Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Presse

Untersuchung

Das hier ist bislang das idiotische Symbolbild des Jahres zu einem Internet-Thema:

Ein Mensch sitzt vor insgesamt fünf Monitoren unterschiedlicher Geräte (darunter ein Notebook und ein Netbook), auf denen jeweils ein Matrix-Bildschirmschoner läuft. Darunter der Text: 'Wie die Spy-Software auf den PC kam, wird untersucht'

Bild.de — Attacke auf Landtags-Daten | Hacker-Angriff von Piraten-Rechner

Kürzstkommentar

Dass man bei der Bildzeitung den Lesern das Betrachten von Matrix-Bildschirmschonern als eine Form der ernsthaften forensischen Untersuchung verkaufen will, spiegelt vermutlich wider, wie die Recherche in der Bild-Redaktion aussieht: Ein leerer Kopf betrachtet dösig einige laufende Bildschirmschoner und denkt sich dazu seine Geschichte aus.


Das Internet kommt aus dem Browser

Wer mit dem Computer ins Internet will, braucht zuerst einmal einen Browser, der ihn dorthin bringt

Focus Online — Der große Vergleich: Internet Explorer, Chrome, Firefox: Welcher Browser ist wirklich der beste?

Ach, und ich Dummerchen dachte schon, man brauchte zunächst einmal die Dienstleistung eines Zugangsproviders, um einen der vielen Internetdienste — zum Beispiel auch dieses World Wide Web — mit Hilfe einer Software nutzen zu können. Gut, dass mich Qualitätsjournalisten darüber aufklären, wie es wirklich in Neuland aussieht. Woher kam da eben nur dieses Platschen?


Alles Google geht vom Verleger aus

Denn die Macht von Google, die keiner mehr bestreiten sollte, ist eine Macht, die von den traditionellen Verlagen ausgeht, auch wenn sie nicht dorthin zurückkehrt. Von den vielen Millionen deutschen Dokumenten, die das Google-Archiv auf seinen Servern bereithält, stammt kein einziger Text von einem Google-Mitarbeiter, sondern alles, was da an Artikeln begeistert, polarisiert, langweilt oder einfach nur informiert, ist von den Autoren deutscher Verlage in deutscher Sprache erstellt worden und – Vorsicht: jetzt kommt die Täterbiographie des späteren Opfers zum Vorschein – den Google-Suchmaschinen freiwillig überreicht worden

FAZ — Google-Debatte: Unsere Waffen im digitalen Freiheitskampf von Gabor Steingart

BULLSHIT -- Unterschätze niemals die von den Medien transportierte Eloquenz und seriöse Mimikry der Gehirnverweigerer!Kurzkommentar

Ob der Herr Steingart wohl weiß, was der Unterschied zwischen einem Telefonbuch und einem Telefongespräch ist? Für jene, die das Wort nicht mehr verstehen: Ein Telefonbuch — Herrn Steingart sicherlich noch ein Begriff, bei jedem zivilisierten Menschen unter 40 Jahren ist es jedoch mittlerweile durch bequemere und technisch bessere Lösungen ersetzt worden — ist eine alphabetische Liste von Namen in einem Ortsnetz, denen Telefonnummern und identifizierende Teile ihrer Anschrift zugeordnet sind. Da wir von den alten Römern ein System von sechsundzwanzig lustigen Kringeln in einer willkürlichen Anordnung übernommen haben, das uns ganz nebenbei einen alltagspraktischen Sortierschlüssel für jedes schreibbare Wort gegeben hat, war so ein Telefonbuch eine sehr praktische Angelegenheit, um die Telefonnummer eines Menschen herauszubekommen. Der Herr Steingart, der sich mit den oben zitierten Worten gegen Google der von seinem Arbeitgeber vorgegebenen Aufgabe entledigt hat, etwas gegen Google zu schreiben (und von eine Google-Debatte zu blahfaseln, die nur unter Qualitätsjournalisten seines nicht besonders großen Kalibers stattfindet), hätte die Technologie “Telefonbuch” vermutlich mit folgenden Worten beschrieben:

Von den vielen Millionen deutscher Telefongespräche, deren Nummern das Archiv des Telefonbuchverlegers bereithält, stammt kein einziges Gespräch von einem Mitarbeiter des Telefonbuchverlages, sondern alles, was an den Gespräche begeistert, polarisiert, langweilt oder einfach nur informiert, ist von Sprechern der deutschen Sprache gesprochen worden.

Diese Einlassung wäre selbstverständlich um eine genaue Beschreibung des Geschäftes eines Telefonbuchverlages ergänzt worden, um aus darin platzierter Reklame, Adresshandel und andere Dinge zu Lasten der vielen Fernsprechteilnehmer — na, Herr Steingart, habe ich mit diesem Wort ihre Sprache und Denke getroffen? — Reibach zu generieren.

Nun gut, die meisten Menschen außerhalb einer BRD-Redaktionsstube freuen sich jedenfalls über gut funktionierende Suchmaschinen, die ihnen mit sehr geringem Aufwand allerlei Großes und Kleines, Schlaues und Dummes, Schönes und Hässliches im Großen und Ganzen so zugänglich machen, dass das Gesuchte gefunden wird. Und die intelligenteren unter diesen Menschen wissen sich auch gegen gewisse Machenschaften zu wehren…

Die datengesteuerte Werbung im Internet erinnert mittlerweile auf fatale Weise an die Drückerkolonnen der frühen Nachkriegsjahre, als man Kosmetika, Plastikschüsseln, Zeitschriften und Lebensversicherungen an der Haustür vertrieb, ach was – verhökerte, verkloppte, aufschwatzte, nur dass die Avatare der damaligen Drücker heute englisch mit uns reden. Ihre Haustür ist unser Computerbildschirm, auf dem die Abgesandten aus der Welt der künstlich erzeugten Bedürfnisse mit Push-Mails, Overlayern und Pop-up-Windows unentwegt auf- und abmarschieren

…und haben erstens einen Adblocker installiert — der auch ganz gut gegen die handvoll externer Tracking-Skripten in diesem einen Artikel auf der Website der Frankfurter Allgemeinen hilft, die übrigens nur dieser an halbkriminelle Drückerkolonnen gemahnenden datengesteuerten Werbung im Internet dienen — sorgen zweitens dafür, dass nicht jede Website Code im Browser ausführen darf und stellen drittens ihren Browser so ein, dass keine Cookies über extern eingebettete Inhalte der dargestellten Seite angenommen werden. Einige versiertere Menschen gehen sogar wesentlich weiter, und nichts von dem, was diese tun, ist hochgeheime Raketenwissenschaft. Vielleicht sollte der Herr Steingart mal einen dahergelaufenen Vierzehnjährigen fragen, wie man sich dieses Web erträglich macht, dann würde er nicht in so realsatirischer Weise über seine eigene Dummheit und sein Unwissen jammern, um dieses hochnotlächerliche Geflenne dann in die scheinbare Seriosität der Presse einzupacken, um es in eine Art FUD-Propaganda gegen Google umzuwandeln. Oder, um Herrn Steingart zum letzten Male zu zitieren:

Wir gaben Google unsere [...] Hirne

Mit Verlaub, Herr Steingart, das merkt man aber auch, wenn man liest, was sie ins Fäuleton der FAZ stempeln lassen! :mrgreen:

Nachtrag, 25. Juni: Mario Sixtus: Das deutsche Internet, erklärt von Gabor Steingart


Massenproduktion von Intelligenz beginnt im Juli

Screenshot von golem.de --  Smartwatch: Apples iWatch für Oktober geplant -- Apples erste Smartwatch kommt im Oktober auf den Markt, wie es in einem aktuellen Bericht heißt. Die Massenproduktion der intelligenten Uhr soll im Juli beginnen. Mit der Apple-Uhr wird ein Schub für den Smartwatch-Markt erwartet.

Quelle des Screenshots: Internet.

Kurzkommentar

Programmierbarkeit und Intelligenz sind zwei sehr verschiedene Eigenschaften — was vermutlich jeder weiß, der schon einmal einen Computer programmiert hat… ;)


Verstehen wir nichts von…

Um was es dabei geht? Ehrlich gesagt – wir haben’s bei Wikipedia nachgeschlagen und nicht verstanden. Irgendwas mit Computern.

Bild.de — Was für eine Karriere | Ex-Kellnerin wird neue Chefin von Wikipedia

Ganz kurzer Kurzkommentar

Das gleiche offene Eingeständnis völliger Unkundigkeit und völligen Desinteresseres an dem Thema, worüber man als leistungsschutzrechtsgeschützter Qualitätsjournalist gerade schreibt, würde ich mir auch in anderen Bereichen wünschen, zum Beispiel im Wirtschaftsteil, in der Berichterstattung aus Krisen- und Kriegsgebieten oder bei der Kommentierung politischer Entscheidungen… ach, das geht nicht, da muss man ja auf jeden Fall Ernst und Einsicht wenigstens simulieren, weil es da um wichtige Themen geht. Damit auch alle Menschen diese Themen (der Herrschenden und Besitzenden) für wichtige, große, ernsthafte Themen halten mögen — und natürlich auch die von uns transportierte PR und Propaganda für glaubwürdig. Nur dieses Internet- und Computerdingens, das ist kein wichtiges Thema, da kann man sich mit winkender Hand hinstellen und in stolzer Geste auf das Papier für die Dummgehaltenen drucken lassen: Nee, das kapiere ich nicht, und ich habe nicht einmal am Rande Lust, mich da reinzulesen. Ich schreibe da nur einen Artikel drüber. Da braucht ihr Leser auch nichts zu kapieren. Bleibt bitte technische Analphabeten! (Ist ja auch besser für das Geschäft der Contentindustrie.)

Ach ja, platsch!


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