Sie reden vom Netz wie Blinde vom Licht

Fernsehen

Zur Tagesschau / In eigener Sache

Angesichts des gestrigen Tagesschau-Kommentares [dauerhaft archivierte Version] — zu dem ich kein weiteres Wort sage — möchte ich die Gelegenheit nutzen, an einen anderen Tagesschau-Kommentar zu erinnern und einen wichtigen Wunsch zu äußern.

Ich wünsche mir, dass niemals, niemals, niemals der Tagesschau-Kommentar vom 15. Juli 2013 zu Edward Snowdens Enthüllungen vergessen wird.

Die Frage, ob man auch in der Tagesschau-Redaktion etwas von derjenigen Heuchelei und demjenigen Zynismus an den Tag legt, der dort Frau Bundeskanzlerin Merkel in einem scheinbar kritischen Kommentar vorgeworfen wird; die Frage, wie gnadenlos zynisch es angesichts des Skandales ist, wenn die Tagesschau es erst einmal mit verdummender und jede Tatsache bewusst und zielstrebig verdrehender Propaganda versucht, um nach dem Scheitern dieses Versuches in die Gegenrichtung umzuschwenken und die Propaganda mit subtileren Methoden zu verabreichen, möge sich bitte jeder selbst beantworten.

Ein bisschen von diesem Zynismus und dieser Tatsachenverdrehung schwingt selbst im gestrigen, scheinbar gegen die BRD-Regierungslinie und US-Überwachung gerichteten Kommentare mit. Und zwar im vernebelnden Wort von der “US-Massenspionage”:

Die Große Koalition in Berlin hat freilich auch immer wieder gerne betont, dass Snowdens Verdienste unbestritten seien mit den Enthüllungen über die unkontrollierte, völlig entfesselte US-Massenspionage weltweit. Übrigens ist der Whistleblower ein Patriot, denn er hat die Tendenz zum totalen Überwachungsstaat öffentlich gemacht und damit die Gefahren offengelegt — zunächst für die US-Demokratie, aber nicht nur die.

“Spionage” beschreibt nicht, was von den Horch-, Späh- und Morddiensten der USA gegenwärtig im großen Maßstab durchgeführt wird. Spionage hat es immer gegeben, so lange Staaten, Armeen, Unternehmen und Einzelpersonen sich einen Vorteil im Krieg oder wirtschaftlichen Wettbewerb verschaffen wollten, indem sie ihre Entwicklungen, Techniken, Kenntnisse und Pläne geheim hielten. Spionage betrifft eine Minderheit der Menschen, die Zugriff auf Geheimgehaltenes haben, das “interessant” für Dritte sein könnte; sie ragt nicht in das Leben gewöhnlicher Menschen hinein, durchleuchtet nicht massenhaft ihre Beziehungen, ihre Kommunikation, ihr soziales Verhalten, ihre Interessen, Meinungen, Ängste, Probleme, Wünsche und Gedanken. Das Wort “Massenspionage” ist angesichts der von staatlichen Einrichtungen der Vereinigten Staaten von Amerika errichteten Überwachung möglichst aller Menschen auf der Welt so vollständig unangemessen und als Kategorie falsch, dass es sich nur dadurch erklären lässt, dass es bewusst und vorsätzlich verschleiern soll, dass der “totale Überwachungsstaat” längst eine Tatsache geworden ist. Wobei selbst dieses Wort noch die Tatsächlichkeit dessen, was von den Behörden der USA getan und immer weiter ausgeweitet wird, klein spricht und damit verharmlost — in Wirklichkeit wurde kein totalitärer Überwachungsstaat errichtet, sondern ein Überwachungsplanet. Das geht in seiner Größenordnung und in seinem menschenverachtenden Wahnsinn deutlich über das hinaus, was bislang unter dem Begriff “Überwachungsstaat” zusammengefasst wurde.

In der gewählten Sprache der Tagesschau des BRD-Staatsfernsehens ARD spiegelt sich die zynische, intelligenzverachtende und gegen die Mehrzahl der Menschen in Deutschland gerichtete Absicht der Propaganda. Nach wie vor. Den Menschen werden falsche Wörter gegeben, damit sie falsch denken und das, was sie sehen, lesen und hören, falsch einschätzen. Zum Beispiel die Tätigkeit der USA als “Spionage” und nicht als das, was sie ist: weltumspannende, selbst darin noch permanent ausgeweitete anlasslose Überwachung möglichst jeden Menschens.

Und deshalb wünsche ich mir, dass niemals, niemals, niemals der Tagesschau-Kommentar vom 15. Juli 2013 zu Edward Snowdens Enthüllungen vergessen wird. Damit niemals vergessen wird, dass es sich um eine Propagandasendung einer — übrigens entgegen dem Geiste und den Buchstaben des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland — nach politischen Ansprüchen personell besetzten Rundfunkanstalt handelt, die nicht im Geringsten neutral ist.

Nachrichten heißen so, weil die Meldungen nachgerichtet wurden, um die Menschen dazu zu bringen, dass sie sich danach richten. Und zwar auch entgegen ihrer eigenen Interessen und Ziele.


Wir haben einen Hacker, wir sprechen mit Google

Die Server wurden gehackt, erklärte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) zunächst. Ein Unbekannter habe “alle 15.000 Server unter seine Kontrolle gebracht”, sodass sich kein anderer Mitspieler einloggen konnte, um live bei der Sendung mitzuspielen [...]

Bis morgen versuchen die Verantwortlichen herauszubekommen, was genau passiert ist. Derzeit sei man “in Gesprächen mit Google”, heißt es beim NDR [...]

Inzwischen spricht der NDR nicht mehr von einem “Hacker” und hat seine Meldung in eigener Sache entsprechend geändert. “Quizduell startet mit technischen Problemen” heißt es jetzt da, von einem Hacker-Angriff auf 15.000 Server ist nicht mehr die Rede. Auch der Hinweis auf Gespräche mit Google wurde entfernt.

Heise Online — Panne beim TV-Quizduell: “Das ging komplett in die Hose”

Kurzkommentar

So so, einzelner Unbekannter bringt also 15.000 Serverchen “unter seine Kontrolle”, und was da los ist, das muss man “mit Google klären” — dieses Google ist ja schließlich aus Sicht der TV-Hirnversager des Norddeutschen Rundfunks und ihrer Opfer an den flackernden Volksempfängern der Fernmeldeknotenpunkt für dieses komische Neuland-Telefon mit Facebook, Shopping und Tittitainment-News¹. Vielleicht wären die Leute beim NDR (über den ich generell nichts Gutes zu sagen weiß) gut beraten, bei einer Fernsehsendung mit expliziter Beteiligungsmöglichkeit via Internet auch jemanden ins Studio zu stellen, das was von diesem Interdingsda versteht, statt sich heiter Unfug quasselnd um Kopf und Kragen zu reden und seine baffe Unkenntnis vor einer erheiterten Fernsehöffentlichkeit auszubreiten. Ach, das geht nicht, weil man ja den Pilawa nehmen muss, wegen der marktrelevanten Zielgruppe und vergleichbarem Quatsch… tja, euer Unglück, wenn ihr in eurer monströsen und deutlich überfinanzierten Sendeanstalt niemanden anders habt. Vielleicht dimensioniert ihr das nächste Mal einfach die Server ausreichend für die zu erwartende Last, dann müsst ihr auch nicht spontan irgendwelche Hackermythen erfinden. Ach, dafür braucht ihr Fachleute, also jetzt richtige Fachleute und keine Schwafelingenieure, also Leute, die ihr nicht habt… tja, Unglück, monströs überfinanzierte Sendeanstalt, ich wiederhole mich.

¹Sollten die Anfrage bei Google sinnvoll gewesen sein, weil die “Cloud”-Dienste von Google in Anspruch genommen worden sind, so können sich alle übers Handy wischenden Mitmacher beim Norddeutschen Rundfunk für die Datenlieferung an die NSA bedanken. Gruß auch an Jörg Pilawa, der zum Köder geworden ist, mit dem man die Weltüberwachungs-Datensammlungen der USA für Fernsehzuschauer schmackhaft macht. War es so, dann sage ich nur: Pilawa, du bist Stasi!


Schadsoftware über Werbung ausgeliefert

Hier geht es nicht um eine Fehlinformation, sondern um das Verschweigen einer für die Rezipienten der Nachricht wichtigen Information:

Über Websites von Yahoo in Europa ist Schadsoftware verbreitet worden. Das teilte der US-Internetkonzern mit. Ein Sprecher erklärte, auf den europäischen Yahoo-Seiten seien am vergangenen Freitag Anzeigen erschienen, über die sogenannte Malware gesandt worden sei.

Als Malware werden Computerprogramme verstanden, die die Abläufe auf den infizierten Computern stören und Eindringlingen möglicherweise Zugang zu privaten Informationen ermöglichen.

Tagesschau.de — Infizierte Werbeanzeigen: Malware über Yahoo-Seiten verbreitet

Kurzer, aber wichtiger Hinweis

Obwohl die Tagesschau-Redaktion das mit keinem Wort erwähnt, ist kein Mensch diesem gar nicht so ungewöhnlichen Infektionsweg schutzlos ausgeliefert.

Da es sich bei solchen Angriffen in der Regel um tagesaktuelle Schadsoftware handelt, die von den gängigen Antivirus-Programmen noch nicht erkannt wird, hilft ein Antivirus-Programm nicht. Was aber hilft, das ist ein Adblocker für den Browser, der diesen Infektionsweg an der Wurzel bekämpft. (Ich empfehle Adblock Edge.) Nicht nur, dass es sich bei der lediglich eine Minute in Anspruch nehmenden Installation eines Adblockers um eine wichtige Maßnahme zur Erhöhung der persönlichen (und geschäftlichen) Computersicherheit handelt, dieser Zuwachs an Sicherheit geht auch mit einer Steigerung der Geschwindigkeit und “Genießbarkeit” des Web einher — und das ist eine Kombination, zu der niemand “nein” sagen kann.

Wenn er dann davon erfährt. In der Tagesschau der ARD erfährt er es zumindest nicht.


3D-Drucker

Hintergrundbild zu einer Nachrichtensendung mit einem Tintenstrahldrucker, aus dem ein Auto kommt

3D-Drucker. Mit einem großartigen Symbolbild aus der Hirngruft der RTL-Newsredaktion. Via @web_martin.

Ach ja, platsch!


Endlich ein Pad für Internetausdrucker

Es ist eine Fehlleistung, die eher zu einem erfundenen Rundfunksprecher wie Ron Burgundy oder Alan Patridge passte, aber es war der BBC-Nachrichtensprecher Simon McCoy, der diese beiden Charaktere am Mittwoch übertraf, als er einen Bericht präsentierte, während er eine Packung Photokopierpapier trug — die er mit einem iPad verwechselte

The Guardian — BBC presenter does live broadcast clutching stack of paper instead of iPad

Ganz kurze Anmerkung zu dieser zum Brüllen komischen Realsatire

Ich bin Simon McCoy sehr dankbar für seine Schwierigkeiten, zwischen einem Stapel Papier und einem ab Werk verkrüppelten und entrechtenden Computer wie dem iPad zu unterscheiden, denn er hat so vor aller Augen deutlich gemacht, dass diese demonstrativ vor der Kamera benutzten iPads keinem anderen Zweck dienen als dem product placement. Und morgen sprechen wir wieder von “journalistischer Sorgfalt” und der klaren Trennung von Werbung und redaktionellen Beiträgen…

Die Frage, was Apple wem für diese klandestine Reklame bezahlt, wird vermutlich vor lauter Lachen von niemandem gestellt werden.


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