf den guten alten <input type="submit"> setzt, sondern unnötigerweise auf JavaScript, also von Nutzern eine Lockerung von Sicherheitseinstellungen ihres Browsers ohne dafür vorliegenden technischen Grund verlangt — führt dazu, dass Verschwörungstheorien aufkommen, dass es in Wirklichkeit darum gehe, über eine Behörde der Bundesrepublik Deutschland eine Zuordnung von aktiv genutzten E-Mail-Adressen zu temporären IP-Adressen herzustellen, die wenigstens theoretisch in Zusammenarbeit mit den großen Zugangsprovidern eine Deanonymisierung von Mailadressen ermöglichte. Man könnte eure Aktion natürlich auch für unausgegoren, übereilt und gnadenlos dumm halten, aber angesichts der monströs gewordenen staatlichen Überwachung des Internet stellt sich schon die Frage, ob derartigen Verschwörungstheorien eine Verschwörungspraxis auf eurer Seite gegenübersteht. Natürlich könnt ihr das dementieren. Glauben werden es euch viele Menschen nicht mehr. Nach Ronald “Beender” Pofalla führt ein solches Dementi stattdessen zu spontaner Heiterkeit. Ihr habt… entschuldigt bitte den etwas unsachlichen Tonfall… als eine Behörde der Bundesrepublik Deutschland längst bei vielen Menschen verschissen, wenn es um ihre Privatsphäre geht.

Und ihr verspielt gerade das letzte Vertrauen in der Bevölkerung. Wegen einer für Betroffene objektiv nutzlosen Aktion, die ihr mit einem erschütternden Mangel an wirklicher Information, unzureichend dimensionierter Technik und ausgesprochen schrillen Alarmtönen kombiniert. Eure künftigen Warnungen und Presseerklärungen werden nicht mehr so ernst genommen werden, wie es dann vielleicht angemessen wäre.

Nur, um es euch mal kurz gesagt zu haben.

Euer euren heutigen Bullshit “genießender”
Nachtwächter

PS: Gruß auch an den Bundesdatenautobahnminister Dobrindt!

Nachtrag, 23. Januar 2014, 14:00 Uhr

Zu welchen Überreaktionen die Fehl- und Desinformationskampagne des BSI bezüglich der Herkunft der vorliegenden Mailadressen führen kann, ist recht anschaulich von einer Redakteurin der Berliner Zeitung beschrieben worden, der vermutlich ein ganzer Tag von… sorry, BSI, aber was ihr macht, verdient die Deftigkeit des Wortes… dieser Scheiße versaut wurde — und am Ende bleibt doch nur die Frucht des Nichtwissens:

Aber das Gefühl, nicht zu wissen, wofür meine Daten vielleicht verwendet werden sollen, lässt mich hilflos zurück und wird mich auch noch in Zukunft sorgen

Derartiges geschah gestern und geschieht heute hunderttausendfach. Weil bei Forenhacks und Datenlecks kommerzieller Webanbieter Kombinationen aus Mailadresse und möglicherweise Passwort (das wird bislang nur vom BSI behauptet, und das BSI behauptet so einiges, wie sich weiter oben lesen lässt) eingesammelt wurden und in einer Botnetz-Software für verteilte Angriffe auf irgendwas benutzt wurden — also mutmaßlich auf Twitter, Facebook, Ebay, in diversen Shops etc. einfach als Login-Daten durchprobiert wurden. Oder auch einfach nur ungenutzt herumliegen. Die unfassbar schlechte Informationspolitik des BSI verursachte gestern, verursacht heute und wird morgen einen recht erheblichen wirtschaftlichen Schaden verursachen. Für nichts. Nicht einmal für einen nennenswerten Zuwachs an Computersicherheit. Die durch das mediale Interesse äußerst günstige Gelegenheit, an dieser Stelle deutlich und unmissverständlich darauf hinzuweisen, dass für jeden Dienst im Internet ein anderes Passwort verwendet werden sollte, um die Folgen eines “Hacks” zu minimieren, hat das BSI genau so verstreichen lassen wie es die eigentliche Aktion verpatzt hat.

Da ich in den Kommentaren zu diesem Text wegen dieses Textes schon aus mir nicht weiter nachvollziehbaren Gründen ein “Fefe-Jünger” gerufen werde, verlinke ich auch gern den standesgemäß Popcorn-trächtigen Eintrag in Fefes Blog — mit einem kleinen Teller magentafarbener Buchstabensuppe. Guten Appetit! :D

Nachtrag 25. Januar, 0:15 Uhr:

Nicht jede E-Mail-Warnung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik lässt auf einen geknackten Online-Zugang schließen. Laut BSI könnte der Datenberg “fiktive” Adressen enthalten, und die sogar mehrfach [...]

Die behördliche E-Mail mit der entsprechenden Warnung ist bei diversen von der iX-Redaktion eingerichteten Freemailer-Adressen eingegangen, die lediglich dem Einsammeln von Spam dienen, darunter bei web.de und freenet [...] Von einem Identitätsdiebstahl kann in diesen Fällen keine Rede sein, denn die iX setzt die Spamfallen rein passiv ein und niemals als Benutzernamen für Online-Dienste

Heise Online — Millionenfacher Identitätsklau: “Fiktive” Mail-Adressen in BSI-Sammlung

Bitte dort weiterlesen. Und keine harten Gegenstände in Kopfnähe, wegen der Verletzungsgefahr.

Nachtrag 2. Februar 2014: Niemand sage, dass Bundesamt für Blah im Blah hätte nicht genügend Zeit gehabt, diese Aktion vorzubereiten! Die saßen seit August 2013 auf den Daten, und sie haben es die ganzen Monate nicht für nötig befunden, jemanden über die “Gefahren” zu informieren. Dass es den Spezialexperten nicht gelungen ist, binnen eines halben Jahres eine skalierbare und an dem nach Presseerklärung und Tagesschau-Meldung erwartungsgemäßen Andrang angepasste Prüfseite zu bauen, spricht Bände! Diese Prüfseite hätte ja — anders, als sagen wir einmal: die Website von Heise Online — nur einen einzigen Anwendungsfall gehabt: Überprüfen, ob eine eingebene Mailadresse in einer Datenbank enthalten ist.

Nachdem jetzt mit konstantem Tatütata-Ton heraustrompetet wird, dass sogar Mailadressen von Bundesbehörden in dieser ominösen Liste (siehe oben) aufscheinen, erwarte ich den reflexhaften Speichelfluss der pawlowschen Hunde bei Polizeien, Geheimdiensten und Innenministerien, dass jetzt ja unbedingt stärker anlasslos überwacht werden muss und eine so genannte “Vorratsdatenspeicherung” unerlässlich geworden ist. Der naheliegende Verdacht, dass es sich um eine gezielte Inszenierung handelt, wird dabei natürlich zu den “Verschwörungstheorien” gerechnet werden.


Plansoll erfüllt: Breitband für fast alle!

Für die Bundesnetzagentur beginnt Breitband-Internet immer noch bereits bei einem Internet-Anschluss mit 1 MBit/s

Breitband-Internet in Deutschland: Dahinzuckeln mit 1 MBit/s?

Kurzkommentar (gallehaltig)

Die Aktuelle Kamera… ähm… der Alarmknopf gratuliert den Zahlenspielern bei der Bundesnetzagentur für ihre Definition eines Breitbandanschlusses, die so bemessen ist, dass sie in die Presse verkünden können, dass für jeden Haushalt in der Bundesrepublik Deutschland ein Breitbandanschluss verfügbar sei — und dass dieser trotz der in der BRD verhältnismäßig hohen Kosten in stolzen siebzig Prozent der Haushalte auch genutzt wird. Das Vermelden solcher Zahlen entspricht der üblichen Penetrationsrate unserer classe politique.

Die Presse- und Rundfunkorgane des planloswirtschaftlichen Abbaus werden diese große Erfolgsmeldung gewiss würdigen und nicht weiter hinterfragen.

Und morgen im gleichen Theater: Als Hochgeschwindigkeitszug wird jeder Eisenbahnzug definiert, dessen Durchschnittsgeschwindigkeit dreißig Stundenkilometer erreicht. Wie durch ein Wunder sind auf einen Schlag 97,3 Prozent der Ortschaften in der Bundesrepublik Deutschland — darunter auch solche mit weniger als hundert Einwohnern — an ein modernes Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen.

In beiden Fällen ist selbstverständlich von gezielter Förderung des Ausbaus der Netze abzusehen, die “unsichtbare Hand” der neureligiösen Marktvergötzer bringt ja das für alle Beste ganz wunderbar hervor.


Opel bittet um die Beantragung von Linkgenehmigungen

Ohne weitere Worte:

2. Hyperlinks

Ein Hyperlink auf die Website der Adam Opel AG darf nur nach Erteilung einer vorherigen Einwilligung durch unser Unternehmen durch Dritte eingerichtet werden. Sollten Sie einen solchen Hyperlink auf unsere Website setzen wollen, so nehmen Sie bitte vorher schriftlich Kontakt mit uns auf. In jedem Fall ist es nur gestattet, auf die Startseite http://www.opel.de zu verlinken

Rechtliche Hinweise für die Website der Adam Opel AG


Der Goldene Kopfklatsch des Jahres

Die IT-Abteilung [des Europäischen Parlamentes, meine Anmerkung] hat das Verschlüsseln von E-Mails verboten

Spiegel Online — Sicherheitslücken im Europaparlament: E-Mail-Konten von EU-Abgeordneten offenbar gehackt

Ohne Worte. Platsch!


Bis auf das letzte Bit

Das ist bislang der realsatirsche Dampfblah des Jahres:

Wir müssen in der Lage sein, und das ist auch Konsens mit der Bundesregierung, importierte IT-Systeme durchzuprüfen bis auf das letzte Bit und Byte. Und wir müssen importierte Technologien härten und sicher machen können

Bernhard Rohleder, Bitkom-Geschäftsführer

Es ist ja gar nicht so schlimm…

…aber: Bei dieser reißerischen, eher in die Boulevardpresse als in die Pressearbeit eines auf seriös machenden Fachverbandes passenden Formulierung habe ich unwillkürlich ein Bild vor meinen Augen, das nicht mehr weichen will. Ich sehe, wie die Bundesregierung und die Bitkom sorgsam, vielleicht sogar unter Anwendung eines Vergrößerungsglases, sicher jedoch mit ständigem Nachschlagen in technischer Dokumentation, in monatelanger, entbehrungsreicher geistiger Arbeit einen auf Endlospapier ausgedruckten Hexdump der Firmware eines importierten MP3-Players oder einer importierten Kamera oder eines importierten Telefones oder eines importierten Routers bis auf das letzte Bit und Byte durchprüfen. Und dieses Bild ist einfach in seiner Lächerlichkeit zu wertvoll, als dass ich es verschweigen möchte… :D


E-Mail in Neuland

Laut einer Umfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, an der sich 126 Politiker aller Fraktionen beteiligten, gaben 54 Prozent an, für dienstliche Mails auch externe E-Mail-Konten zu verwenden. 12 Prozent nutzen US-Anbieter wie Google-Mail. 71 Prozent setzen bei der täglichen Arbeit keine Verschlüsselung ein.

Zitiert nach Die Dreckschleuder — Neuland

Ohne weitere Worte.


Online und mobil

Deutsche Zeitungen erreichten gedruckt, online und mobil derzeit mehr Menschen als je zuvor, betonte der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Helmut Heinen (Kölnische Rundschau), zum Auftakt des Zeitungskongresses 2013 am Montag in Dresden

Heise Online — Zeitungsverleger: “Magna Carta der Telekommunikation” für Freiheitsrechte beim Netzzugang

Kurze Anmerkung

Kann der werte Herr Heinen seinen eingeschläfertern Zuhörern einmal erklären, was der Unterschied zwischen diesem “Online” und diesem “Mobil” ist, oder hat er sich im #Neuland ein bisschen verlaufen…


Offener Kurzbrief: Einigt euch mal!

Werte Amtsträger, Polizisten und Mitglieder der Classe politique!

Ich habe mich inzwischen damit abgefunden, dass ihr entweder direkt lügt oder aber zumindest die Tatsachen so weit einseitig und verzerrend darstellt, dass das Ergebnis einer Lüge gleichkommt.

Wenn ich eure täglichen Auslassungen lese oder höre, bin ich mir völlig darüber im Klaren, dass es sich um Lüge handelt. Auf Gebieten, auf denen ich mich selbst ein bisschen auskenne, fällt mir der verlogene Charakter eures Tuns und Redens gleißendhell und unübersehbar in die Pupille, und ich muss davon ausgehen, dass ihr bei Stellungnahmen zu Sachgebieten, in denen ich mich zufällig weniger gut auskenne, nicht einen Deut ehrlicher sein werdet. Jede andere Annahme gegenüber jemanden, der sich immer wieder als gewohnheitsmäßiger Lügner darstellt, wäre ja auch dumm.

Manchmal, wenn es mir möglich ist, setze ich mich hin und pflücke eure Lügen und verzerrten Darstellungen auseinander; manchmal tue ich das sachlich, und manchmal tue ich das satirisch, um wenigstens noch einen müden, frustrierten und beschädigten Lustgewinn aus solcher öden Tätigkeit ziehen zu können.

Das hätte ich auch gern heute mit den Lügen von Oliver Marchow von der Gewerkschaft der Polizei, von Rainer Wendt von der Deutschen Polizeigewerksachft und von Ronald Pofalla, CDU getan, die in einem Artikel auf Heise Online zusammengeflossen sind.

Aber was soll ich denn noch tun, wenn ihr auf dieser Ebene nicht einmal koordiniertes Lügen hinbekommt? Wenn…

  • Oliver Malchow bedauert, dass er wegen PRISM jetzt keine Vorratsdatenspeicherung bekommt und deshalb die Polizei gar nicht mehr ermitteln könne, weil eine Ermittlung bei Tatverdächtigungen einfach ein zu später Zeitpunkt für die Polizeiarbeit ist; gleichzeitig…
  • Rainer Wendt sich darüber freut, dass die Polizeien wegen PRISM jede Menge Daten der US-Behörden bekommen haben und weiterhin bekommen, mit denen so viele schwere Verbrechen verhindern werden konnten und verhindert werden können; und gleichzeitig…
  • Ronald Pofalla so tut, als gäbe es PRISM gar nicht…

…dann seid ihr nicht einmal mehr satirefähig.

Von einer ernsthaften Auseinandersetzung mit euren intelligenzverachtenden Lügen will ich gar nicht erst reden. Dass Rainer Wendt, gelernter Polizist, einen Bruch des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland und einen klaren Verstoß gegen ein diesbezüglich unmissverständliches Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vermutet und nichts unternimmt, käme ja außerhalb der Propagandareden einer Strafvereitelung im Amt sehr nahe.

Mit Zeigefinger, der in wohlbekannter Geste an die Stirne tippt
Der Alarmknopf-Blogger
(Pseudonym, und doch so leicht zu identifizieren…)


Stoppschild für Schaufenster

Wo normalerweise Bäckereien und Bekleidungsgeschäfte mit Auslagen für ihre Ware werben, war alles schwarz. Mehr als 50 Geschäfte verhüllten ihre Schaufenster und Auslageflächen mit einer dunklen Folie. Es war ein stummer Protest der Geschäftsleute, die sich als lokaler Einzelhandel immer mehr durch das Internet verdrängt sehen

[...]

“Die symbolische Ödnis an diesem Wochenende zeigt doch eindrucksvoll, wie eine Innenstadt ohne unsere Geschäfte aussähe”, erklärt Robben. Er rechnet mit verlassenen Häuserblocks und ungeschmückten Straßenpassagen. Außerdem fielen Spenden an lokale Kultur- und Sportvereine weg.

RP-Online — Verhüllte Schaufenster in Tönisvorst: Händler protestieren gegen Internet-Käufer

Schwarze Schaufenster und über den Qualitätsjournalismus transportierte apokalyptische Visionen von geradezu postnuklear entvölkerten Städten, das wird ganz bestimmt helfen… :mrgreen:


Die diesjährige Zukunft des Fernsehens

Am Horizont ist nicht nur eine Wahl zu sehen, sondern auch eine IFA — und da müssen die Werber klarmachen, worin dieses Jahr — anders als bei den vergangenen Zukünften der letzten Jahre — die “Zukunft des Fernsehens” besteht:

Nun soll es eine Werbekampagne richten, die offiziell zur Internationalen Funkausstellung im September im Berlin startet und bis zum Jahresende läuft. Dazu haben sich Hersteller, Händler und Elektronikverbände in einer Brancheninitiative namens „Smarter Fernsehen“ zusammengetan mit dem Ziel, „Verbrauchern dieses interaktive Fernseherlebnis näherzubringen“. Auf der gleichnamigen Homepage und in Elektronikmärkten will man die Kundschaft von den Segnungen des Internetfernsehens überzeugen.

Dazu haben die Reklamemacher auf eine Anmutung gesetzt, die teilweise an den Werbestil der fünfziger und sechziger Jahre erinnert. „Smarter fernsehen zeigt, was in ihrem Fernseher steckt“, verspricht eine Anzeige, in der eine fröhliche Cartoon-Familie auf einen überdimensionalen Flachbildschirm mit Logos von Facebook, Skype, Twitter und Youtube blickt

FAZ — Fernsehen im Internet: Die TV-Industrie hofft auf Mr. Smart

Ohne (weitere) Worte.


Radikale Wurmkur

Der Landesrechnungshof (LRH) Mecklenburg-Vorpommern hat den Neukauf von 170 Computern durch das Schweriner Bildungsministerium gerügt. Nachdem ein Virus, der so genannte Conficker-Wurm, die Rechner des Lehrerfortbildungsinstituts IQMV in Schwerin, Rostock und Greifswald im September 2010 befallen hatte, wurden die zum Teil noch “nagelneuen”, verseuchten Rechner entsorgt und durch noch neuere ersetzt. Gesamtkosten für den Steuerzahler: 187 300 Euro

Ostsee-Zeitung.de: 170 neue Computer wegen Virus weggeworfen

Mit Grausen und akuten Hirnschmerzen wendet sich der Alarmknopf von diesen Lehrern ab, die nicht wissen, dass man ein Betriebssystem einfach frisch installieren kann und lieber das Geld mit vollen Händen aus den Fenster werfen. Der Alarmknopf hofft leise, dass diese Lehrer niemals Informatik-Unterricht geben werden. Das leise platschende Geräusch im Hintergrund kam vom Neuankömmling im Aquarium der Blindfische.

Nachtrag-Link, 15:30 Uhr: Heise Online — Schwerin: Virus-verseuchter Rechner? Ab auf den Müll damit…

Nachtrag-Witz 15:50 Uhr: Gut, dass ich nichts im Mund hatte! “Die hätten aber eine Menge Geld und Zeitaufwand für die Installation sparen können, wenn sie aus den alten Rechnern die funktionsfähigen Festplatten ausgebaut und sie in die neuen Rechner eingebaut hätten”. *brüll!*


HTML-Protokoll

Das HTML-Protokoll ist für das Internet zentral wie die Luft zum Atmen

netzpolitik.org — Petition: Hollyweb, W3C und Lobbyisten für “Digital Rights Management” im HTML5-Standard

Kurzkommentar

Wenn man bei seinem “netzpolitischen” Engangement nicht wie ein Qualitätsjournalist wirken möchte, der sich beim Verfolgen seiner industriellen Meinungsmache nicht um Faktenkenntnis und Fachwissen scheren muss, sondern einen Beitrag zur aufgeklärten politischen Willens- und Unwillensbildung leisten möchte, ist es nicht ganz unwichtig, den Unterschied zwischen einem Dateiformat und einem fürs derzeitige Internet recht wichtigem Netzwerk-Protokoll auseinanderhalten zu können. Wer “HTML-Protokoll” schreibt, hat damit offensichtlich Probleme. Und wenn dieses “HTML-Protokoll” dann für das Internet voller eilig weggebloggtem Pathos “so zentral wie die Luft zum Atmen” wird, habe ich große Probleme, bei meinem Lachanfall noch Luft zu bekommen.

Kleine Zusatzanmerkung: Das Internet ist übrigens nicht das Web.

So, jetzt aber… rinn inne Blindfische! Platsch.


Bundestag will Nutzung datenschutztechnisch solider Standardsoftware im Internet unmöglich machen

Nur ein Kommentar, kein Zitat, weil das Zitat zu lang würde

Wie Heise Online berichtet (bitte dort weiterlesen), hat sich die Regierungskoalition aus CDU, CSU und FDP auf eine “Neuregelung der Bestandsdatenauskunft” geeinigt, und diese Einigung findet die Unterstützung der SPD, damit auch niemand glaube, es gäbe in Sachen vollständige Bürgerentrechtung und Kriminalisierung des gesamten Internet eine Opposition in der BRD.

Zweck dieser Gesetzgebung ist ein Regelung der Auskunftspflicht von Internet- und Telefoniedienstleistern über die Nutzung ihrer Dienste durch registrierte Anwender gegenüber den Strafverfolgern, also den Staatsanwaltschaften und den Gehilfen der Staatsanwaltschaften, den Polizeien.

Diese Auskunftspflicht gilt nicht nur für Registrierungs- und Nutzungsdaten, sondern auf richterlichen Beschluss auch für Passwörter. Immerhin soll dabei nach Auffassung von CDU, CSU, FDP und SPD keine Willkür möglich sein, da es für eine Auskunft doch mindestens zu einer Ordnungswidrigkeit gekommen sein muss, also zu so etwas wie Falschparken oder Radfahren auf einem Fußweg. Mit diesem Rechtsrahmen würden bewährte, verantwortungsvolle und allgemein übliche Methoden des Datenschutzes bei der Speicherung von Passwörtern in der Bundesrepublik Deutschland praktisch illegal, da sie die vom Gesetzgeber geforderte Auskunftspflicht unterliefen.

Was heißt das?

Es heißt zum Beispiel, dass für ein Webangebot in der Bundesrepublik Deutschland keine Standardsoftware mehr verwendet werden kann. Wer ein Webforum aufmachen möchte (und damit Dienstleister wird), wer ein Blog betreiben möchte (und damit Dienstleister wird) oder wer einen einfachen kleinen Webshop betreiben möchte (und damit Dienstleister wird), kann bewährte Software zu diesem Zweck nicht verwenden, weil ihre Programmierer selbstverständlich so viel Verantwortungsgefühl für den Datenschutz hatten, dass die Software keine Passwörter im Klartext speichert.

Diese Regelung ist also ein weiterer Hebel, um den Betrieb von privaten und kleingewerblichen Websites in der Bundesrepublik Deutschland zu erschweren oder gar mit beliebigen Sanktionen belegbar und damit praktisch unmöglich zu machen, wenn der gerade zum Gesetz werdenden Auskunftspflicht nicht Genüge getan werden kann, weil die verwendete Software guten, bewährten Grundsätzen des Datenschutzes folgt.

Es ist nicht absehbar, welche Folgen die Kriminalisierung des Datenschutzes durch den Deutschen Bundestag haben wird. Obwohl das allein schlimm genug wäre, handelt es sich nicht nur um einen Verlust von Datensicherheit für jeden Menschen, der in der Bundesrepublik Deutschland Internetdienste nutzt, denen gegenüber er sich durch ein Passwort authentifziert. Es handelt sich auch um den Verlust der Möglichkeit, einfach eine Website mit dafür geeigneter, bewährter und in jedem anderen Staat der Welt (einschließlich der VR China) problemlos verwendbarer Standardsoftware aufzusetzen und zu betreiben. Tatsächlich ist diese Gesetzgebung ein verstecker und — wenn dies vorstätzlich geschieht — ausgesprochen kryptischer und hinterhältiger Angriff auf das “Amateur-Web”, in dem sich die bunte Vielfalt des Lebens einfacher Menschen nichtkommerziellen Ausdruck verschaffen kann UND auf die kleingewerblichen Nutzungs- und Geschäftsmöglichkeiten des Internet. Die ganz besondere Hinterhältigkeit dieses Angriffs auf das Internet liegt darin, dass die meisten Menschen kein technisches Wissen darüber haben, mit welchen kryptografischen Methoden Passwörter so gespeichert werden, dass diese auch bei einem erfolgreichen Angriff nicht gegenüber dem Angreifer offengelegt werden, so dass während des Gesetzgebungsverfahrens kein breiterer Widerstand gegen diese Entrechtung zu erwarten ist. Wenn der entrechtende Unsinn dann erst einmal zu Rechtskraft gelangt ist, ist es zu spät und man kann nur noch auf eine schnelle Beendigung des Spuks durch das Bundesverfassungsgericht hoffen.

Dieser Angriff steht in einer gesetzgeberischen Kontinuität in der Bundesrepublik Deutschland, die eine Absicht und einen Vorsatz wahrscheinlich erscheinen lassen. Dem bestehenden Minenfeld juristischer Unwägbarkeiten, auf das sich Bewohner der Bundesrepublik Deutschland noch mit dem Betrieb der harmlosesten Website begeben — Unwägbarkeiten, die bis zur Gefährdung der eigenen wirtschaftlichen Existenz gehen — soll neben dem so genannten “Leistungsschutzrecht für Presseverleger”, dem bestehenden Wahnsinn des Abmahnunwesens und dem unüberschaubaren Schutz diverser Immaterialgüterrechte ein weiterer versteckter Sprengsatz hinzugefügt werden. Dass dies auf Kosten des Datenschutzes geht, wird dabei billigend in Kauf genommen.

alarmknopf-180Selten nur passt das Logo des Alarmknopfes, ein “Internet-Ausschalter”, so gut zu einer gesetzgeberischen Absicht wie in diesem Fall. Hier geht es um einen Versuch, Websites über einen bequemen Hebel ausschalten zu können — und die angeblich wachsenden polizeilichen Möglichkeiten durch eine Passwortauskunft sind nur ein billiger, fadenscheiniger Vorwand, um dieses klandestine Ziel zu erreichen. Schon jetzt können ganzen Datenbestände von Websites auf richterliche Anordnung beschlagnahmt werden, um für forensische Zwecke an Kommunikationsdaten einer kriminellen Nutzung von Internetdiensten zu gelangen, und dies geschieht in der Praxis auch. Welchen Vorzug für die Ermittlungen soll dabei eine Pflicht zur Offenlegung eines Passwortes haben? Es gibt keinen mir unmittelbar einleuchtenden Anwendungsfall, außer es geht um die Fälschung von Beweismaterial durch übereifrige Polizeibeamte.

Innenpolitiker neigen ja dazu, ihre Beglückungsideen mit den Worten “Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein” zu begleiten. Was sie allerdings zu meinen scheinen, ist etwas völlig anderes: “Die Bundesrepublik Deutschland muss ein internetfreier Raum werden”.

Grüße vom Alarmknopf auch an die SPD, die so etwas im Vorfeld einer Wahl mitträgt. Dies ist ein wirksames Mittel gegen die Illusion, dass ein Austausch der Regierungspartei zu einer anderen Politik führen würde. In diesem Sinne: GASMOP! PLONK


Diese Bürger aber auch immer!

Die IT-Abteilung des EU-Parlaments blockiert die Auslieferung von E-Mails zu diesem Thema, nachdem sich einige Mitglieder des Parlaments darüber beschwert hatten, E-Mails vom Bürger zu erhalten

Christian Engström, Piratenpartei Schweden, Abgeordneter des Europäischen Parlamentes, zitiert nach Golem.de

Ohne Worte.


Bitte vernichten

Übermittelte E-Mail wird hiermit zurückgerufen. Bitte vernichten!

Text einer E-Mail des Bundesamtes für Verfassungsschutz [Dauerhaft archivierte Version]

Und morgen lernen die Spezialexperten eines Inlandsgeheimdienstes der BRD, was dieses komische BCC: vor einer Mailadresse bedeutet.

Ach ja, Blindfisch!


Schrecklich! E-Mails prallen auf das AKW!

Der nächste 11.-September-Anschlag kommt per E-Mail. Deshalb brauchen wir schnellstens mindestens 2000 Cyber-Cops [...] Dass Hacker-Terroristen ein AKW zur Explosion bringen [sic!], die Stromversorgung unserer Städte kappen oder Klärwerke stoppen, um die Bevölkerung zu vergiften, sind reale Bedrohungsszenarien

Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft

Kommentar

Ich kann mir nach diesen gnadenlos angstvollen und hirnlosen Worten des Herrn Wendt sehr bildhaft vorstellen, wie die zweitausend “Cyber-Cops” sich an die Datenleitungen zu den Atomkraftwerken stellen und in jede einzelne Mail mit dem Cyber-Röntgengerät schauen, ob da vielleicht ein Cyber-Bömbchen drin versteckt ist. Todesmutige Cops, die einen ganzen 48-Stunden-Tag lang arbeiten müssen und bei hohem Spamaufkommen auch noch die Nacht hinzunehmen.

Die für normal denkende Menschen (also Leute, die nicht in der Deutschen Polizeigewerkschaft organisiert sind) naheliegende Forderung, dass die Steuersysteme von Kernkraftwerken, Elektrizitätswerken oder Wasserwerken zur Vermeidung eines sachlich völlig unnötigen Angriffsrisikos in keinem Fall und nicht einmal indirekt mit dem Internet verbunden sein dürfen, kann dieser cybersicherheitspolitischen Kompetenzgranate allerdings nicht aufkommen — was wunder, gibt der Herr Wendt sogar zu glauben vor, dass eine E-Mail ein Kernkraftwerk zur Explosion bringen kann. Vermutlich ist er persönlich so gestrickt, dass er erstens unter Microsoft Windows arbeitet und zweitens jeden Tag auf alles klickt, was sich nur anklicken lässt und hat aus dieser Arbeitshaltung schon die eine oder andere persönliche Katastrophe erlebt.

Übrigens klingt eine saudumme “Argumentation” und eine darin abgeleitete, eben so dumme Idee nicht intelligenter, wenn man Polizeibeamte im Fachbereich Internet krampfjugendlich als “Cybercops” bezeichnet. Dass es angesichts einer gut organisierten Kriminalität (und angesichts existierender destruktiver Angriffe) im Internet Bedarf für gut ausgestattete, motivierte und geschulte Fachpolizisten gibt, ist nämlich unbestritten. Genau dieser relativ vernünftige Gedanke erstickt allerdings unter der prolldoofen Bildzeitungssprache dieses Großkopferten einer Organisation von Polizeibeamten, die in jeder dürren Worthülse die vollständige Inkompetenz durchblicken lässt.

Nachtrag 21. Februar: Die Stellenausschreibung für die “Cyber-Cops” durch das BKA — eine großartige Satire, von der ich mir wünschte, sie wirkte absurder. [via Fefes Blog]


Nicht auf CIA-Niveau

Der peerblog.de ist als normale Website online gegangen. Firewalls gegen unerwünschte Eindringlinge auf CIA-Niveau kamen und kommen für uns nicht in Frage. Das offene Konzept führt nun dazu, dass unsere Inhalte nicht geschützt sind, von Hackern jederzeit gefälscht und manipuliert werden können

steinkuehler-com.de zur Einstellung des von ihnen betriebenen Blogs zur Unterstützung des Wahlkampfes von Peer Steinbrück

Willkommen bei den Blindfischen!


Papier für analoge Wesen

Der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, bleibt Optimist. “Solange sich Menschen noch als analoge Wesen verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach bedrucktem Papier geben”, erklärte der 74-jährige Grafikdesigner vor wenigen Wochen. Zeitungen würden deshalb nicht zu einem Nischenprodukt werden

Klaus Staeck, indirekt zitiert nach einem Artikel im Neuen Deutschland

Kurzkommentar

  • Solange sich Menschen noch als lesende Wesen verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach Telegrammen geben, das Telegramm wird nicht zum Nischenprodukt werden, das vom Telefon oder der E-Mail abgelöst wird.
  • Solange sich Menschen noch als biologische Wesen verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach Kutschen geben, das Pferdegespann wird nicht zum Nischenprodukt werden, das von Autos abgelöst wird.
  • Solange sich Menschen noch als schaffende Wesen verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach handgearbeiteten Produkten geben, das handgemachte Werkstück wird nicht durch industrielle Produktion abgelöst werden.
  • Solange sich Menschen noch als schriftbefähigte Wesen verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach handgeschriebenen Büchern geben, das Manuskript wird nicht zum Nischenprodukt werden, das vom gedruckten Buch abgelöst wird.
  • Solange sich Menschen noch als sinnlich empfindene Wesen mit Zatz verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach gemeißelten Texten und Rauchsignalen zur Rerr geben; sie werden nicht zum Nischenprodukt werden, das von der Schrift abgelöst wird.
  • Solange sich Menschen noch als gehende Wesen und Örrgkt verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach dem langsamen Voranschreiten und Wrärr beim Transport von Dingen und beim Fortbewegen geben; das meilenweite Tragen und Läptrn wird nicht zum Nischenprodukt werden, das vom Rad abgelöst wird.
  • Solange sich Menschen noch als Örrgk Grmmp Drk verstehen, wird es auch ein Grnz Bööüi geben, dass man sich als Llör von Ast zu Ast schwingt, das gewohnte Schwingen im Braatp wird nicht zum Grrek werden, das vom aufrechten Gang dieser Rrepa Ngrzzt abgelöst wird.

Mit leichter Sehnsucht blicke ich in die Zeiten zurück, in denen “sozialistische Zeitungen” sich als fortschrittlich und fortschrittsbejahend verstanden haben. Das, was geblieben ist, ist die Realitätsverweigerung.


Hauptsache Facebook! Wozu? Hauptsache dort!

Das Konzept sieht ein “Rückkanalverbot” vor, wie Wagner im Interview mit unserer Zeitung sagte. “Kommunikation auf der Seite soll nicht stattfinden”, sagte Wagner. “Das Ziel ist, dass auf der Seite möglichst wenig Interaktion stattfindet, damit wenige Nutzungsdaten erzeugt werden.”

Das heißt: Die Administratoren beantworten auf Facebook keine Fragen, reagieren auch dort nicht direkt auf Kritik. Sie verweisen dafür allenfalls auf andere Kontaktmöglichkeiten.

Im – weltfremden – Idealfall sollen Nutzer die Facebookseite besuchen, ohne dabei bei Facebook angemeldet zu sein. Warum – das wird in deutlich platzierten Datenschutzerklärungen auf Facebook erläutert. “Wenn jemand die Seite nutzt, dann als informierter Nutzer”, so Wagner.

Rhein-Zeitung — Bitte nicht liken oder kommentieren: RLP-Datenschützer erlaubt Behörden-Facebook

Die Frage, was der tiefere Sinn eines Facebook-Auftrittes ist, wenn man auf alle Facebook-Funktionen verzichtet und inwieweit das jetzt unter den Aspekten des Datenschutzes einer einfachen statischen Website vorzuziehen sei, beantwortet ihnen der freundliche Datenscbutzbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz, Edgar Wagner. Die Frage, wozu es im Alarmknopf ein Aquarium der Blindfische gibt, beantwortet dieser Mensch ja auch ein bisschen.


SMS und Twitter: Die Sprache stirbt!

Twitter und SMS gefährden nach Meinung des Rechtschreibrats-Vorsitzenden Hans Zehetmair das deutsche Sprachgut. “Die deutsche Sprache wird immer weniger gepflegt”, beklagte Zehetmair in einem dpa-Gespräch. [...]

Der Sprachverfall betreffe vor allem die junge Generation. Das Vokabular der Jugendlichen sei via SMS und Twitter generell sehr simpel, die Rechtschreibung fehlerhaft. “Alles ist super, top, geil, aber nicht mehr authentisch”, kritisierte Zehetmair. “Ich will die moderne Technik nicht verurteilen, aber die Jugend darf sich von der schwindelerregenden Entwicklung nicht vereinnahmen lassen.” [...] sagte der ehemalige bayerische Kultusminister: “Einer SMS mangelt es an Gefühl und Herzlichkeit.” [...]

Tablets, Twitter und WhatsApp sollten Kinder daher erst benutzen, wenn sie schon gefestigte Deutsch-Kenntnisse hätten – unter 14 Jahren sind diese Kommunikationsmittel nach Ansicht Zehetmairs entbehrlich. “Wenn man stundenlang vor dem iPad sitzt, färbt das eben ab.”

Sprache dürfe kein “dürres Gerippe” sein, sondern müsse “als Schmuckstück gebraucht werden, mit Adjektiven verziert” [...]

Kinder sollten wieder mehr Gedichte lernen und Bücher lesen, um die Schönheit der Sprache zu erleben, forderte Zehetmair, der auch Vorsitzender der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung in München ist

Rechtschreibrat-Chef: Twitter und SMS schaden der Sprache

Satirischer Kommentar

Die Gespräche von Kindern auf dem Spielpaltz gefährden nach Meinung des Rechtschreibrats-Hansels-Zettelmeier der deutschen Sprache windungsreichen Formenreichtum in den Anordnungsmöglichkeiten des Wortmateriales zu gestelzten, papierhaften Mittelungen. Die deutsche Sprache, so der mahnende Zettelmeier, erfahre ein bedauernswert geringes Maß an Pflege bei ihrer Verwendung durch sprechende Menschen, insbesondere Kinder.

Der Sprache beklagenswerter Verfall betreffe vor allem den Gebrauch der Sprache durch die heranwachsende Generation. Der Wortschatz der miteinander sprechenden Jugendlichen sei im Allgemeinen sehr vereinfacht und bruchstückhaft, agrammatisch und von falschen Schreibungen geprägt. “Alles ist super, top, geil, aber es ist nicht mehr so authentisch, als spräche einer im bleischweren Essaystile wie auf vierzehn Seiten Papiers über seine Betrachtungen beim Anblick einer fallenden Schneeflocke und breitete diese vor einem geduldigen und selbst schweigenden Zuhörer aus”, kritisierte der Zettelmeier. “Ich will den Sprachgebrauch auf Spielplätzen nicht verurteilen, aber die Jugend darf sich von der schwindelerregenden Entwicklung meiner Buchsprache zu einem Mittel des unumschwiffenen menschlichen Austausches nicht vereinnahmen lassen”. Der ehemalige bayerische Kultusminister sagte ferner: “Der harschen Kindersprache mangelt es an Gefühl und Herzlichkeit”.

Deshalb sollen, so der Zettelmeier, Kinder erst dann miteinander reden, wenn sie schon gefestigte Kenntnisse im gesamten Formenreichtum der schriftdeutschen Sprache hätten — bis zum Alter von 14 Jahren sei es für Kinder vollständig entbehrlich, untereinander zu sprechen. Stattdessen sollten sie in stundenlangen Exerzitien mit Tinte und Feder auf Papier — oder besser noch: zur Erhöhung der Wertschätzung dieses Vorganges auf Pergament — schreiben, während ihnen alle anderen sprachlichen Mittel verboten werden sollten. “Wenn man stundenlang miteinander redet, färbt das eben ab”.

Kinder sollten wieder mehr Kirchenlieder auswendig lernen und Bücher lesen, um die Schönheit der Sprache zu erfahren, forderte der Zettelmeier, der auch Vorsitzender der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung in München ist.

Ach übrigens, Herr Zehetmair: GAFL! Ach, wollen sie nicht, weil sie ihren gut alimentierten Platz im Betrieb der BRD-Lach- und Sachpolitik einem richtigen Leben vorziehen? Na, dann eben ab ins Aquarium!

Nachtrag, 22. Dezember, 14:55 Uhr: Heise online — Sprachforscher rügen Zehetmairs Twitter-Schelte

Nachtrag Zwei, 22. Dezember, 15:55 Uhr: Sprachlog — Sprachbrocken 51/2012, und dort unbedingt den abschließend verlinkten Text lesen, der sich mit dem blinden Geschafel des ehemaligen bayerischen Kultusministers vor einem Jahr inhaltlich auseinandersetzt.


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