Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Presse

Web, Dein neuer Name sei Yahoo!

Scan einer DPA-Meldung mit dem hervorgehobenen Text: Yahoo betreibt bereits unter anderem Google und Facebook

DPA-Qualitätsjournalismus. Ohne Worte. | Quelle des Scans


Streaming: Kein Herunterladen mehr

Allerdings ist inzwischen immer mehr das Streaming auf dem Vormarsch, bei dem die Musik nicht mehr heruntergeladen, sondern direkt aus dem Internet abgespielt wird. Dabei gibt es zum einen Abo-Dienste wie Spotify oder Rdio, bei denen für eine Monatsgebühr uneingeschränkt Musik gehört werden kann

Die Welt — Rechteverhandlungen: Musik-Konzerne bremsen Apples Internet-Radio
Teile dieser Meldung stammen von der DPA

Kommentar

Werter Herr Qualitätsjournalist,

Es ist Bullshit!ich möchte ihnen eine einfache Frage zu ihrem Artikel stellen: Wenn die Musik nicht mehr von irgendwo aus dem Internet heruntergeladen und so zum Abspieler transportiert wird, wie kommt sie dann zum Abspieler und schließlich an die Ohren des Zuhörers? Schwebt sie auf moduliertem Feenstaub, oder handelt es sich etwa um die erste technische Anwendung von Psi-Effekten?

Sie müssen zugestehen, Herr Qualitätsjournalist, dass die beiden von mir schnell benannten “Alternativen” zum Herunterladen höchst lächerlich sind. Und wenn sie jetzt nur drei Minuten darüber nachdenkten, müssten sie zugestehen, dass das auch für jede andere Möglichkeit gilt, wie die Daten ohne eine Datenübertragung von einem Server zu einem Abspieler gelangen könnten; eine Datenübertragung, die man allgemein als “Download” oder auch “Herunterladen” bezeichnet. Es ist nämlich technisch genau der gleiche Vorgang. Ein laufender Serverprozess auf einem anderen Computer im Internet bekommt über ein Protokoll die Aufforderung, Daten zu senden, und er sendet Daten zurück.

Das sollten sie als jemand, der für das Ressort “Digital” bei einer überregionalen Zeitung schreibt, schon verstehen, Herr Qualitätsjournalist. Und da ich sie nicht als völlig inkompetent und dumm bezeichnen will, Herr Qualitätsjournalist, gehe ich davon aus, dass sie das im Prinzip auch verstehen.

Allerdings scheint es nicht ihre Aufgabe bei einem qualitätsjournalistischen Produkt aus dem Hause Axel Springer zu sein, Herr Qualitätsjournalist, dass sie ihre Leser, die dort Artikel im Ressort “Digital” lesen, dazu befähigen sollen, ihrerseits technisches Verständnis und auf dieser Grundlage im Idealfall verantwortliches, kluges Handeln zu entwickeln. Denn sie werden ja für die Erfüllung ihrer Aufgabe bezahlt, Herr Qualitätsjournalist, nicht für irgendeine Vermittlung von Kompetenz.

Es gibt nämlich sehr wohl einen Unterschied zwischen dem, was einige Werber — also Leute, die genau wie sie, Herr Qualitätsjournalist, für das psychologisch wirksame Lügen und Verdummen von Menschen bezahlt werden — “Streaming” nennen und dem, was Menschen bislang als gewöhnlichen Download-Vorgang kennen. Stellt man diese beiden Vorgänge des Herunterladens gegenüber, so zeigt sich dabei, dass es sich beim so genannten “Streaming” um einen Versuch handelt, technische Möglichkeiten zu behindern, Nutzer eines Angebotes über ihren Musikkonsum (und Videokonsum) zu verdaten und zu überwachen und ihrem Dasein eine technisch nicht erforderliche, also künstlich geschaffene Abhängigkeit von einem gewinnorientierten Anbieter hinzuzufügen, der damit sein Geschäftchen machen will.

Beim Download-Vorgang können Menschen nämlich die heruntergeladenen Daten im Dateisystem an einer selbstgewählten Stelle ablegen, sie können die Daten auf beliebige Geräte übertragen, sie können die Daten mit beliebiger Software abspielen, sie können von den Daten beliebig viele Kopien anfertigen. Kurz gesagt: Menschen kommen beim Herunterladen digitaler Güter in den Genuss sämtlicher Vorteile der Digitaltechnik und der Kopierinfrastruktur vernetzter Rechner. Das digitale Gut geht in ihre Verfügungsgewalt über, durchaus ähnlich zu einer gekauften Zeitung. Heruntergeladene Musik kann zum Beispiel beliebig oft angehört werden, ohne dass irgendein Anbieter über diese Nutzung informiert wird.

Beim so genannten “Streaming” handelt es sich natürlich auch um einen Download-Vorgang, doch wird dem Menschen dafür eine technisch eingeschränkte Software zur Verfügung gestellt, die ein Speichern an einer vom Menschen frei gewählten Stelle im Dateisystem nicht ermöglicht. Die Nutzung mit frei gewählter Software wird unterdrückt. Stattdessen wird eine für den Genuss von Musik weder sachlich noch technisch erforderliche Bindung an einen kommerziellen Anbieter vorgenommen, der im Laufe der Zeit vollständige Informationen über den gesamten Musikgeschmack des Menschen, seine Konsumzeiten und im Falle eines Smartphones sogar über die Aufenthaltsorte des Menschen sammeln kann, an denen Musik gehört wird.

Der Unterschied besteht also nicht darin, dass nichts heruntergeladen wird, sondern darin, dass der zahlende Nutzer eines Streaming-Dienstes seine mit einem selbstbestimmten Herunterladen verbundenen technischen Freiheiten verliert und dafür zum Objekt der Datensammelei eines gewinnorientierten Unternehmens wird.

Genau diese Tatsache, Herr Qualitätsjournalist, erwähnen sie nicht, und als sie sich beim Schreiben ihres Artikels vor dem Problem gestellt sahen, kurz zu erwähnen, was beim so genannten “Streaming” jetzt anders, neu und besser ist, haben sie sich dieses Problemes mit einer gnadenlos dummen Formulierung entledigt, damit zumindest die technisch analphabetischen Leser kein Bewusstsein entwickeln können, das zu vernünftigen Entscheidungen führen kann.

Vollends lächerlich wird ihre Idee der “Datenübertragung, ohne dass eine Datenübertragung stattfindet” übrigens, Herr Qualitätsjournalist, wenn man sie mit dem deftigst duftenden Bullshitwort der Werber aus dem letzten Jahr kombiniert: Dem “Offline-Streaming”, das von qualitätsjournalistischen Idioten ihres Schlages nach Vorlage von den Bitkomikern in die vom Unsinn müden Hirn befördert wurde.

Danke, dass sie mit ihren hoffentlich gut bezahlten Schreibtischtätigkeiten jedem aufmerksamen Leser klar machen, welche Aufgaben der “Content” im Qualitätsjournalismus — neben der Aufgabe als Köder, der zur Reklame locken soll — noch hat. Diese Klarheit bewahrt vor der Illusion, dass man sich aus qualitätsjournalistischen Produkten informieren kann. Denn die Annahme, dass in Bereichen, in denen ich mich zufällig weniger gut auskenne, nicht manipulativ und die Tatsachen verdrehend berichtet wird, wäre doch ein bisschen dumm.

Ihr kopfschüttelnder Mitleser.


Neueste Masche der Internet-Betrüger

Internet-Betrüger versuchen über Internetanzeigen oder Spam-Mails vermeintliche Tätigkeiten als Warenagent, Paketmanager oder Testkäufer zu vermitteln

[...]

Neueste Masche der Internet-Betrüger: “Finanzagenten” – dabei werden Personen gesucht, die Geldbeträge auf ihrem Konto in Empfang nehmen und weiterverbuchen

Abendzeitung München — Internet-Betrüger — Polizei warnt: Abzocke durch “Paketagenten”
Originalartikel | Die Archivierung mit WebCite wurde leider technisch verhindert.

Kommentar

Die “neueste Masche” ist das also! Als Internetnutzer habe ich mich ja daran gewöhnt, dass Presse aus einer Aufbereitung der Neuigkeiten von gestern besteht, aber dass eine kriminelle Methode noch nach vielen Jahren als “neueste Masche” erklärt wird, ist doch ein bisschen… ähm… deppert. Hier ein Link auf ein derartiges “Jobangebot” aus dem Jahr 2007, und hier zusätzlich noch etwas zum Lachen über das trübe Thema aus dem Jahr 2010. Der älteste Eintrag zu diesem Thema im Wiki des Antispam e.V. stammt aus dem April 2006, was einem Alter von ungefähr drei Erdzeitaltern des Internet entspricht. Wer sich aus anderen Quellen informiert, weiß also schon seit mehr als einem halben Jahrzehnt, was für diese Aktualität simulierenden “Qualitätsjournalisten” in ihrer hysterischen Pressesprache “die neueste Masche” ist… und ist auch wesentlich besser informiert über die aktuellen und wirklich neuen Formen der Internet-Kriminalität.

Aber um meinen Spott ein bisschen zurückzunehmen: Wenn man diese Peinlichkeit einmal überliest, ist der Artikel immerhin sachlich zutreffend, was leider keine Selbstverständlichkeit derartiger Berichterstattung ist. Er ist zudem sehr wichtig, weil er mit der Reichweite der Boulevardpresse einer Großstadt die zunehmend verarmenden Menschen erreicht, die in ihrer Situation durchaus anfällig für derartige “Jobangebote” sein können. Wenn dieser Artikel im Internet auch noch mit einem Link auf die Quelle, eine Presseerklärung des LKA Bayern, versehen worden wäre, die in ihrer Sachlichkeit frei von derartigen qualitätsjournalistischen Peinlichkeiten ist, aber dafür einen weiteren, ganz allgemeinen und doch sehr wichtigen Hinweis gibt…

Als grundsätzlicher Hinweis gilt: Man sollte niemals sein Bankkonto oder seine Postadresse für Geschäftsabwicklungen von Fremden zur Verfügung stellen

…und ein weiterer Link auf offen im Web verfügbare, ausführliche Informationen zu “Jobangeboten” in Spam-E-Mails gesetzt worden wäre, wäre er sogar richtig gut gewesen.

Wenn der Leser des qualitätsjournalistischen Produktes hingegen Altes als Neuigkeit präsentiert bekommt und die Recherche selbst betreiben muss, ist der Journalismus überflüssig geworden.


Der CDU-Internet-Wahlkampf ist eröffnet

Zitat Heise Online: CDU setzt im Online-Wahlkampf auf Bilder, Videos und Netzwerke:

[...] Das Internet habe verglichen mit vergangenen Bundestagswahlen an Bedeutung gewonnen, sagte CDU-Bundesgeschäftsführer Klaus Schüler am Donnerstagabend zur Vorstellung der überarbeiteten Website. “Da hat sich eben was verändert, das ist ganz klar. Das Thema Online hat eine größere Bedeutung gewonnen.” Auf der Seite finden sich prominent Multimedia-Inhalte wie Videos. Nutzer können Verbindungen zu Sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook aktivieren und Inhalte dort selbst weiterverbreiten.

Kommentar

Ah ja, kurz nach der Erdrosselung des von jeden Menschen mitgestaltbaren Raumes des Internet setzt die CDU für ihren Webwahlkampf auf das “Thema Online” und hat dafür eigens eine neue Website gestalten lassen. Eine mit ganz viel Video.

Das ist doch eine gute Gelegenheit, mal die Kompetenz dieser Kompetenz-Simulatoren abzuklopfen und das HTML dieser neuen Website vom W3C-Validator auf Fehler überprüfen zu lassen.

Oh, was ist denn das:

Sorry! This document cannot be checked. I got the following unexpected response when trying to retrieve www.cdu.de: 500 Status read failed: Connection reset by peer

Na, sowas aber auch! Mit einem Browser kann man die Site aufrufen, aber wenn der W3C über seinen Validator die gleichen Inhalte anfordert, wird die Verbindung durch Webserver getrennt. Da versteht aber jemand, wie man die Direktive Deny from richtig einsetzt!

Fragt sich nur, warum das jemand tun sollte?

Ich habe mir den HTML-Quelltext mal mit Strg+U direkt angeschaut und direkt über die Zwischenablage in das Eingabefeld unter Validate by Direct Input eingetragen.

Und das Ergebnis dieses Minimalhacks auf dem Niveau eines siebenjährigen Netzkindes zeigt mir, warum das Ergebnis einer Überprüfung wohl von den Spezialexperten bei der CDU als nicht so werbewirksam empfunden wird:

Errors found while checking this document. Result: 107 Errors, 102 Warnings

Oops! :shock:

Damit ist wohl klar geworden, warum der Webserver so konfiguriert ist, dass er den wichtigsten Validierungsdienst des Web nicht durchlässt. Die syntaktischen Fehler gehen bis hin zu LINK-Elementen im BODY des Dokumentes (für Laien: das ist so, als ob man in einem geschriebenen Satz die Wörter durchmischte und den Leser vor die Aufgabe der Interpretation stellt) und der Verwendung nicht spezifizierter Elemente (für Laien: Das ist so, als ob man sich Wörter in einem geschriebenen Satz einfach selbst ausdächte). Als ob solche syntaktischen Fehler nicht schlimm genug wären, wurden IDs von Elementen mehrfach vergeben (für Laien: Das ist so, als ob man mehreren Leuten die gleiche Nummer in den Personalausweis schriebe oder das gleiche Kfz-Kennzeichen mehrfach vergäbe, so dass eine eindeutige Identifikation anhand des Merkmals nicht mehr möglich ist). Da Ansprechen solcher Elemente mit JavaScript getElementById() oder das Formatieren solcher Elemente mit CSS ist eine Art Glücksspiel, dessen Ergebnis davon abhängt, wie die Browser mit dem Fehler umgehen.

Alles in allem erweckt die Lügensite der CDU zum Wahlkampf den Eindruck, von einem Menschen ohne technische Fachkenntnisse zusammengestrokelt worden zu sein, hauptsache, das Ergebnis sieht irgendwie ansprechend aus. Und hauptsache natürlich, es gibt viel Video…

Ja, CDU, jetzt verstehe ich, wie das bei euch ankommt, wenn das Thema Online eine größere Bedeutung gewonnen hat. :D


Magerfalle Internet

Screenshot Focus Online -- Magersucht: Wenn das Internet zur Magerfalle wird -- Es scheint als gäbe es unter den jungen Mädchen heutzutage nur ein Thema: Dünnsein. Viele hungern sich für ihren Traum von der Top-Figur bis an die Grenze des Todes. Blogs im Internet können dazu gefährliche Unterstützung leisten.

Quelle des Screenshots: Internet

Kurzkommentar (sehr gereizt)

Genau, leistungsschutzrechtsgeschützter Qualitätsjournalist, Mädchen hungern sich tot, weil es Blogs im Internet gibt. Mit dem medial transportierten Frauenbild (sowohl im redaktionellen Teil als auch in der Reklame) hat das nichts zu tun — kann ja niemand ahnen, dass die Massenstanze von Glotze und Druckerpresse, die ein halbverhungertes weibliches Schönheitsideal transportiert, irgendwelche Auswirkungen haben könnte. Internet bringt Tod, Qualitätsjournalismus bringt Leben! So weiterschreiben, bis auch der letzte Denkverweigerer bemerkt, was für zynische Unmenschen es sind, die so hirnlos hetzen und wie scheißegal ihnen dabei das von ihnen selbst mitangerichtete Elend ist! Der eine Finger, mit dem der stinkende Zeitgenosse Qualitätsjournalist auf das todbringende Magernetz und seine Blogs zeigt, bewirkt nur, dass vier Finger seiner Hand auf ihn zurückzeigen. Das tolle Symbolbild zum Text, das nichts mit Blogs, aber alles mit dem Bildmaterial der Journaille zu tun hat, macht das nur noch deutlicher.


Soziale Netzwerke vergreisen

Die Nutzer von Sozialen Netzwerken werden laut einer aktuellen Berechnung immer älter.

Auf Facebook liege das sogenannte Medianalter der Nutzer bereits bei 38,7 Jahren, ergab eine Erhebung der Marktforschungsfirma ComScore im Auftrag des Magazins “Focus”. Im Jahr zuvor lag der Wert bei 38,1 Jahren.

DPA-Meldung, zitiert nach Focus Online — Internet: “Focus”: Soziale Netzwerke “vergreisen”

Kommentar

Zunächst einmal eine Erläuterung für die Menschen, die nicht wissen, was ein Median ist. Es handelt sich nicht um den sonst in solchen Zahlenspielen sehr populären Durchschnittswert. Der Median wird ermittelt, indem alle Werte sortiert werden und der Wert aus der Mitte genommen wird¹. Dieser kann je nach Verteilung der Werte mehr oder weniger stark vom vertrauteren Mittelwert abweichen. Warum hier eine Entwicklung mit dem eher unüblichen Median anstelle des allgemein vertrauten (und nicht erwähnten) Mittelwertes “belegt” wird, bleibt das Geheimnis der Qualitätsjournalisten, die dieses Zahlenspiel als “Beleg” für eine “Vergreisung” [!] heranziehen.

Vor einem Jahr lag der Median also bei 38,1 Jahren, und jetzt, wo alle Leute, die vor einem Jahr in die Betrachtung einflossen, ein ganzes Jahr älter geworden sind, liegt dieser Median nicht etwa bei 39,1 Jahren (oder gar noch höher), sondern bei 38,7 Jahren. Und das soll eine “Vergreisung” sein, obwohl in der Zahl, die das “belegen” soll, der direkte Beweis dafür steckt, dass eine bedeutende Menge jüngerer Nutzer hinzugekommen sein muss, während die Noch-Mitglieder ganz normal biologisch altern? Faszinierend!

Nun, werte berufsmäßige Lügner beim Focus, wenn ich das sehe, bekomme ich eine Ahnung, warum ihr einen für die meisten Menschen schwer interpretierbaren Wert wie den Median herausgepickt habt, um alles andere (zum Beispiel den Durchschnitt, die Standardabweichung und die Größe der Stichprobe) zu verschweigen und damit eine Überprüfung der Datenbasis eurer Behauptungen völlig unmöglich zu machen. Fakten sind euch nämlich egal. Vermutlich wäre der Mittelwert noch ungeeigneter gewesen, um das zu transportieren, was die Wirklichkeit nicht hergibt: Eine Lügenmeldung, dass das Zeitalter der so genannten “sozialen” Netzwerke zu Ende geht. Eure Meldung ist Propaganda, geschrieben nur, um eine psychologische Wirkung zu entfalten. Dabei stört es euch nicht, dass der kleine Faktenkrümel, den ihr dazu heranzieht, dieser Propaganda direkt widerspricht. Denn eure Leser haltet ihr für dumm, und ihr werdet alles dafür tun, dass sie dumm bleiben — und ansonsten könnt ihr fest auf den allgemeinen wissenschaftlichen und mathematischen Analphabetismus bauen, den Schule und Presse seit Jahrzehnten sicherstellen.

Die einzigen, die in der BRD vergreist, rückwärtsgewandt und auf dem absteigenden Ast sind, sind die Vertreter des Presseverlagswesens. Das bemerkt man allerdings nicht an irgendwelchen Bullshit-Zahlen, sondern an ihrem Vorgehen, ihrer Propaganda und ihrer verzweifelten politischen Einflussnahme in der Lobby des Reichstages, um das Internet in der BRD zu erwürgen. Koste es, was es wolle.

¹Technische Anmerkung: Eine Sortierung ist zur Ermittlung des Medians nicht erforderlich, es ist vollkommen hinreichend, (zum Beispiel) das Partitionierungsverfahren des Quicksort-Algorithmus geeignet anzuwenden. Der Rechenaufwand ist dabei deutlich kleiner als beim Sortieren, er liegt nicht bei n * log(n), sondern bei log(n).


Endlich! Die Glotze denkt für dich!

Ein SmartTV denkt ohne Breitband langsamer

Chip Online — Umfrage: Wie schnell ist Ihre Internet-Verbindung?

Platsch, das war ein Blindfisch.


Kommt diese “geschlossene Anstalt” denn niemals an ihr Ende?

Aus für Google Reader -- Kommt das offene Internet an sein Ende? -- Google stellt seinen RSS-Reader ein. Um den ist es nicht schade, wohl aber ums RSS-Protokoll. Denn jetzt verbreitet Facebook die News – und das ist nicht offen.

Kommentar in Form eines Offenen Briefes

Werter leistungsschutzrechtgeschützter Qualitätsjournalist,

ich weiß nicht, ob sie sich das vorstellen können: RSS als offener Standard für die maschinenlesbare Anforderung von aktualisierten Inhalten in Websites existiert völlig unabhängig davon, ob Google dafür einen Dienst anbietet oder nicht.

Wie ich eben gerade beim Blick in den Quelltext der Website der Zeitung, die sie für ihr unqualifiziertes Geschmiere hoffentlich nicht zu hoch entlohnt, bemerkt habe, bietet auch diese Zeitung einen RSS-Feed für ihre Leser an. Sie kommt nicht auf die gnadenlos dumme Idee, diesen Service einzustellen, weil Google jetzt, wie sie das so schön und so lächerlich schreiben, damit beginnt, das “offene Internet” auszuknipsen. Das wäre auch ausgesprochen dumm, denn es gibt neben diesem Angebot von Google, dass ihnen in ihrer sie leider nicht vom Schreiben abhaltenden Unwissenheit die wohl einzige bekannte Nutzungsform von RSS-Feeds offeriert hat, noch eine ganze Menge weiterer Software, die ausgesprochen nützlich ist, weil sie die tägliche Lektüre durch Aufbereitung von RSS-Feeds erleichtert.

Facebook gehört übrigens nicht dazu, wie sie mit Leichtigkeit herausbekommen könnten, wenn sie sich auch für das Thema interessierten, über das sie schreiben. Dafür kann es jeder bessere Mailclient, die eine oder andere Webanwendung und auch eine Menge spezialisierter Programme und Browser-Plugins.

Aber so etwas muss man als “Redakteur im Ressort Digital” wohl nicht wissen. Genau so wenig, wie man wissen muss, dass RSS kein Internet-Protokoll, sondern ein XML-Dokumenttyp ist und dass RSS-Feeds in diesem Dateiformat über das HTT-Protokoll abgerufen werden.

Denn im “Ressort Digital” spielt die Digitaltechnik und das Wissen darum keine Rolle. Und Google, Facebook und das ebenfalls im weiteren Artikel benannte Twitter sind der Horizont des Internet, wenn es dort etwas nicht gibt, dann gibt es das nirgends. Weltbilder entstehen eben im Kopfe, und wenn der Kopf nicht so viel weiß, wird es halt ein bisserl eng auf der darin abgebildeten Welt. Dieses Internet, mit dem sie, Herr Biermann, sich beschäftigen, könnte übrigens ein gutes Mittel gegen diese Enge im Kopfe sein. Fangen sie doch gleich mal mit dem Wikipedia-Artikel zu RSS an.

Soll ich ihnen, Herr Biermann, mal erzählen, was wirklich zum Ende des offenen Internet führt, wenn man darunter eine technisches Netzwerk von Computern versteht, das den einzigen Nutzen hat, Menschen zusammenzubringen? Nein, interessiert sie nicht? Weil sie ihr “journalistisches” Thema generell nicht interessiert? Ich sags ihnen trotzdem, Herr Tintenkleckser¹ Biermann: Das so genannte “Leistungsschutzrecht für Presseverleger” hat dieses Potenzial für Deutschland. Was nützt nämlich die beste und segensreichste Technik, wenn mit klandestiner Lobbyarbeit ein juristischer Rahmen geschaffen wird, der natürliche Nutzungsformen dieser Technik kriminalisiert und zum nicht mehr tragbaren Risiko für die Menschen macht? Sehen sie, nichts. Eine öffentlich zugängliche Aufbereitung von RSS-Feeds — zum Beispiel auch der ihrer Zeitungswebsite — zu einem Webangebot wird unter den Maßgaben dieses “Rechtes” kriminalisiert.

Ach, das ragt zu weit in ihre eigene Tintenkleckserei¹ ihre eigene schreibende Tätigkeit hinein? Und ist deshalb und nur deshalb etwas völlig anderes? Deshalb stürzen sie sich lieber auf das böse Google, das das offene Internet abschaltet?

Na gut. Tun sie das ruhig und führen sie sich wie ein Idiot¹ so auf! So wird wenigstens jedem Wissendem — also ungefähr jedem aufgeschlossenen Menschen unter 35 Jahren und zudem noch einer Menge älterer Menschen — klar, dass mies recherchierte Texte ohne die Spur wirklicher Sachkenntnis mit der Autorität des “Journalismus” oder gar “Qualitätsjournalismus” in einer Zeitung abgedruckt oder in einer Zeitungswebsite publiziert werden können. Und das vermutlich nicht nur im “Ressort Digital”, sondern in jedem verdammten Ressort.

Und diese Klarheit ist doch mal ein guter Anfang für die poltische Bildung. Oder können sie mir vielleicht nur einen einzigen Grund nennen, weshalb man annehmen sollte, dass Texte zu anderen Themen in ihrem Schmierblatt besser recherchiert und kenntnisreicher geschrieben wären? Mir fällt jedenfalls keiner ein.

Ihr solchen Bullshit nicht mehr ertragender
Nachtwächter

Quelle des Screenshots: Internet

Fußnoten

¹Die durchgestrichenen Texte habe ich gegen weniger ruppige Formulierungen ausgetauscht, um den von Herrn Biermann als beinahe beleidigend empfundenen Charakter des Textes etwas zu entschärfen. Näheres zum Hintergrund dieser Entscheidung lässt sich in den Kommentaren nachlesen.


Unser Angebot im Internet

Screenshot der Website von OVB Online, die nur zum Registrieren und Bezahlen auffordert, ohne Inhalte zu zeigen

Ein geradezu unwiderstehliches Angebot der OVB Heimatzeitungen der Oberbayerisches Volksblatt GmbH & Co — Claim: Mein Leben. Meine Seiten. — dem doch wirklich niemand widerstehen kann. Katzen im Sack waren schon immer ein sehr begehrtes Gut, vor allem, wenn sie auch noch Geld kosten.


Ausleihe

Vielerlei Anstrengungen haben die öffentlichen Bibliotheken bereits erfolgreich unternommen, um im digitalen Wandel zeitgemäße Leseförderung zu betreiben. Sie haben sich beweglich gezeigt. Etliche bieten schon E-Books im Internet zum Ausleihen

Neue Osnabrücker Zeitung: Problematisches Tauschgeschäft

Kurzkommentar

Ich wünsche mir so sehr, dass den Baumbestemplern von der Neuen Osnabrücker Zeitung, die beliebig und verlustfrei kopierbare und damit replizierbare digitale Daten ganz selbstverständlich ausleihen und… ähm… wieder zurückbringen lassen wollen, nur ein einziges Mal ein ganz helles Licht aufgeht, damit sie verstehen können, was der größte Vorzug von vernetzter Digitaltechnik ist. Ein kleiner Tipp hierzu nur von mir: Es ist keine Autobahn. Sondern es ist eine verhältnismäßig preiswerte Infrastruktur, die verlustfreie Kopien digitaler Werke und Güter in ausreichender Anzahl schnell und mit geringem Energieaufwand erzeugen und nahezu lichtschnell verteilen kann.

Das ist übrigens auch gut für die “Leseförderung”. Wirklich. Und niemals geht Literatur verloren oder jemand muss eine Strafgebühr für das zu späte Zurückgeben bezahlen. Nein, man muss gar nicht erst seinen Körper entgegen der gebieterischen Gravitation zur Bücherei schleppen. Und wer erst einmal zu lesen gelernt hat, der bekommt auch schnell Wissen — und wird daraufhin angesichts solchen Bullshits seinen Lesehunger gewiss nicht mehr mit der intellektuellen Fastensuppe stillen, die der “Qualitätsjournalismus” jeden Tag aus seiner Maschinerie ausspeit.


Bei Evernote wurde die Mailadresse gestohlen!

Werte leistungsschutzrechtgeschützte Qualitätsjournalisten,

es gibt da so ein paar Dinge, derer ich mittlerweile müde geworden bin, sie überhaupt noch zu erwähnen. Und doch ist es erforderlich, damit nicht die letzten Hirnfunktionen im Strom von Scheiße weggeschwemmt werden, der aus euren Contentfabriken in jedes Bewusstsein, jede Psyche und jeden Kopf dringt.

Wie würdet ihr etwa den folgenden Vorgang nennen. Ich habe eben das Kommando scp mit ein paar unfreundlich aussehenden Parametern aufgerufen, um eine Kopie einer Datei anzufertigen, die auf einem von mir betreuten Server liegt. Diese Datei liegt nun immer noch auf dem Server, und eine identische Kopie dieser Datei liegt nun auf dem Rechner, vor dem ich gerade sitze. Würdet ihr das einen “Diebstahl” nennen, obwohl nichts fehlt? Das wäre doch ein wirklich dummes Wort dafür, findet ihr das nicht auch?

Aber wenns darum geht, dass Cracker — nein, werter Qualitätsjournalist, das sind keine Hacker — sich bei windigen Internetklitischen über offenbar nicht ausreichende Sicherungen und mangelhaft programmierte Berechtigungssysteme hinwegsetzen können und massenhaft Daten… ja… kopieren, dann nehmt ihr genau dieses wirklich dumme Wort dafür:

Evernote gehackt – Daten und Passwörter gestohlen - Hacker haben sich Zugriff auf Datenbanken des Online-Notizdienstes Evernote verschafft. Dabei wurden Nutzerzugänge und E-Mail-Adressen gestohlen. Als Maßnahme werden nun alle Passwörter zurückgesetzt.

[Quelle des Screenshots: Internet]

Ja, ihr sagt zu einer angefertigten Kopie (auf dem Server sind keine Daten verschwunden, sonst könnten die nunmehr unsicher gewordenen Passwörter auch nicht von den Evernote-Betreibern zurückgesetzt werden), dass “Nutzerzugänge und E-Mail-Adressen gestohlen” wurden. Obwohl sie im Gegensatz zu einem geklauten Brötchen noch da sind.

Ich weiß, dass für euch leistungsschutzrechtgeschützte Qualitätsjournalisten solche Themen einfach ein bisserl zu abstrakt und schwierig sind, und deshalb helfe ich euch auch gern mit einer Grafik aus, die die wirklichen Verhältnisse zeigt:

Komplizierte Themen für Journalisten erklärt: Der Unterschied zwischen Diebstahl und Kopie

Das solltet ihr euch ausdrucken und über die Tastatur hängen, damit ihr daran denkt, wann immer ihr solche Ereignisse in Meldungen verwandelt. Vielleicht findet ihr dann wenigstens manchmal ein besseres Wort für den Vorgang. “Kopieren” zum Beispiel, oder, wenn der völlig unerwünschte und kriminelle Charakter solcher Angriffe gewürdigt werden soll, ist “abgreifen” (in Analogie zu ein System “angreifen”) zwar keine wirklich gute, doch immer noch eine bessere Wahl. Geklaut, gestohlen und entwendet wird dabei jedenfalls nichts. Ganz im Gegenteil, hinterher ist mehr da als vorher. Und genau das kann ein Problem sein, ihr Profiteure des Leistungsschutzrechtes.

Und einmal ganz davon abgesehen, dass das Wort “Diebstahl” so falsch ist: Wäre es nicht besser, wenn die Menschen verstünden, dass sie teilweise weit in ihre Privatsphäre hineinreichende Daten irgendwelchen Unternehmen anvertrauen, die offenbar nicht dazu imstande sind, solche Daten hinreichend gegen unberechtigte Zugriffe und unerwünschte Anfertigungen von Kopien ganzer Datenbanken zu sichern. Die Verwendung der richtigen Begriffe schafft nämlich erst die richtige und wünschenswerte Einsicht bei euren Lesern, und erst diese kann zu richtigen Entscheidungen führen. Ich würde jedenfalls keiner gegenwärtig hochgehypten Klitsche irgendwelche Daten anvertrauen, an denen mir wirklich etwas liegt; weder einem Anbieter von Internet-Notizzetteln noch einem Anbieter für so genannte “Cloud-Dienste” — dafür lese ich solche Meldungen nämlich viel zu häufig. Sorgt also mal dafür, werte Qualitätsjournalisten, dass eure Leser verstehen, wie sehr von aufstrebenden Unternehmen, die meist kein seriöses Geschäftsmodell haben, gepfuscht wird! Dann könnte euer so genannter “Journalismus” noch einen gewissen Wert für eure Leser haben. Die Verwendung treffender Begriffe — ihr Zeitungsschreiber, ihr macht doch eigentlich was mit Sprache, oder? — wäre ein erster, aber noch nicht ausreichender Schritt in diese Richtung.

Euer es nicht mehr ertragender
Nachtwächter


Blogger machen kalte Füße und Blasenentzündungen

Gerüchte flammten auf, die Regierung würde zum Beispiel die Goldschätze aus der Zentralbank ins Ausland bringen, alle Isländer müssten am nächsten Morgen auf dem Flughafen stehen und die Startbahn blockieren, dieser Aufruf machte die Runde. Es war eisiger Winter. Und die Regierung hatte nicht im Traum daran gedacht, irgendwelche Goldschätze in Milliardenhöhe ins Ausland zu bringen. Aber die Isländer machten sich in der Nacht auf, blockierten ebenso tapfer wie sinnlos anderthalb Tage die Startbahn, bis alle steifgefroren waren. Der Erfinder dieses Gerüchts, der Blogger, wer immer es war, hat eine Menge kalter Füße und Blasenentzündungen zu verantworten. [...] Darauf lief es hinaus: kalte Füße, und das Fehlen der vierten Gewalt. Eine neue Ungenauigkeit. Ich hoffe, man wird sich daran nicht gewöhnen müssen.

Der Spiegel 6/2013 — Gesellschaft — “Volksreporter Homestory: Wie sich das Leben verändern wird, wenn unsere Kinder keine Zeitung mehr lesen” von Ralf Hoppe

Kein eigener Kommentar

Der Text wurde aus Wortfeld (von Alexander Svensson) zitiert, und ich lege jedem nahe, den Artikel dort zu lesen — denn dabei klärt sich gleichermaßen schnell wie unterhaltsam, was von der gar nicht so subtil vorgebrachten Propaganda gegen “diese Blogs im Internet” von Ralf Hoppe zu halten ist.

Diese Presse macht übrigens dumme Hirne und Hände, die nicht mehr handeln. Wenn es eine Sache gibt, die mir an Island sympathisch ist, dann ist es die Tatsache, dass dort mal ein paar korrupte Bankster in den Knast gegangen sind. Im Gegensatz zum europäischen Festland, wo die Presse als Organ von drei Handvoll Milliardären viel bedeutender ist und jeden Tag das Recht selbst mit dem Blei des Druckers erschießt.


Dieses SchavanPlag irgendwo im Netze

Nach Einschätzung von „SchavanPlag“ hat die Uni Düsseldorf Annette Schavan völlig zu Recht den erschlichenen Doktorgrad entzogen. Die anonymen Plagiatsjäger dokumentieren in ihrem Blog 131 Verstöße der Bildungsministerin – und das Muster ihres Plagiats.

131 Verstöße aus 45 nicht genannten Quellen auf 97 von 335 Seiten ihrer Doktorarbeit – das sind die Vorwürfe, mit denen sich Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) auseinandersetzen muss. Zitierte die Ministerin nur schlampig, wie viele Studenten in ihren Abschlussarbeiten, oder sind die Fehler, die der Blog „SchavanPlag“ dokumentiert hat, so gravierend, dass hier Absicht am Werke gewesen sein muss?

Focus Online — “SchavanPlag” dokumentiert Plagiat: Nach diesem Muster erschlich sich Schavan den Doktor

Kurzkommentar

Focus Online bringt breite Zitate aus einer großen Sammlung von plagiatsverdächtigen Fundstellen in Frau Dr. Annette Schavans Dissertation, auf der zweiten Seite sogar einen Screenshot, aber ist zum Setzen eines Links auf seine Quelle nicht imstande.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie “Qualitätsjournalisten” eine frei im Web verfügbare Quelle referenzieren und sowohl direkt wie indirekt zitieren (nach Einschätzung von) können, ohne einen Link auf diese Quelle zu setzen. Dieses Blog ist halt irgendwo in diesem Interwebs. Der Eindruck, der durch diese Praxis beim Leser entsteht, ist, dass “Qualitätsjournalisten” lieber nicht möchten, dass andere ebenfalls ihre Quellen lesen. Dass “Qualitätsjournalisten” sich lieber wie eine Priesterschaft des Verlagstempels zwischen frei verfügbaren Quellen und ihrer Leserschaft stellen und den Segen des Internet verwalten und vermitteln wollen, um sich dafür bezahlen zu lassen. Ein solcher Eindruck ist tief lächerlich.

Dabei ist gerade SchavanPlag sehr interessant, weil dort zu jeder einzelnen Fundstelle recht präzise dargelegt wird, warum sie als Plagiat betrachtet wird (an einigen Stellen ist diese Betrachtung durchaus fragwürdig); einschließlich einer Gegenüberstellung mit der von Frau Dr. Schavan nicht angegebenen, aber offensichtlich verwendeten Quelle — aus der übrigens in einigen Fällen auch noch die Fehler übernommen wurden. Aus den Umformulierungen der Frau Dr. Schavan, die das Zitat verschleiern und eigene mentale Auseinandersetzung simulieren sollen, ergibt sich verhältnismäßig schnell ein Bild von Absicht und Vorsatz, mit denen Frau Dr. Schavan vorgegangen sein muss, und diese Haltung bei der Simulation wissenschaftlichen Arbeitens lässt einen tiefen Blick in den Charakter eines Menschen zu, der so vorgeht.


Geistiger Diebstahl

Der Verstoß gegen die Grundprinzipien der Zitierpflicht habe “schon manchen Wissenschaftler um Ehre und Karriere und manchen Prüfungskandidaten um den Erfolg seiner Bemühungen gebracht. Und das ist gut so”, zitierte die “Süddeutsche Zeitung” am Samstag aus dem das Heft. Geistiger Diebstahl sei kein Kavaliersdelikt

Frankfurter Allgemeine — Plagiatsvorwurf: Schavan wird wohl den Titel verlieren

Kurzkommentar

Mit Verlaub, Frankfurter Allgemeine! Es geht hier keineswegs, auch wenn dieses Wort besser in die Kriminalisierungsbestrebungen der “Qualitätsjournalisten” zur Ergänzung der Propaganda für die Einrichtung eines so genannten “Leistungsschutzrechtes” passt, um einen “Geistigen Diebstahl” oder auch nur um “Geistiges Eigentum”. Es geht bei der Untersuchung der Dissertation von Frau Noch-Dr. Annette Schavan vielmehr entweder um vorsätzlichen wissenschaftlichen Betrug oder — im weniger anrüchigen Falle — um mangelnde Sorgfalt beim Erstellen einer wissenschaftlichen Arbeit. Beides kann mit gutem Recht zur Aberkennung eines akademischen Grades führen. Beides wirft überdem ein ungutes Licht auf eine amtierende Ministerin, deren Ressort ausgerechnet “Bildung und Forschung” ist. Die Art und Weise, wie ihr in eurem Blatt, das als Organ für das “Bildungsbürgertum” gilt, solche begrifflichen Kategorien durchmischt, um etwas Agitation aufzuführen, ist für eurer sonstiges Niveau ausgesprochen peinlich und dürfte sogar einen erheblichen Teil eurer Stammleserschaft befremden.


Qualitätsjournalisten fordern zum Raubkopieren auf

Programmdateien und Seriennummern der Creative Suite 2 liegen für jeden frei zugänglich auf den Adobe-Servern. Das ist aber kein Freifahrtschein zum Herunterladen der Profi-Software, so Adobe.

[...]

Creative Suite 2 trotzdem herunterladen
Bevor Adobe den Download der Creative Suite 2 durch Nicht-Kunden untersagt hat, entwickelte COMPUTER BILD mit dem CS2-Downloader [Link von mir nicht übernommen] ein nützliches Download-Programm. Hinweis: Die Nutzung ist zwar nicht erwünscht, durch technische Maßnahmen seitens Adobe aber (noch) nicht blockiert. Das Programm finden Sie exklusiv auf der Heft-CD/DVD der COMPUTER BILD-Ausgabe 4/2013 (seit 26. Januar am Kiosk).

ComputerBild — Software für einst über 2.000 Euro: Adobe Creative Suite 2: Anleitung, Funktionen und Download
Der Titel der Seite lautet übrigens: “Gratis: Adobe verteilt Creative Suite CS2″

Kurzkommentar

Das ist genau die richtige Vorgehensweise an dem Tag, an dem Adobe endgültig klargestellt hat, dass eine nichtlizenzierte Nutzung dieser angebotenen CS2 illegal ist:

Ein Download der Software sowie die Nutzung der Seriennummern durch Personen, die CS2 oder Acrobat 7 in der Vergangenheit weder von Adobe direkt noch einem autorisierten Händler erworben haben, ist nicht gestattet und stellt eine Verletzung von Adobes Urheberrechten dar

Dieses klare Bekenntnis der “Qualitätsjournalisten” zum “Geistigen Eigentum” Adobes passt auch so vortrefflich zur gestrigen zweiten Lesung des so genannten “Leistungsschutzrechtes” im Deutschen Bundestage — ein obskures Sonderrecht zum angeblichen “Schutz” des “Geistigen Eigentums” von Verlagsangeboten.

Ein Satiriker hätte sich weder einen besseren Text noch ein besseres Timing ausdenken können. Ein demächst durch absurde Standesrechte geschütztes Verlagswesen fordert unverhohlen seine Leser dazu auf, dass sie etwas anfertigen, was sonst im Propagandaton der Contentindustrie als “Raubkopien” bezeichnet wird.


Bejubelte Veränderung

Die Expertenkommission zur digitalen Gesellschaft hat die Berliner Republik verändert.

Sueddeutsche.de — Kulturwandel durch das Internet: Wie die digitale Revolution [Bingo!] die Demokratie belebt

Kürzstkommentar

Wenn diese nahezu ergebnislose Internet-Enquete die “Veränderung der Berliner Republik” war, wie es ein “Qualitätsjournalist” hier herausjubelt, dann möchte ich den Stillstand nicht mehr kennenlernen. Immerhin wurde nach drei Jahren Nebelblah zur Verschleierung der üblichen BRD-Parteienpolitik im Sinne der Lobbyisten, und sei es auch jenseits jeder Vernunft, empfohlen, einen weiteren Ausschuss im Bundestag einzusetzen. Die in den dunklen Ecken des Reichstags vorangetriebene Lobbyarbeit des bezahlten Lügenrs Christoph Keese hat da sehr viel mehr veränderndes Potenzial für die “Berliner Republik” gehabt — ein Wort zur Bezeichnung der BR Deutschland übrigens, das schon trefflich verdeutlicht, wie sehr sich in Berlin eine Parallelgesellschaft gebildet hat.


Papier für analoge Wesen

Der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, bleibt Optimist. “Solange sich Menschen noch als analoge Wesen verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach bedrucktem Papier geben”, erklärte der 74-jährige Grafikdesigner vor wenigen Wochen. Zeitungen würden deshalb nicht zu einem Nischenprodukt werden

Klaus Staeck, indirekt zitiert nach einem Artikel im Neuen Deutschland

Kurzkommentar

  • Solange sich Menschen noch als lesende Wesen verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach Telegrammen geben, das Telegramm wird nicht zum Nischenprodukt werden, das vom Telefon oder der E-Mail abgelöst wird.
  • Solange sich Menschen noch als biologische Wesen verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach Kutschen geben, das Pferdegespann wird nicht zum Nischenprodukt werden, das von Autos abgelöst wird.
  • Solange sich Menschen noch als schaffende Wesen verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach handgearbeiteten Produkten geben, das handgemachte Werkstück wird nicht durch industrielle Produktion abgelöst werden.
  • Solange sich Menschen noch als schriftbefähigte Wesen verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach handgeschriebenen Büchern geben, das Manuskript wird nicht zum Nischenprodukt werden, das vom gedruckten Buch abgelöst wird.
  • Solange sich Menschen noch als sinnlich empfindene Wesen mit Zatz verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach gemeißelten Texten und Rauchsignalen zur Rerr geben; sie werden nicht zum Nischenprodukt werden, das von der Schrift abgelöst wird.
  • Solange sich Menschen noch als gehende Wesen und Örrgkt verstehen, wird es auch ein Bedürfnis nach dem langsamen Voranschreiten und Wrärr beim Transport von Dingen und beim Fortbewegen geben; das meilenweite Tragen und Läptrn wird nicht zum Nischenprodukt werden, das vom Rad abgelöst wird.
  • Solange sich Menschen noch als Örrgk Grmmp Drk verstehen, wird es auch ein Grnz Bööüi geben, dass man sich als Llör von Ast zu Ast schwingt, das gewohnte Schwingen im Braatp wird nicht zum Grrek werden, das vom aufrechten Gang dieser Rrepa Ngrzzt abgelöst wird.

Mit leichter Sehnsucht blicke ich in die Zeiten zurück, in denen “sozialistische Zeitungen” sich als fortschrittlich und fortschrittsbejahend verstanden haben. Das, was geblieben ist, ist die Realitätsverweigerung.


Verschlüsselung: Die Spezialexpertenkritik

Experten kritisieren gleich mehrere Schwachstellen in der Verschlüsselung. Vor allem bemängeln sie, dass bei verlorenen Passwörtern sämtliche Daten ebenfalls verloren gehen würden.

Golem — MEGA: Massive Kritik an der Verschlüsselung

Nuclear Powered Facepalm

Das sind aber auch ganz große von Golem zitierte Spezialexperten, die sich allen Ernstes zu wünschen scheinen, dass man bei einer “Verschlüsselung” auch ohne Kenntnis des Schlüssels an die Daten kommen kann — Tipp für Denkfaule: Dann kann es wirklich jeder! — und die das Fehlen dieses “Features” als eine bemängelnswerte Schwachstelle in der Verschlüsselung betrachten. Wenn diese Spezialexperten mir jetzt noch erklärten, warum man nach einem ihnen vorschwebenden Philosophie-Dschungel-Zen-Spezialkryptoverfahren überhaupt noch etwas verschlüsseln sollte, wäre mein Lachanfall noch größer geworden. Vielleicht finden sie ja im Aquarium der Blindfische jemanden, der sich mit solchen Verfahren besser auskennt als ich…

(Vielleicht sollte ich mal einen Bugreport für GnuPG schreiben, weil ich nach Verlust meines Keys meine damit verschlüsselten Dateien nicht mehr entschlüsseln kann und auf diesen Artikel einer deutschen IT-Fachpublikation verweisen. Aber mir ist gerade nicht so nach Albernheit zumute.)


CC-Lizenz? Das ist uns “Qualitätsjournalisten” doch egal

Wie jene “Qualitätsjournalisten”, die ihr “Geistiges Eigentum” durch ein “Leistungsschutzrecht” genanntes Standesrecht schützen lassen wollen, ihrerseits mit Immaterialgüterrechten umgehen, ist im Blog “Metronaut” am Beispiel einer CC-lizenzierten Grafik und ihrer Verwendung auf Zeitungswebsites dokumentiert und zur Lektüre empfohlen. Das Sahnehäubchen darauf ist:

Uns liegen Screenshots der Seiten vor, die wir wegen des Urheberrechts nicht hier zeigen können

So sind die Zustände im “Rechtsfreien Raum”, in dem die sich so bedienenden wirtschaftlichen Unternehmungen in den Dunkelkammern des Reichstages behaupten, durch des Internet enteignet zu werden.


Ente des Jahres: Adobe verschenkt CS2

Das ist zugegebenerweise kein Internet-Thema, aber gehört sehr wohl hierher — denn das “Leistungsschutzrecht”, das so genannte “Qualitätsjournalisten” für ihre ins Internet gestellten Machwerke beanspruchen, das ist ein Internet-Thema.

Wir erinnern uns: Dieses “Leistungsschutzrecht” soll das “Geistige Eigentum” der Presseverleger schützen, indem Zitate aus Verlagsangeboten (was ist das genau) im Internet in besonderer, über das gewöhnliche Urheberrecht hinausgehender Weise lizenzpflichtig werden. Dass aus der Etablierung eines derartigen Standesrechtes für ein zum Glück und allgemeinen Segen aussterbendes Medium weitreichende Probleme in der ganz gewöhnlichen Internetnutzung folgen; dass ein solches Standesrecht weit in die Grundrechte auf Meinungsäußerung, freie Wissenschaft, freie Lehre und indirekt durch Beeinträchtigung der Kommunikaiton im Internet in das Grundrecht auf Informationsfreiheit hineinragt; alles das ist diversen Mitgliedern der classe politique bei diesem Unterfangen zum Schutz der Privilegien einer durch die Kopierinfrastruktur des Internet obsolet werdenden Kopierindustrie gleichgültig. Vielmehr wird noch der “Schutz” winzigster Splitter des “Geistigen Eigentumes” durch eine fragwürdige, augenscheinlich in der Lobby des Reichstages von lichtscheuen Zeitgenossen diktierte Gesetzesidee über diese Grundrechte gestellt.

Auf diesem Hintergrund ist es interessant, wie sorgfältig die Verlagsanbieter eigentlich an anderer Stelle mit dem “Geistigen Eigentum” umgehen; ob sie hier eine besonders verantwortungsvolle und vorsichtige, ja, vorbildliche Haltung an den Tag legen, oder ob es ihnen im Betrieb der Contentindustrie eigentlich recht gleichgültig ist, da es ihnen nur darum geht, den richtigen Content zu finden, um Leser zum eigentlichen Geschäft, zur Reklame, zu locken — so ähnlich, wie jeder Angler weiß, dass der Wurm nicht ihm, sondern den Fischen schmecken muss.

Die folgenden Zitate sind da ein kleines bisschen augenöffnend, denn sie erzählen die Geschichte eines großartigen “Geschenks” der Firma Adobe:

Fast wie Weihnachten: Adobe schnürt ein dickes Software-Paket zusammen und verschenkt die Creative Suite CS2. Haken: Auf neueren Systemen kommt es teils zu Kompatibilitätsproblemen.

[...] Klar, dass Adobe nicht die aktuelle Creative Suite CS6 verschenkt. Die kostet schließlich rund 950 Euro [...] Dennoch gibt es teure Profi-Software für lau – ein nettes Geschenk von Adobe

ComputerBild.de — Software für einst über 2.000 Euro: Adobe Creative Suite CS2: Software-Sammlung jetzt gratis herunterladen

Adobe macht den Kreativen ein schönes Geschenk zum Jahresbeginn. Die Software-Sammlung Adobe Creative Suite 2 gibt es komplett gratis – alternativ können die Programme wie Photoshop und Acrobat Pro auch einzeln heruntergeladen werden.

Voraussetzung zum Download der Adobe Creative Suite 2 ist lediglich eine kostenlose Adobe ID

t3n.de — Adobe verschenkt Creative Suite CS2

Adobe bietet derzeit seine Programmsammlung Creative Suite in der veralteten Version 2 kostenlos samt Seriennummern zum Download an. Mittlerweile wurde die Seite wieder abgeschaltet.

Die Adobe Creative Suite 2 und ihre Einzelapplikationen wie Photoshop, Premiere Pro, InDesign, Illustrator, Audition und Acrobat Pro sind jetzt kostenlos als Download erhältlich. Auch die notwendigen Seriennummern stellt Adobe zur freien Verfügung.

[...] Mittlerweile hat Adobe die Seite offenbar wieder abgeschaltet, unter der URL ist nur noch eine Fehlermeldung zu sehen.

Golem — Photoshop & Co: Adobe bietet Creative Suite 2 kostenlos zum Download an

Auf der Webseite des Software-Herstellers Adobe stehen die Anwendungen der Creative Suite 2 für Windows und Mac OS X inklusive Seriennummern kostenlos zum Download. Nutzungsvoraussetzung ist lediglich eine Adobe-ID

Heise Online — Adobe verschenkt die Creative Suite 2

Photoshop kostenlos zum Download gab es bisher nur als offizielle 30 Tage Trial oder über illegale Quellen, von denen man am besten die Finger lässt. Doch jetzt hat Adobe offiziell eine Version von Adobe Photoshop zum kostenlosen Download bereit gestellt.

[...] Den kostenlosen Download von Photoshop bekommen Sie über eine offizielle Webseite von Adobe. Damit das klappt, brauchen Sie eine Adobe ID, die Sie sich dort aber auch kostenlos anlegen können.

[...] Hintergrund warum Adobe überhaupt anfängt, seine Software zu verschenken, ist, dass die Aktivierungs-Server für die CS2-Produktlinie Mitte Dezember 2012 abgeschaltet wurden. Kunden, die sich das Produkt gekauft haben und neu installieren wollen, können ihre Software nicht mehr nutzen. Was als Workaround für bestehende Kunden gedacht war, hat Adobe aber nicht besonders professionell umgesetzt. Adobe scheint sich aber sehr wohl bewusst, dass sich jetzt jeder mit einer kostenlosen Adobe ID einfach Photoshop, InDesign, Premiere und Co. holen kann: Auf Nachfrage von CHIP Online gab es zwar bisher noch keine offizielle Antwort von Adobe. Im Support-Forum aber lässt ein Adobe-Mitarbeiter verlauten, man sich durchaus bewusst, dass die Software nun allen Nutzern mit Adobe ID bereit stehe: “Yea [...] we are aware that the software is available for all users with an Adobe ID. You will want to have a valid license for a software title affected by the activation server outage. Please also keep in mind that due to the age of these software titles it is likely that they will not function properly on modern operating systems.”

Chip Online — Photoshop kostenlos: Windows und Mac Downloads [sic! Mit Deppen Leer Zeichen.]

Adobe verschenkt sein Profi-Grafiksoftware-Paket Creative Suit [sic! Da sitzt ein Spezialexperte in der Technikredaktion!] per Gratis-Download – zumindest in der Version CS 2 von 2005. Das Software-Paket kostete damals mehr als 2.000 Euro.

[...] Die Programme können jeweils einzeln als Installationsarchiv heruntergeladen werden, die dazugehörige Seriennummer steht direkt neben dem Download. Warum Adobe die Software im Wert von einst 2100 Euro verschenkt, hat das Unternehmen noch nicht angegeben.

The Wall Street Journal — Adobe verschenkt Creative Suit 2 [sic!] samt Photoshop

Nun, ich kann dem so markant kompetenten Techschreiber vom Wall Street Journal gern aushelfen und mitteilen, warum Adobe eine Software im Wert von einst 2.100 Euro verschenkt: Adobe verschenkt die Software gar nicht.

Die Erklärung von Chip Online deckt sich völlig mit der Darstellung auf der Adobe-Website. Offenbar hat hier ein Schreiber in einem Anfall journalistischer Sorgfalt vorm Online-Stellen eines Artikels mit dem Hinweis auf Adobes “Geschenk” mal einen Blick auf die Adobe-Website geworfen und auf dieser recht unübersichtlichen Site auch die Suchfunktion gefunden, um den folgenden Hinweis zu lesen [Schnellübersetzung von mir]:

Beim Versuch der [m. Anm.: Online-] Aktivierung ihrer Create Suite 2, ihres Acrobat 7 oder von Macromedia-Produkten können sie eine Fehlermeldung bekommen, dass der Aktivierungsserver nicht verfügbar ist. Ab dem 15. Dezember [m. Anm.: 2012] werden die Aktivierungsserver für diese Produkte heruntergefahren [...] Um Abhilfe für dieses Problem zu schaffen, haben wir eine Version dieser Software-Titel erstellt, die keine Aktivierung benötigen.

Und genau das sind die besagten Downloads der CS2, die eine längere Zeit am gestrigen Tage jeder Mensch mit einer Adobe-ID herunterladen konnte, um sie auf seinem Computer zu installieren, wenn er eine zwar acht Jahre alte, aber immer noch außerordentlich leistungsfähige Software haben wollte.

Was sich allerdings keiner dieser ganzen “Qualitätsjournalisten” gefragt hat — und das angesichts einer Meldung, die sogar mich so stutzig gemacht hat, dass ich beim Bloggen darüber sofort eine recht flappsige Bemerkung geschrieben habe — ist die einfache Frage, warum Adobe auf seiner gesamten Website nichts von einer “geschenkten” Version von CS2 erwähnt hat. Schon der handelsübliche Verstand sollte doch erkennen, dass ein solch außerordentliches “Geschenk” nicht ohne begleitende Werbung, ohne entsprechende Presseerklärungen und dergleichen gegeben wird. Diese “Kleinigkeit” wurde für mich schnell zum Grund, die Meldungen nicht zu glauben, sondern nach einem Kontext für das Downloadangebot Adobes zu suchen. Eigentlich wäre das ja die Aufgabe von Journalisten, und wenn sie diese Aufgabe nicht erfüllen, braucht man sie gar nicht mehr, aber lassen wir das…

Dass die bloße Möglichkeit, eine Software herunterzuladen und eine lokale Kopie dieser Software auf dem eigenen Rechner auszuführen noch nicht eine Nutzungslizenz beinhaltet oder die Anfertigung der Kopie legalsiert, sollte jedem Nutzer des Internet vollkommen klar sein. Wenn es jemanden nicht klar ist, wird er sich jedenfalls in einem Rechtsstreit nicht mit seinem Unwissen herausreden können. Genau so, wie jedem Nutzer von Verlagsprodukten vollkommen klar sein sollte, dass Dinge nicht zu Fakten werden, nur weil sie so in den Stories der “Qualitätsjournalisten” zu lesen sind. In beiden Fällen kommt die Klarheit aus leicht zu machender Erfahrung.

Von einer Freigabe oder gar einem Geschenk ist von Seiten Adobes nicht die Rede. Und es ist niemals die Rede davon gewesen.

Dies wird im Adobe-Forum manchmal nicht ganz so eindeutig von Mitarbeitern kommuniziert [Schnellübersetzung von mir]:

Die einzige Änderung, die von Adobe vorgenommen wurde, ist, dass die Aktivierungsserver für CS2, Acrobat, Macromedia-Prodkute am 15. Dezember heruntergefahren wurden

Es gab jedoch auch die eine oder andere deutlichere Ansage von Adobe-Mitarbeitern [Schnellübersetzung von mir]:

Sie haben etwas Falsches gehört! Adobe bietet absolut keine freien Kopien von CS2 an.

Was stimmt, ist, dass Adobe die Aktivierungsserver für CS2 abschaltet und dass für bestehende lizenzierte Anwender von CS2, die ihre Software neu installieren müssen, Kopien von CS2 verfügbar sind, die keine Aktivierung, aber gültige Seriennummern erfordern. (Spezielle Seriennummern werden auf der Seite für jeden Download eines Produktes ausgegeben.)

Sie sind nur dann dazu ermächtigt, legal herunterzuladen und mit der Seriennummer zu installieren, wenn sie eine gültige Lizenz für dieses Produkt haben.

Das ist eigentlich alles, was man lesen muss, damit sich das Märchen von Adobes Geschenk in eine Schar schnatternder Zeitungsenten auflöst. Dass es nicht jeder “Qualitätsjournalist” gelesen hat, der dieses Märchen als Meldung mit der Glaubwürdigkeit des Qualitätsjournalismus aufgeladen und als Wahrheit vor ein größtenteils naiv gläubiges Millionenpublikum gestellt hat, liegt daran, dass es gar nicht so einfach ist, diese Stellungnahme von Dov Isaacs zu finden — man muss dafür ja immerhin eine auf der Startseite des Forums durch deutliche Sichtbarkeit versteckte Suchfunktion benutzen und so einen fernliegenden Suchbegriff wie CS2 eingeben. In beinahe jedem der dabei gefundenen Threads kann man mehr oder minder deutlich lesen, wie der Sachverhalt wirklich aussieht, und so manches Mal schimmert durch die professionelle Freundlichkeit der Adobe-Supporter in der spatanischen Kürze der Antwort ein deutliches Genervtsein hindurch. Die haben nämlich nebenbei auch richtige Probleme von richtigen, zahlenden Kunden zu lösen…

Fasse ich einmal kurz zusammen (mit ein paar Spekulationen)

Adobe hat einen Lizenzserver für einige acht Jahre altes Produkte aus mir unbekannten Gründen abgeschaltet. Vermutlich stand der Wartungsaufwand, und damit die laufenden Kosten für diesen Server in keinem guten Verhältnis mehr zu seiner Nutzung für die Freischaltung dieser Produkte. Server warten sich nicht von allein (und verwandeln außerdem teuren elektrischen Strom in weitgehend wertlose Abwärme), und dass Adobe kein Weihnachtsmann, sondern eine wirtschaftliche Unternehmung mit Gewinnerzielungsabsicht ist, sollte auch außerhalb der Wirtschaftsredaktionen schon einmal aufgefallen sein.

Adobe ist eine Unternehmung, über die ich etwa gleichviel Gutes wie Schlechtes sagen kann, aber in diesem Fall kann ich nur ein gutes Wort sagen: Adobe hat festgestellt, dass seine acht Jahre alte Software immer noch in aktiver Benutzung ist und sogar hin und wieder noch einmal neu installiert wird. Arbeitsrechner werden ja gelegentlich neu aufgesetzt, oder aber beim Kauf eines neuen Rechners soll die bislang erworbene Software weitergenutzt werden. Sie war ja auch nicht ganz billig.

Auf diese Beobachtung hat Adobe mit einem geradezu vorbildlichen Kundendienst reagiert. Adobe hat nicht etwa duruch bloße Abschaltung des Aktivierungsservers die erneute Installation der Software verhindert, um seine Nutzer zu einem kostenpflichtigen und für Adobe damit lukrativen Upgrade zu nötigen, sondern Adobe hat eine Version der Software gebaut, die ohne Aktivierung durch den Lizenzserver nutzbar ist und diese Version für seine Kunden zum Download angeboten. Dabei war sich Adobe über eventuelle Missbrauchsmöglichkeiten vermutlich im Klaren und hat diese Entscheidung genau deshalb nicht so offen kommuniziert, dass sie Begehrlichkeiten nach bequemen kostenlosen Downloads bei irgendwelchen Geiz-ist-geil-Prolls mit großem Sammeltrieb und geringer Lust an eigener Kreativität weckt.

Über einen mir nicht näher bekannten Kanal ist dies in die Aufmerksamkeit der “Qualitätsjournalisten” gelangt. (Die Zitate oben sind nur eine kleine Auswahl dessen, was sich gestern dazu lesen ließ — und vermutlich gibt es solche Meldungen in wenigen Stunden auch industriell auf Papier gestempelt zu erwerben.)

“Qualitätsjournalisten” haben das — vermutlich nach Klick auf einen zugesteckten Link ohne Kontext — also gesehen und folgendermaßen bewertet: “Adobe bietet auf seiner eigenen Website ein für jedermann nach kostenloser Registrierung installierbares Paket älterer Versionen seiner Software an. Das ist ein Geschenk”. Eine Recherche, wieso es zu diesem “Geschenk” kommt, fand ebensowenig statt wie die naheliegende Frage, warum es zu diesem an sich sehr werbewirksamen “Geschenk” weder eine Meldung auf der Adobe-Website noch eine offizielle Presseerklärung gibt. Auch für eine halbe Stunde Nutzung der Suchfunktion im Adobe-Forum mit sich unmittelbar aufdrängenden Suchbegriffen war offenbar keine Zeit, als schnell eine “Story” in das CMS geprügelt werden musste. Diese Sache mit dem “Geistigen Eigentum”, die immer, wenn es um die besonderen “Schutzbedürfnisse” der Presseverleger im Speziellen und der Contentindustrie im Allgemeinen geht, als so unendlich wichtig erachtet wird, spielte im Falle Adobes auf einmal ebenso wenig eine Rolle wie auch nur die kleinste journalistische Sorgfalt, die sonst als “Qualitätsmerkmal” herausgekramt wird.

Die diversen Presseprodukte haben die sensationelle Meldung voneinander übernommen, um Standardtextbausteine aus ihrem Textbausteinbestand ergänzt und brav in ihre Websites zwischen das eigentliche Geschäft der Presse, also zwischen die Reklame, geklatscht. Ich habe in einer Suche mit Google News nicht einen Artikel gefunden, der diese Meldung in Frage stellt und schließe daraus, dass keine von diesen vielen fürs Presseschreiben bezahlten, unterbelichteten Gestalten angesichts einer derartig unerwarteten und außergewöhnlichen Meldung einen Bedarf nach nur den einfachsten Recherchen gesehen hat. Adobe hat übrigens auch eine in der Website angegebene Telefonnummer und ganz gewiss auch einen geeigneten Ansprechparter für Anfragen der Presse…

Die Möglichkeit, dass es durch die Tätigkeit von “Qualitätsjournalisten” — die ihr ganz spezielles “Geistiges Eigentum” durch ein so genanntes “Leistungsschutzrecht” zum Nachteile aller Menschen in der BRD zusätzlich “schützen” lassen wollen — zu einer massenhaften Installation nicht-lizenzierter Software Adobes kommen könnte, hat in diesem forschen Streben nach schnellem, webbigen Content nicht zur Besinnung geführt. Zu einer solchen Besinnung und einem “vielleicht noch einmal nachschauen, was es damit auf sich hat” kam es auch dann nicht, als Adobe den Download-Server kurzerhand abschaltete, so dass er nur eine für die meisten Nutzer unverständliche japanische Fehlermeldung präsentierte. Warum sollten Immaterialgüterrechte, die das Geschäft anderer Unternehmungen sind, für die (zu allem Überdruss meist auch noch unterbezahlten) Mietfedern der Verlagsmilliardäre auch eine Rolle spielen?!

Durch diese Haltung ist ein Schaden entstanden.

Es ist für Adobe nicht so sehr der finanzielle Schaden durch die “Raubkopien”, wie “Qualitätsjournalisten” so etwas sonst gern nennen. Wer sich eine nicht-lizenzierte Kopie besorgen wollte, wusste schon vorher, in welcher Bucht mit Piratenschiff man illegalerweise an Software kommt, und zwar an wesentlich aktuellere. Und die Menschen, die sich den Kauf einer aktuellen CS nicht leisten konnten und freudig dieses “unfreiwillige Angebot” einer veralteten und nicht mehr unterstützten Version wahrgenommen haben, hätten ohne ihren kostenlosen Download auch nicht mehr Geld für den Softwarekauf zur Verfügung gehabt.

Aber der konzentrierte Traffic für den Download einer obsoleten Software hat (bis zur schließlichen Abschaltung des Servers) technische Kosten verursacht. Bezahlte Supportmitarbeiter von Adobe mussten sich überdem im Forum mit immer wiederholten Anfragen herumschlagen, und an manchen Bearbeitungen der Fragen durch Moderatoren sieht man, dass dabei auch nicht immer der feinste Ton von Seiten der Fragenden geherrscht haben wird. (Ob wohl auch einige besonders üble Idioten völlig gelöscht wurden?) Und das alles für eine Software, die so alt und ungebräuchlich geworden ist, dass der Betrieb des Aktivierungsservers dafür aus Sicht Adobes wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll war. Ich kann es auch etwas drastischer ausdrücken: Wegen dieses Mülljournalismusses haben heute sehr viele hoffentlich gut bezahlte Menschen einen dreiviertel Tag lang Scheiße geschaufelt.

Wird Adobe noch einmal in einer ähnlichen Situation so eine vorbildlich kundenfreundliche Entscheidung treffen, oder wird Adobe vielmehr die Menschen zu einem Upgrade nötigen? Wird eine andere Softwarefirma, die diesen Vorgang mitbekommen hat, in ähnlichen Situationen zu Gunsten der Kunden oder zu Gunsten der eigenen Kostenersparnis entscheiden?

Das ist der Schaden. Es ist ein Schaden für alle, die Geld für Software ausgeben und in Zukunft wohl damit leben müssen, dass ihr vor ein paar Jahren gekauftes Programm zwar theoretisch immer noch alles könnte, wofür es einmal erworben wurde, aber nach einem Plattencrash oder dem Kauf eines neuen Computers oder einer Neuinstallation des Betriebssystemes nicht mehr installierbar ist.

Wer so etwas in Zukunft erlebt, bedanke sich bei “Qualitätsjournalisten” — die zum Hohn auch noch so tun, als ob sie durch das Internet “enteignet” würden.

Und eines ist da noch. Was soll Adobe jetzt eigentlich machen?

Für die meisten Menschen ist es derzeit eine “Wahrheit”, dass Adobe Software “verschenkt”. Wenn Adobe darauf reagiert, indem die Downloadmöglichkeit dauerhaft geschlossen wird, schafft das einen schlechten und aus Werbesicht eher unerwünschten Eindruck — und zwar für das Zurückhalten eines Angebotes, das am Markt wertlos ist.

Bei Adobe sitzen genau jetzt, in diesem Moment Menschen zusammen und beraten darüber, was aus PR-Sicht das günstigste Vorgehen wäre.

Sie werden vermutlich zu dem Schluss kommen, dass sie am besten eine Presseerklärung schreiben und für die Medienöffentlichkeit eine freundliche Lächelmaske aufsetzen, um das von “Qualitätsjournalisten” herbeifantasierte “Geschenk” zu bestätigen — natürlich nicht ohne vorher mit ihren Juristen die Haftungsfrage für die nicht mehr gepflegte Software voller bekannter Sicherheitslücken abgeklärt zu haben, was vermutlich auch nicht gerade eine Trivialtät sein wird.

Ob sich Adobe wohl gerade enteignet fühlt?

Von seinem “Geistigen Eigentum”?

Ich frag ja nur, mein stinkender Mitmensch “Qualitätsjournalist”…

Nachtrag, 8. Januar 2013, 17:00 Uhr

Jetzt, wo die Meldung aus dem “Aktuell”-Ticker herausgerückt ist, werden Korrekturen geschrieben, die kaum noch jemand liest, wie etwa bei Heise Online:

Adobe gibt also keine Erlaubnis für jedermann, die Software frei zu nutzen, schränkt die Nutzung allerdings auch mit keinem Wort ein. Nach wie vor stehen die Installer inklusive Seriennummern frei zum Download. Nachdem die Seite gestern zunächst offline war, hat Adobe anschließend sogar die Flucht nach vorne angetreten und die vorher nötige Anmeldung per Adobe-ID deaktiviert. Der Link ist nun öffentlich zugänglich. Adobe will die Nutzung nicht unterbinden, upgrade- und supportberechtigt sind Frei-Nutzer allerdings nicht

Tja, zu dieser völlig öffentlichen Freigabe und “Flucht nach vorn” ist Adobe genötigt worden. Von “Qualitätsjournalisten” mit einer tollen Story. Oder kurz gesagt: Adobe hat sich fast zu dem Schritt entschlossen, den ich vorhin bereits erwartet habe — nur eine öffentliche Erklärung, dass es sich um ein “Geschenk” handelt, fehlt noch. Wer mag, kann den Verzicht auf eine Registrierung bei Adobe so deuteln, als wäre es ein Geschenk.

Ich tippe darauf (ja, es ist Spekulation), dass die Hausjuristen davon abgeraten haben, eine Software mit bekannten sicherheitskritischen Fehlern “offziell” zu verschenken. Ansonsten könnte auf Adobe eine Haftungswelle zukommen. Man bedenke nur, dass in den USA die Produkthaftung so weit geht, dass es niemanden mehr überraschen würde, wenn eine Mutter ihr eigenes Kind auf Schadenersatz verklagte, weil es bei der Geburt so große Schmerzen verursacht hat — und von einem US-Richter das Recht auf ein siebenstelliges Schmerzensgeld zugesprochen bekäme. Auf Einweg-Kaffeebechern in den USA ist übrigens die Aussage “Inhalt ist heiß” gedruckt…

Wer eine CS2-Lizenz herumliegen hat oder keine Probleme damit hat, auf eigene Verantwortung eine nicht-lizenzierte Version von CS2 zu nutzen, kann die deutschsprachigen Versionen wieder herunterladen. Neben der dort angegebenen Seriennummer wird nichts benötigt, und die Software ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vollständig virenfrei.

Die ComputerBild hat es übrigens bis jetzt nicht für nötig befunden, unter die gestrige Falschmeldung auf ihrer Website einen korrigierenden Nachtrag zu schreiben — alle anderen hier zitierten Verlagsangebote haben dies getan. Für Leser bedeutet das: In der Website der ComputerBild kann eine sachlich vollkommen falsche Meldung auch dann stehenbleiben, wenn der Fehler längst allgemein bekannt geworden ist. Auf Grundlage dieser Beobachtung beurteile bitte jeder selbst, was das Meldungsarchiv der ComputerBild im Zweifelsfalle wert ist…

Nachtrag 31. Januar 2013: Adobe weist nun — beinahe einen Monat nach seiner “Enteignung” durch “Qualitätsjournalisten” — mit einem deutlichen Hinweis auf der Download-Seite unmissverständlich auf den korrekten Sachverhalt hin:

Die im Rahmen des Downloads erhaltenen Seriennummern dürfen ausschließlich von Kunden verwendet werden, die CS2 oder Acrobat 7 rechtmäßig erworben haben und weiterhin nutzen möchten. Ein Download der Software sowie die Nutzung der Seriennummern durch Personen, die CS2 oder Acrobat 7 in der Vergangenheit weder von Adobe direkt noch einem autorisierten Händler erworben haben, ist nicht gestattet und stellt eine Verletzung von Adobes Urheberrechten dar

Zu wie vielen hunderttausend Downloads und Nutzungen es wegen der hier beschriebene Falschmeldung gekommen ist, gehört zu den Dingen, über die Adobe allerdings schweigt.


Der Name der IP-Adresse

Zu den eifrigsten Schreibern zählt die IP-Adresse mit dem nicht gerade einprägsamen, aber unverwechselbaren Namen 93.184.129.133

Wirtschaftswoche — Wikipedia-Manipulation: Der perfekte Internet-Lebenslauf für Lindner

Die IP-Adresse als ihr unverwechselbarer Name, der etwas in die Wikipedia schreibt… es sind schon Leute für weniger wirre Ausdrucksweisen in die Lalaburg gekommen als dieser Spezialfachmann in Diensten des “Qualitätsjournalismus”.


Die wollen ja gar nichts kaufen!

“Sehr viele Menschen verbringen Zeit im Internet ohne etwas kaufen zu wollen”, schrieb die amerikanische Internet-Expertin Esther Dyson gerade: “Sie sind einfach dort (online), um Freunde zu treffen, Spiele zu spielen, Musik zu hören.” Oder einfach – “abzuhängen”.

Frankfurter Allgemeine — Technischer Fortschritt: Für wie viel Geld würden Sie aufs Internet verzichten?

Kommentar

<loriot>Ach?!</loriot>

Was wären wir alle nur ohne solche “Internet-Expert_innen”? Welches Studium muss man eigentlich abbrechen, um so ein von der Journaille zitierter “Internet-Spezialexperte” zu werden, der solche Banalitäten von sich gibt?

Ebenfalls für wenig Erkenntnisgewinn wird die “Umfrage” sorgen, die als interaktiver Bestandteil dieses Artikels eingebettet wurde:

Umfrage -- Wie viel Geld müsste man Ihnen zahlen, damit Sie das Internet ein Jahr lang nicht privat nutzen? 5000 Euro reichen locker, für mich wäre auch weniger genug. 10.000 Euro müssten es schon sein. Unter 25.000 Euro geht nichts. Für kein Geld der Welt würde ich auf das Internet verzichten. Abstimmen

Es ist nun einmal sehr schwierig, etwas von eher immateriellen Wert (die Befriedigung des sozialen Grundbedürfnisses nach menschlicher Kommunikation) mit einem Geldwert zu bemessen — sehr viel einfacher ist es hingegen, den Charakter eines qualitätsjournalistisch tätigen und tätlichen Mitmenschen einzuschätzen, dem sich solche Fragen aufzudrängen scheinen. Und diese Einschätzung gereicht nun einmal nicht zum Vorteile des so eingeschätzten Mitmenschen…


Stopfen

Microsoft-Browser: So stopfen Sie die neue Lücke im Internet Explorer. Gefährliche Sicherheitslücke im Internet Explorer 8: Schon beim Aufruf einer manipulierten Website können Angreifer einen Rechner übernehmen. Microsoft stellt einen Fix-it zur Verfügung, installieren müssen Kunden den selbst.

Spiegel Online!

Wer ein Betriebssystem nutzt, bei dem Microsoft sich nicht aus den vorgeschobenen technischen Gründen, sondern aus reiner Profitgier weigert, aktuelle Versionen seines Browsers zur Verfügung zu stellen, der sollte nicht irgendeinen “Fix-it” für das eine gerade aktuelle Problem draufpflastern und mit den restlichen Problemen weiterleben — zur Freude der organisierten Internet-Kriminalität.

Sondern er sollte möglichst schnell einen anderen Browser verwenden. Es gibt wirklich genug Auswahl an aktuellen Browsern, die sogar auf einem mittlerweile antiken Windows XP noch lauffähig sind. Wer den Firefox nicht mag, kann zum Beispiel Chromium oder Opera verwenden. (Wer sich nicht daran stört, dass Chrome “nach Hause telefoniert”, kann ihn natürlich anstelle von Chromium nehmen.) Dieser kleine Wechsel von einem nicht mehr aktiv gepflegten Browser voller bekannter und kriminell ausgebeuteter Fehler und Schwächen zu einem modernen, aktiv gepflegten Stück Software ist der größtmögliche Gewinn an Sicherheit bei der Nutzung des Internet. Im Gegensatz zum teuren Schlangenöl der Antivirus- und Security-Software ist es zudem ein Gewinn an Sicherheit, der nichts kostet. Es gibt also gar nichts, was gegen einen solchen Ratschlag spricht.

Wer sich aber von euch in Sachen Internet-Sicherhet “beraten” lässt, lebt gefährlich. Dieses Thema war euch nicht einmal einen kleinen Hinweis wert, dass man von der Verwendung veralteter Versionen des Internet Explorers — wann immer es möglich ist — Abstand nehmen sollte und stattdessen einen anderen Browser verwenden sollte.

Ach so, Spigel Online, das ist euch eigentlich egal? Ihr setzt da lieber die Presseerklärung von Microsoft rein und als Symbolbild ein absurd großes Logo des Microsoft-Browsers Internet Explorer dazu, weil diese Presseerklärung da ist und euch kein bisschen eigener geistiger Arbeit mehr macht? Ihr übernehmt so etwas einfach, auch wenn das zur Folge haben kann, dass ein Teil eurer Leser demnächst an Kontoplünderungen, Identitätsmissbräuchen sowie Missbräuchen des Rechners und der Internetverbindung für kriminelle Zwecke bemerkt, was es bedeutet, wenn man von der russischen Mafia gepwnt wird? Einfach, weil euch eure Leser scheißegal sind, aber solche Anzeigenkunden wie Microsoft unendlich wichtig?

Nun, wenn ihr “Qualitätsjournalisten” das für eine gute Empfehlung für eure Produkte haltet, will ich euch nicht davon abbringen. Hirnrissige Ideen bekämpft man immer noch am besten, indem man sie gewähren lässt.

Euer euch mal wieder kopfschüttelnd gelesen habender
Alarmknopfdrücker


Fantasien

Chaos Computer Club: Aufruf zum Widerstand gegen den Überwachungsstaat -- Der Hacker Jacob Appelbaum hat beim Kongress des Chaos Computer Clubs ein sehr persönliches Plädoyer gegen ausufernde staatliche Überwachungsfantasien gehalten.

Kurzkommentar

Nein, Zeit Online, Jacob Appelbaum hat nicht über irgendwelche Fantasien gesprochen, sondern über den ständig weiter vorangetriebenen Ausbau der konkreten und mittlerweile in beinahe jedes Leben hineinragenden staatlichen Überwachungspraxis.

Aber das liest man besser in einer Primärquelle nach und nicht im Spiegelbild des “Qualitätsjournalismus” — da wird aus jemanden, der sich mit einer großen Gefahr für Menschen- und Bürgerrechte beschäftigt, schon einmal jemand, dem es um irgendwelche Fantasien geht. Zwar nur im Anrisstext, aber dort ist diese als Meldung getarnte Bewertung schlimm genug.

Nachtrag, 28. Dezember, 17:10 Uhr: Na bitte, Zeit Online, es geht doch


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